26. März 2026 | Elite | von Deutscher Ruderverband

Ein Ruderer zwischen zwei Welten: Nikita Mohr und sein Weg nach Cambridge

Ein Ruderer zwischen zwei Welten: Nikita Mohr (2. v. l.) und sein Weg in den Cambridge Leichtgewichts-Achter (Foto Nordin Catic/ CUBC)

Nur wenige Athleten treten beim Boat Race mit einem so beeindruckenden Lebenslauf an wie Nikita Mohr. Als Mitglied des Leichtgewichts-Achters von Cambridge hat sich Mohr direkt etabliert. Mit einer Goldmedaille bei den U23-Weltmeisterschaften im Leichtgewichts-Doppelzweier sowie mehreren Podiumsplatzierungen auf europäischer und nationaler Ebene hatte er schon die Grundlage, aber im Achter in Cambridge zählen andere Kompetenzen. Von frühen Erfolgen im Junioren-Achter bis hin zu internationaler Anerkennung im Skull-Bereich ist Nikitas Werdegang von Entschlossenheit und Vielseitigkeit geprägt, aber die Verbindung von sportlicher und akademischer Exzellenz hat noch einmal einen anderen Charakter. In diesem Interview werfen wir einen Blick auf seinen Weg nach Cambridge, die Herausforderungen des Spitzensports im Rudern und darauf, was es bedeutet, bei einem der bekanntesten Rennen des Rudersports anzutreten. Das Rennen der Leichtgewichts-Achter wird am 3. April ausgerudert, einen Tag vor den Rennen der offenen Klasse. 

Rudern.de: " Was hat dich motiviert, nach England zu gehen und Studium und Spitzensport beides auf diesem Niveau parallel zu betreiben?"

Nikita Mohr: "Tatsächlich vor allem zwei Sachen: Mit der Streichung des LM2x aus dem Olympischen Programm und damit der Förderung des DRV vom Leichtgewichtsrudern war ich ein bisschen ziellos, wie meine Karriere weitergehen sollte. Mit dem baldigen Ende meines Medizinstudiums in Deutschland wollte ich mich gleichzeitig auch etwas mehr in Richtung medizinische Forschung orientieren. Als mich dann Felix Krane, mein Doktorvater in Deutschland und RTHC-Vereinskollege, auf die Idee brachte, mich doch auf einen Master in England zu bewerben, war ich total begeistert von der Idee, da es mir die Möglichkeit gibt, Rudern aus einer anderen Perspektive – mehr als Teamsport im Achter – zu betreiben und gleichzeitig auf höchstem Niveau zu studieren und zu forschen."

 

Rudern.de: "Was bedeutet es für dich, beim traditionsreichen Boat Race für dein Team anzutreten?"

Nikita Mohr: "Es bedeutet mir extrem viel. Rudern in Cambridge ist einfach etwas total Besonderes. Fast 50 % aller Studenten hier rudern auf College-Niveau, das heißt, das Interesse am Boat Race, aber auch die Erwartungen an unsere Mannschaft sind natürlich riesig. Teil dieser fast 200-jährigen Tradition zu sein, ist eine besondere Ehre, aber auch eine Verpflichtung, und das merkt man auch."

 

Rudern.de: "Wie unterscheidet sich die Vorbereitung auf das Boat Race von anderen Wettkämpfen?"

Nikita Mohr: "Der Hauptunterschied liegt im Saisonaufbau: Während wir in Deutschland für die U23-WM die meiste Zeit über im Winter individuell trainieren und die Mannschaft erst 8–6 Wochen vor der WM gebildet wird, ist hier das Boat Race von Tag 1 an das Ziel. Das heißt, es wird fast jeden Tag Achter gefahren, und auch die Selektion ist ein 6-monatiger, durchgängiger Prozess. Natürlich spielt auch die Länge des Rennens eine Rolle: Die Belastungen im Boot wie auch auf dem Ergometer sind deutlich länger als für einen 2k-Wettkampf."

 

Rudern.de: "Welche Rolle spielt Teamdynamik im Leichtgewichts-Achter, und wie stärkt ihr den Zusammenhalt im Boot?"

Nikita Mohr: "Besonders, weil wir so lange auf einen einzigen Wettkampf hinarbeiten, ist das Mannschaftsgefüge entscheidend: Wir haben eine extrem heterogene Gruppe dieses Jahr im Leichtgewichts-Team, von mir als internationalem Skuller bis zu Leuten, die aus komplett anderen Sportarten kommen und erst vor zwei Jahren Rudern gelernt haben. Weil wir eine etwas kleinere Gruppe als die Schwergewichte sind, haben wir aber besonders in den letzten Wochen einen fabelhaften Teamgeist entwickelt, bei dem jeder weiß, dass jeder für jeden bis ans Limit geht."

 

Rudern.de: "Was sind die größten körperlichen und mentalen Herausforderungen in der Wettkampfphase?"

Nikita Mohr: "Mental ist es auf jeden Fall herausfordernd, dass man durchgängig Vollgas in der Uni geben muss. Besonders im Vergleich zu meiner Nationalmannschaftskarriere in Deutschland, wo ich extra versucht habe, in der Hauptwettkampfsaison möglichst wenig universitäre Verpflichtungen zu haben und mich voll aufs Rudern konzentrieren zu können, muss ich hier auch noch zwei Wochen vor dem Boat Race täglich sechs bis acht Stunden im Labor sein. Körperlich habe ich mich mittlerweile daran gewöhnt, aber besonders jetzt, wo das Rennen immer präsenter im Kopf wird, ist das manchmal gar nicht so einfach zu koordinieren."

 

Rudern.de: "Hast du ein persönliches Ritual oder eine Routine vor dem Start eines so wichtigen Rennens?"

Nikita Mohr: "Tatsächlich bin ich mittlerweile so ein „alter Hase“ im Leichtgewichtsrudern, dass die Routine vor, während und nach der Waage für mich direkt zur Rennvorbereitung zählt und mir hilft, in den Modus zu kommen. Das klingt vielleicht ungewöhnlich, aber durch diese Routine weiß ich immer, dass es jetzt ernst wird."

 

Rudern.de: "Welche Ziele hast du dir für dieses Rennen gesetzt – sowohl individuell als auch mit dem Team?"

Nikita Mohr: "Also, beim Boat Race ist es ja relativ einfach: Eine Uni gewinnt, eine verliert – und es gibt keine Silbermedaille. Unser Wille zu gewinnen steht außer Frage. Wir wollen die tolle Dynamik, die wir uns in den letzten Wochen sowohl ruderisch als auch als Mannschaft aufgebaut haben, auf den Punkt aufs Wasser bringen und der anderen Crew nicht den Hauch einer Chance geben."