17. Febr. 2010 | Indoor | von boat-events

C.R.A.S.H.-B. - Der Dresdener Tim Grohmann gewinnt in der Königsklasse in 5:48,7 Minuten

„Concept2 Team Germany“ sichert sich bei den „29.C.R.A.S.H.-B. SPRINTS“ mit 10 x Gold, 5 x Silber und 3 x Bronze die Nationenwertung!

„Tausend Dank an alle, ihr ward ein super Team und die Leistungen herausragend. Dies war das beste Abschneiden eines „Concept2 Team Germany“ in der Geschichte der C.R.A.S.H.-B. SPRINTS!“, so resümierte der sichtlich stolze und überglückliche Mannschaftsleiter, Dirk Schildhauer (Geschäftsführer von Concept2 Deutschland) beim Abschussabend in „Dick´s Bar“ diesen WM-Sonntag in Boston. In der Tat konnte das „Concept2 Team Germany“ mit zehn Mal Gold, fünf Mal Silber und drei Mal Bronze ein sensationelles Ergebnis einfahren und sicherte sich am Ende, wenn auch nur knapp mit einer Goldmedaille Vorsprung vor Dänemark, Platz eins in der Nationenwertung.

Schon bevor das erste Rennen in der „Agganis Arena“ der Boston University gestartet wurde gab es im deutsche Team Grund zum Jubeln. Aus Deutschland erreichte den Lübecker Leichtgewichtsruderer Peter Ording die Nachricht, dass er über Nacht stolzer Papa geworden ist. Seine Tochter, Jordis Margarete, kam zwar vier Wochen früher als erwartet, Mutter und Kind sind aber alle wohl auf, sodass die Freude riesen groß war.

Im Vormittagsbereich standen dann zunächst die Entscheidungen der Masters-Ruderer an. Den Auftakt machte die Dresdenerin Veronika Zimmert in der Klasse der 65-69-jährigen. Drei Tage vor ihrem 70. Geburtstag zeigte sie der jüngeren Konkurrenz nochmal was sie drauf hat und holte souverän in 8:28,7 Minuten das erste Gold des Tages. 1985 saß die Berlinerin Jutta Abromeit bei der Wasser-WM in Hazewinkel im Gold-Vierer mit Steuerfrau, damals für die DDR. In Boston wollte sie sich ihr erstes Einzelgold sichern. Mit einem Vorsprung von 5,7 Sekunden auf die starke internationale Konkurrenz gelang dieses Unterfangen in 7:23,0 Minuten. Der Dresdener Christian Sommer konnte seinen WM-Titel von 2008 in der Klasse der 65-69-jährigen in diesem Jahr zum zweiten Mal verteidigen. Ihm reichte eine Siegerzeit von 6:56,9 Minuten. Nach Bronze im vergangenen Jahr, hieß es in diesem Jahr Silber für den Ingolstädter Manfred Dürr, der bei den 60-64-jährigen ins Rennen ging. Der 52-jährige Bernhard Köhler aus Regen ist der einzige Fitnesssportler im „Concept2 Team Germany“, der in der Fitness Oase in Regen die Freude am Ergometerrudern gefunden hat und noch nie im Boot gesessen hat. Einmal mehr hat er sich glänzend vorbereitet und in 6:45,3 Minuten seine Silbermedaille bei den Leichtgewichtsruderern seiner Klasse verteidigt. Der älteste deutsche Teilnehmer, Fred Günther aus Rüdersdorf schloss diesen Vormittagsblock mit einer Bronzemedaille ab. Der 74-jährige Leichtgewichtsruderer benötigte für die simulierten 2.000 Meter 7:57,8 Minuten.

Als nächstes standen die vier Entscheidungen der Junioren auf dem Programm. Mit Unterstützung der Junioren-Bundestrainerin, Brigitte Bielig, konnte das „Concept2 Team Germany“ auf die besten Athleten des Deutschen Ruderverbandes zurückgreifen, was sich in der eindrucksvollen Bilanz von drei Mal Gold und ein Mal Bronze nieder schlug. Zwei Anläufe benötigte der Potsdamer Felix Bach zu seiner Goldmedaille. In der Startphase seines ersten Versuches hob sich der Ruderergometer vorne hoch und die Kette verdrehte sich, sodass eine Rennfortsetzung unmöglich wurde. Die Rennleitung gab ihm aber eine zweite Chance und unter dem stehenden Applaus der Halle schrammte er mit 5:51,8 Minuten nur knapp am Junioren-Weltrekord vorbei. Selbst in der Eliteklasse waren nur zwei Ruderer an diesem Tag schneller, was diese Top-Leistung nochmals unterstreicht. Die Kappelnerin Judith Sievers hatte sich beim Ergo-Event in Lübeck mit ihrer Siegerzeit von 6:56,6 Minuten für diese WM qualifiziert. In Boston reichten ihr 7:02,6 Minuten um die Konkurrenz bei den Juniorinnen souverän in schach zu halten. Die Kettwigerin Fabienne Knoke holte sich bereits im Vorjahr den WM-Titel bei den Leichtgewichts-Junioren. Bei der Euro Open in Kettwig qualifizierte sie sich erneut, sodass die Titelverteidigung angesteuert werden sollte. Dies gelang eindrucksvoll. Nur 2 Zehntel über dem Deutschen Rekord siegte sie in 7:18,5 Minuten und holte damit das sechste Gold für das „Concept2 Team Germany“. Der Würzburger Leichtgewichts-Junior Thomas Volmer war im Verlauf der Deutschen Indoor-Rowing Serie mehrfach hauchdünn an der Qualifikationszeit gescheitert, sodass ihm eine gesponserte Reise von Seiten der Firma Concept2 verwehrt blieb. Der Akademische Ruderclub sprang dann kurzfristig ein, was der sympathische Bayer seinem Heimatverein mit einer Bronzemedaille dankte.

Das eine Reise auf eigene Kosten zur Ergo-WM auch Gold wert sein kann, stellte der Frankfurter Jens Raab eindrucksvoll unter Beweis. Er siegte bei den 30-39-jährigen in 6:02,8 Minuten mit einem Vorsprung von 3,2 Sekunden auf den Südafrikaner Ross Hawkins. 2006 holte sich die Koblenzerin Petra Lücke bei den 30-39-jährigen Leichtgewichten WM-Gold. Seither platzierte sie sich jedes Jahr auf dem Treppchen, zu Gold reichte es aber in den letzten drei Jahren nicht. Dieses Jahr sollte es mal wieder soweit sein und in 7:21,6 Minuten feierte sie ihren zweiten Ergo-WM Titel ihrer Karriere. Der frisch gebackenen Papa Peter Ording hingegen stand in den letzten drei Jahren bei den 30-39-jährigen Leichtgewichten immer ganz oben auf dem Podest. In diesem Jahr fand er seinen Meister in dem Dänen Eskild Ebbesen der 6:15,8 Minuten ruderte und 7,1 Sekunden schneller als Ording war. „Es ist keine Schande gegen den besten Leichtgewichts-Ruderer aller Zeiten verloren zu haben, außerdem habe ich heute Nacht schon einmal gewonnen als meine Tochter   geboren wurde“, so der Kommentar eines sichtlich bewegten Peter Ording der direkt nach seinem Rennen zurück in die Heimat zu Frau und Kind flog. In der Klasse der 40-49-jährigen Frauen gab es nochmals Silber für das „Concept2 Team Germany“, die Bonnerin Barbara Jonischkeit überquerte die Ziellinie in hervorragenden 7:10,6 Minuten. Auch in diesem Rennen hatte eine Dänin die Nase vorn. Margit Haahr Hansen fuhr sensationelle 7:03,5 Minuten und hätte bei den 30-39-jährigen sogar noch Silber gewonnen. In dieser Klasse war nämlich nur eine schneller und die kam aus Deutschland, gehört zur „Top 100“ des Deutschen Ruderverbandes und heißt Silke Günther. In 7:01,8 Minuten fuhr die Neu-Mainzerin in dieser Klasse ein einsames Rennen und sicherte sich ungefährdet die Goldmedaille.

Als Höhepunkt dieser 29. Weltmeisterschaften im Indoor-Rudern standen nun am Nachmittag die Elitefinals auf dem Programm, wo die Entscheidungen des U23 Bereichs gleichzeitig mit ausgefahren wurden. Als erstes Rennen in diesem Block stand die Entscheidung im Leichtgewichts-Frauenbereich auf dem Programm. Die Titelverteidigern Marie-Louise Dräger aus Rostock, die sich vor gut zwei Wochen mit einem neuen Deutschen Rekord in 7:01,8 Minuten bei der Euro Open in Kettwig erneut für diese WM qualifiziert hatte, verzichtete wegen eines parallel stattfindenden Trainingslagers auf eine Titelverteidigung. Dies wäre auch ein schweres unterfangen geworden, denn die Amerikanerin Ursula Grobler siegte in sensationellen 6:57,5 Minuten. Diesem international sehr stark besetzten Feld stellte sich aber die amtierende Deutsche U23 Meisterin, Sina Burmeister, aus Berlin. Im Gesamtklassement  landete sie mit ihrer Zeit von 7:11,9 Minuten hinter der Amerikanerin und den beiden amtierenden Weltmeisterinnen im Leichtgewichts-Frauen-Doppelzweier aus Griechenland auf einem hervorragenden vierten Rang, welches die Silbermedaille im U23 Bereich hinter der Griechin Christina Giazitzidou (7:07,5 min) bedeutete. In der offenen Klasse der Frauen war leider keine deutsche Teilnehmerin am Start, da die Rostockerin Ulrike Sennewald aus dem gleichen Grunde wie Marie Louise Dräger auf einen Start verzichtete. Hier siegte die Kanadierin Carolyn Ganes in 6:40,4 Minuten. Im vorletzten Rennen des Tages stellte sich dann der Karlstädter Christian Hochbruck der Konkurrenz bei den Leichtgewichts-Männern.  Der erst 20-jährige amtierende deutsche Ergomeister traf unter anderem auf den Weltrekordhalter Hendrik Stephansen aus Dänemark, der auch dieses Rennen erwartungsgemäß in 6:03,4 Minuten gewann. Der Karlstädter blieb mit 6:12,6 Minuten etwas hinter seiner Zeit bei der Euro Open zurück, landete aber in der Gesamtwertung auf einem guten fünften Rang und sicherte sich im U23 Bereich noch die Bronzemedaille. Den krönenden Abschluss einer mehr als erfolgreichen Ergo-WM für das „Concept2 Team Germany“ lieferte dann der Dresdener Tim Grohmann in der Königsklasse des Ergometerruderns im offenen Elitebereich. In einem taktisch sehr klugen Rennen rang er die Konkurrenz nieder und siegte als erst 21-jähriger in der Königsklasse mit  einer Siegerzeit von 5:48,7 Minuten. Der Este Allar Raja, der in 5:50,6 Minuten zweiter wurde und auch bei der Wasser-WM im vergangenen Jahr in Poznan als dritter im Doppelzweier das Nachsehen gegenüber dem deutsche Boot hatte gratulierte dem „Doppelweltmeister“, der ja auch die U23-Wertung gewann, anerkennend bezüglich dieser Leistung.

Nach diesem Betreuungsmarathon suchte der Headcoach des „Concept2 Team Germany“, Boris Orlowski, zunächst erst einmal eine ruhige Ecke in der riesigen Agganis Arena um die Geschehnisse der letzten Stunden Revue passieren zu lassen und die Medaillen zu zählen. „Die Leistungen und das gezeigte Engagement der gesamten Mannschaft war unglaublich. Jeder hat sein bestes gegeben und für den anderen mitgefiebert, vom 17-jährigen Junior bis hoch zu 74-jährigen Mastersruderer. Der Dank geht an den Chefbundestrainer des Deutschen Ruderverbandes, Hartmut Buschbacher, und alle beteiligten Heimtrainer, die durch die Freigabe ihrer Athletinnen und Athleten diesen Erfolg auch im Elitebereich erst möglich gemacht haben. Mit Tim Grohmann stellt Deutschland seit mehr als einem Jahrzehnt endlich mal wieder den Sieger in der Königsklasse.“

Es verstand sich von selbst, dass Mannschaftsleiter Dirk Schildhauer die komplette Mannschaft am Abend im Namen der Firma Concept2 und eines weiteren nicht genannten Sponsors zum Abschlussabend in „Dicks Bar“ einlud. Es wurde ein sehr gemütlicher Abend, der vom eigens für diesen Abend engagierten Gitarrenspieler gekonnt untermalt wurde. Nach einer letzten Shoppingtour am Montagmorgen flog die komplette Mannschaft dann zurück nach Deutschland und erreichte wohlbehalten am Dienstagmittag die Heimatorte.