Favoritensiege für Zeidler, Klapperich/Hagemeister und Mührs/Reif
Oliver Zeidler (Frankfurter RG Germania) und Aurelia Janzen (Rostocker RC) haben die Einer-Titel beim Deutschen Meisterschaftsrudern für Kleinboot und Para gewonnen. Der Olympiasieger von 2024 und die Wahl-Schweizerin lieferten auf der Olympia-Ruderanlage in München-Oberschleißheim einen Beweis ihres großen Könnens und wurden mit den Meisterketten dekoriert. Im Frauen-Zweier holten sich Lene Mührs und Hannah Reif (Kettwiger RG/Frankfurter RG Germania) nicht unerwartet den Sieg. Im Männer-Zweier gewann mit Paul Klapperich und Theis Hagemeister (Bonner RG/Frankfurter RG Germania) ebenfalls das favorisierte Boot die Meisterschaft.
Nach zwei sonnigen Tagen hatte sich das Wetter am Finaltag zwar verschlechtert und es wurde windig, der angekündigte Gewitterregen blieb aber lange aus. Athleten, Betreuer und Zuschauer genossen die besondere Atmosphäre in der großen Ruderanlage einhellig, auch wenn der Zahn der Zeit an manchen Stellen nagt. Der Dank von DRV-Präsident Moritz Petri galt auch den ausrichtenden Vereinen Rudergesellschaft München und Schleißheimer Ruderclub für die exzellente Organisation.
Zeidler freut sich schon auf die „Höhle des Löwen“
Mit seinem Start-Ziel-Sieg im A-Finale ließ Oliver Zeidler „keinen Zweifel daran, wer Deutschland auch dieses Jahr international im Einer vertreten wird“ (Trainer Heino Zeidler). „Ich bin hier wieder gut in den Wettkampf-Rhythmus gekommen und habe auch das Finale heute dominiert“, sagte Oliver Zeidler. Opa Johann Färber überreichte ihm die traditionelle Siegerkette. Sein Ziel ist natürlich die Weltmeisterschaft in Amsterdam. „In den letzten Jahren hatte ich immer sehr starke Gegner aus den Niederlanden, ich muss also in die Höhle des Löwen. Trotzdem hoffe ich, dass ich den WM-Titel errudern kann."
Zweiter wurde Jonas Gelsen (Nassovia Höchst), der Zeidler auf den letzten 500 Metern mit einem schönen Endspurt noch nahekam und am Ende eine nur halbe Länge Rückstand hatte. Ganz anders als im Halbfinale, als Gelsen mit einer falschen Taktik haderte. Er war ebenso zufrieden wie Felix Heinrich (Normannia Braunschweig), der als Dritter mit bereits 6,14 Sekunden auf Zeidler ebenfalls noch am Siegersteg anlegte. Vierter wurde Vorjahressieger Marc Weber (Frankfurter RG Germania), Platz fünf und sechs blieben für den ehemaligen Leichtgewichtsruderer Arno Gaus (Bonner RG) und Ole Hohensee (Stralsunder RC). Das B-Finale gewann Timo Strache (Hannover RC) vor Moritz Küpper (RC Herdecke) und U23-Ruderer Mats Schmied (RC Potsdam).
Föster freut sich auch über Rang zwei
Im Frauen-Einer ging die Hoffnung von Cheftrainer Marcus Schwarzrock, eine Siegerin aus seinem Nationalteam erleben zu dürfen, nicht in Erfüllung. Zu überlegen gestaltete Aurelia Janzen, die für die Schweiz startet, das A-Finale und wiederholte ihren Vorjahressieg. Alexandra Föster (RC Meschede) schob sich mit ihrem bekannten Endspurt noch auf Rang zwei, allerdings 4,12 Sekunden hinter der Dauer-Rivalin Janzen. „Ich bin nach meiner Rückenverletzung schnell wieder fit geworden, aber die Vorbereitung hat es schon gestört. Ich bin hier gute Rennen gefahren. Heute waren die Beine etwas flattrig, aber ich konnte zeigen, dass ich bei schwierigen Bedingungen rudern kann. Mit dem zweiten Platz hinter Aurelia bin ich sehr zufrieden“, sagte Alex Föster.
Rang drei sicherte sich auf den letzten Metern mit einem Kraftakt Tabea Schendekehl (Hansa Dortmund). Juliane Faralisch (Frankfurter RG Germania), die bei der 1500-Meter-Marke noch auf Rang zwei gelegen hatte, musste sich mit Rang vier zufriedengeben. Frauke Hundeling (DRC Hannover) wurde Fünfte, Rang sechs blieb nach einem guten Halbfinale für Johanna Debus (RV Hellas Offenbach). Das B-Finale gewann Maren Völz (RC Potsdam) vor Lisa Gutfleisch (Heidelberger RK) und Sarah Wibberenz (RC Havel Brandenburg).
Brahms/Breuer arbeiten lange an Überraschung
Das spannendste A-Finale des olympischen Bereichs lieferten die Männer-Zweier. Leonard Brahms (Berliner RC) und Frederik Breuer (Bonner RG), der vor zwei Wochen noch den Cambridge-Achter als Schlagmann zum Sieg geführt hatte, arbeiteten lange an einer Überraschung und lagen bei der Hälfte der 2000-Meter-Strecke vorne. Im dritten Teilstück zogen Paul Klapperich und Theis Hagemeister, die einen mäßigen Start hingelegt hatten, aber mit Volldampf vorbei und sorgten am Ende mit 1,13 Sekunden Vorsprung auf Brahms/Breuer, die Platz zwei als großen Erfolg werten konnten, für einen Sieg der Favoriten. Beide hatten schon bei der Langstrecke Leipzig überzeugt. „Wir legen viel Vertrauen in unsere Trainer, dass sie die beste Bootsklasse für uns auswählen“, sagte Klapperich. „Wir wollten auf jeden Fall gewinnen, das haben wir erreicht“, sagte Hagemeister.
Dritte wurden Olaf Roggensack und Mattes Schönherr (RC Tegel/RC Potsdam), die den Schlussspurt von Wolf Niclas Schröder und René Schmela (Arkona Berlin/Berliner RC) abwehrten. Auf Rang fünf kamen Benedict Eggeling/Jasper Angl (RC Favorite Hammonia/RV Münster), Sechste wurden Tobias Strangemann/Tassilo von Müller (RV Dorsten/RK am Baldeneysee). Das B-Finale gewannen Leon Gronbach und Justus Beckmann (RG Speyer/RV Bochum).
Schwestern-Boot feiert eine gelungene Premiere
Im A-Finale des Frauen-Zweiers hatten Lene Mührs und Hannah Reif (Kettwiger RG/Frankfurter RG Germania) alles im Griff. Sie wurden deutsche Meisterinnen und erhielten den erstmals verliehenen Augletics-Pokal. „Der ist ein schönes Add-On. Wir haben unsere Zielstellung erreicht“, sagte Lene Mührs. In Abwesenheit von Paula Hartmann und Olivia Clotten, die nach dem Vorlauf krankheitsbedingt zurückziehen mussten, ruderten die erstmals zusammenfahrenden Schwestern Annabelle und Luise Bachmann (beide RV Ingelheim) mit 4,35 Sekunden Rückstand auf den zweiten Platz. „Von Rennen zu Rennen hat es besser gepasst, am Ende kam das perfekte Rennen zusammen“, freute sich Luise Bachmann.
Die U23-Mannschaft mit Lene Holkenbrink und Raphaela Werner (RC Allemannia/Mainzer RV) konnte mit ihrem dritten Rang sehr zufrieden sein. Vierte wurden Anna Härtl/Nora Peuser (Frankfurter RG Germania/RU Arkona Berlin), gefolgt von den U23-Athletinnen Helena Wegener/Lanea Rüter (RK Wannsee/RC Tegel) und Lena Gresens/Michelle Lebahn (beide RC Potsdam). Im B-Finale siegten Sara Grauer und Alina Krüger (RV Münster/RV Kappeln).
Positives Fazit von Robert Sens und Marcus Schwarzrock
Von der Intensität der Wettkämpfe begeistert war DRV-Sportvorstand Robert Sens. „Wie schon im Viertel- und Halbfinale gerudert wurde, das war große Klasse. Es waren harte, aber faire Wettkämpfe, die uns weiterbringen. Schön auch, dass es das Leichtgewichtsrudern noch gibt und bei der Jugendsichtung gab es ebenfalls viele tolle Leistungen", sagte Sens.
Auch Cheftrainer Marcus Schwarzrock zog ein positives Fazit der Meisterschaft. „Eigentlich gab es wenige Überraschungen. Die physiologisch starken Ruderer und Ruderinnen sind auch vorne gelegen. Für die Saison können wir optimistisch sein. Im Frauen Riemen können wir personell noch nachlegen“, sagte Schwarzrock. Nun gilt es für ihn und die Bundestrainer, die richtigen Schlüsse für die Besetzung der Boote im Nationalteam zu ziehen. Zu den Bedingungen sagte der Cheftrainer: „Am Freitag und Samstag waren sie ideal. Am Sonntag haben wir mit starkem Schiebewind begonnen, der dann leider kurzfristig in Seitenwind kippte.“
Kress und Reichardt steuern zu Leichtgewichtstiteln
Im Leichtgewichts-Bereich wurden in vier Bootsklassen mit guter Beteilung die Meister ermittelt. Im Frauen-Einer gewann die international erfahrene Johanna Reichardt (ARC Würzburg) den Titel vor Leonie Fless (Hellas Offenbach) und Nathalie Sendjuk (RK Wannsee). Im leichten Männer-Einer ging der Titel ebenfalls an den ARC Würzburg und ebenfalls an einen erfahrenen Ruderer. Fabio Kress gewann das Rennen, gefolgt von Maximilian Rühling (Mainzer RV) und Bruno Hirsch (Kölner RV 77). Im leichten Zweier der Frauen setzten sich Ingeborg Christl/Anne Langer (beide Regensburger RK) durch. Den dritten Titel für den ARC Würzburg gab es im leichten Männer-Zweier, den Patrick Erdmann und Johannes Ursprung für sich entschieden.
Luz mit zwei Titel erfolgreichster Para-Ruderer
Im Para-Rudern war Valentin Luz (Frankfurter RG Germania) mit zwei Titeln der erfolgreichste Athlet. Er setzte sich im Einer PR 4 durch und gewann zusammen mit Helene Krumbein (Normannia Braunschweig) auch den Doppelzweier PR4. Seine Standardpartnerin Kathrin Marchand steht nach ihre Teilnahme an den Winter-Paralympics vor der Rückkehr ins Team. Die weiteren Titelträger waren Marcus Klemp (ORC Rostock) im Einer PR1, Paul Limbach (RC Nürtingen) im Einer PR2, Jasmina Bier (RG Hansa) mit persönlicher Bestzeit im Einer PR2, Susanne Lackner (Amicitia Mannheim) im Einer PR4 und Bier/Limbach im Doppelzweier PR2. Dass das Rudern eine der wenigen Sportarten ist, die den Para Sport bei seinen Wettbewerben inklusiv behandelt, hatte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann bei seinem Regatta-Besuch gewürdigt.