81. Internationale Langstreckenregatta „Quer durch Berlin“: Sieben Kilometer "Express"-Bootsfahrt vom Schloss zum Kanzleramt
Peter-Michael Kolbe will mit „Europa-Vierer“ siegen
Am 9. Oktober kocht wieder die Spree! Dieses Versprechen wird auf jeden Fall eingelöst, denn dann steht zum 81. Mal die Internationale Langstreckenregatta „Quer durch Berlin“ auf dem Programm des Hauptstadt-Sportkalenders. Die 7 km lange Strecke führt vom Start (ab 13 Uhr bis 16 Uhr im 30-Sekunden-Abstand) an der Jungfernheidebrücke nahe dem Schloss Charlottenburg bis zum Bundeskanzleramt.
Über 130 Vierer und Achter werden in 19 Rennen in diversen Altersklassen ihre Besten ermitteln. Wie es gute Sitte bei „Quer durch Berlin“ ist, werden sich dabei Ruder-Größen von einst, ambitionierte Nachwuchsathleten von heute, Breiten- und Freizeitsportler, Männer und Frauen (auch in gemischten Booten) treffen. Auch Olympiasieger und Weltmeister früherer Jahre haben gemeldet. Dabei ist vor allem ein Boot hervorzuheben, das in der Altersklasse D im Masters-Gig-Doppelvierer mit Steuermann(frau) an den Start gehen wird. Zählt man alles zusammen, dann sind in der Crew mit dem Niederländer Frans Göbel (Weltmeister Leichtgewichts-Einer), seinem Landsmann Nico Rienks (bester niederländischer Ruderer aller Zeiten, zweimal Olympiasieger), dem Hamburger Peter-Michael Kolbe (5 x WM in Einer, 3 x Olympia-Zweiter) und Alwin Otten (WM Leichtgewichts-Einer) zehn Titel versammelt. Die Vier, die sich bestens verstehen, haben sich in Ottens Heimatort Meppen gezielt auf „Quer durch Berlin“ vorbereitet und versprechen vor allem technisch Ruder-Anschauungsunterricht vom Allerfeinsten.
Auch viele Berliner Asse von einst werden in größerer Zahl zu erleben sein. Zu nennen sind hier u.a. Hans-Ulrich Schmied, Manuel Brehmer, Karsten Finger, Johannes Galandi, Marcus Mielke, Jan Herzog, Vladimir Vukelic oder Olaf Kaska. Neben den reifen Jahrgängen mit Erfolgsmeriten sind bei „Quer durch Berlin“, das unter 13 Brücken hindurch führt und dank Schifffahrtssperre faire Bedingungen vom Junior bis zum Master bietet, aber auch eine Reihe der Talente am Start, die Berliner Vereine in diesem Jahr bereits bei internationalen Nachwuchschampionaten vertraten und mit Blick auf die Olympia 2012 in London ein Leistungsversprechen abgeben wollen.
Zu nennen wären da zum Beispiel Eileen Wallenhauer (Frauen-Doppelvierer/RC Tegel), Stefan Riemekasten (RG Rotation), Nils-Ole Bock und Clemens Barth (alle Junioren-Achter/RK am Wannsee). Die beiden Stadtachter bei den Junioren (A und B) sind übrigens jene, die Berlin demnächst beim traditionellen Vergleich mit Zürich und Kopenhagen in der dänischen Hauptstadt vertreten werden. Sie nutzen die Traditionsregatta noch einmal als Formtest. In den Trainingsaufbau integriert hat das Rennen auch der Handicap-Vierer mit Steuermann, in dem mit Martin Lossau (RC Tegelort) und Steuerfrau Katrin Splitt (BRC Hevella) zwei Berliner sitzen. Die Behindertenruderer werden Deutschland bei den WM Anfang November in Neuseeland vertreten.
Natürlich wird „Quer durch Berlin“ auch wieder dem Attribut „international“ gerecht. Gemeldet haben neben den Stammgästen aus Polen und Dänemark Ruderer aus den Niederlanden, Österreich und den USA. Dass nach dem Motto „Sehen und gesehen werden!“ am Ziel vor dem Haus der Kulturen ab 14.30 Uhr am Spreeufer erneut die traditionelle Spreekieker-Party mit Live-Musik, Speis und Trank sowie stimmungsvollen Siegerehrungen stattfindet, versteht sich von selbst und ist lebendige Traditionspflege. Wenn ein am 12. Mai 1929 entzündetes Feuer immer noch glüht, dann darf man getrost von einem Dauerbrenner sprechen. Der vom Landesruderverband organisierte Wettkampf „ist ein sportliches Aushängeschild der Hauptstadt wie der Berlin-Marathon oder das DFB-Pokalfinale“, sagt LRV-Geschäftsführer Michael Hehlke, der die Veranstaltung als Regattaleiter seit vielen Jahren begleitet und auch die Idee hatte, dass Ziel ans Bundeskanzleramt zu legen.
Er ist zu Recht stolz darauf, dass die Tradition von „Quer durch Berlin“ nie aufgegeben, sondern mit Herzblut, Leidenschaft und Engagement am Leben gehalten wurde. „Tradition pflegen, heißt nicht, Asche aufzubewahren, sondern Glut am Glühen halten“, hat der französische Sozialist Jean Jaures mal gesagt. Als am 12. Mai 1929 die Premiere stieg, war es nur ein Versuch, den Rudersport von „j.w.d.“, von „janz weit draußen“, mitten in die Stadt zu bringen. Ein Versuch, der auf Anhieb glänzend gelang. Mit 31 Booten war die Beteiligung erstaunlich. Im Vorjahr, beim 80. Jubiläum, gab es mit über 150 Meldungen eine neuen Teilnahmerekord.