16. Apr. 2026 | Nationalmannschaft | von Hans Strauss

Große Spannung vor der deutschen Kleinboot-Meisterschaft in München

Drei Tage Schauplatz des Deutschen Meisterschaftsruderns für Kleinboot und Para: das imposante Olympia-Ruderbecken von Oberschleißheim mit Tribüne und Zielturm. Foto: Manuel Ploetz

Auf der Olympia-Anlage von München-Oberschleißheim wird am Wochenende (17. bis 19. April 2026) das Deutsche Meisterschaftsrudern für Kleinboot und Para ausgetragen. DRV-Sportvorstand Robert Sens freut sich über das große Interesse an der Traditionsveranstaltung: 215 Boote aus 120 Vereinen haben gemeldet, das sind 20 Boote und 13 Vereine mehr als vor einem Jahr in Brandenburg an der Havel. In 15 Bootsklassen werden in Einern und Zweiern ohne die Titelträger und Platzierten ermittelt.

Im A-Bereich geht es für die Top-Athleten wie in jedem Frühjahr darum, sich für die Nominierung zur Nationalmannschaft zu empfehlen. Das Abschneiden in München zählt dafür ebenso 30 Prozent wie die Leistung bei der Ergometer-Prüfung vor drei Wochen in Leipzig. Die Bewertung der Trainer-Kommission findet mit 40 Prozent Eingang.

Im Para-Bereich geht es für 16 Boote in sieben Klassen ebenfalls um Titel, aber nicht um die Nationalteam-Nominierung. Gut besetzt sind mit 47 Booten die vier Leichtgewichts-Kategorien. Die Leistungsüberprüfung der U19 mit 168 Booten rundet die Regatta ab. Ausrichter ist der Münchner Regattagemeinschaft, bestehend aus Rudergesellschaft München und Schleißheimer Ruderclub. Die Regattaleitung haben Willi Bock und Dominik Duell.

A-Bereich verspricht harte Auseinandersetzungen

Nach den guten Ergo-Leistungen in Leipzig geht es für die besten deutschen Ruderer nun darum, dieses physische Potenzial im Oberschleißheimer Ruderbecken auch aufs Wasser zu bringen. „Spätestens ab dem Halbfinale wird es harte Auseinandersetzungen geben“, prophezeit DRV-Cheftrainer Marcus Schwarzrock. Er freut sich auch auf München, weil es an der Olympia-Strecke von 1972 für die Trainer möglich ist, die kompletten 2000 Meter auf dem Fahrrad zu begleiten. „Das bietet rudertechnisch sehr gute Einblicke“, sagt Schwarzrock.   

Der Männer-Einer hat mit 49 Booten das beste Meldeergebnis. Klarer Favorit auf seiner Trainingsstrecke ist Olympia-Sieger Oliver Zeidler (Frankfurter RG Germania). Nach seinem Studienjahr, das er mit WM-Silber abschloss, will Zeidler 2026 wieder voll angreifen. Am ehesten könnte ihm Jonas Gelsen (Nassovia Höchst) die bereits drei Mal errungene Meisterkette streitig machen. Der Hesse beeindruckte nach seinem Pausenjahr in Leipzig sowohl auf der Langstrecke, die er vor Zeidler gewann, als auch auf dem Ergometer. Das Siegerpodest komplett machen könnte Titelverteidiger Marc Weber, der zur Frankfurter RG Germania gewechselt ist und sich im Skull-Leistungszentrum Hamburg-Ratzeburg integriert hat. Zum Favoritenkreis gehören auch wieder Felix Heinrich (Normannia Braunschweig), Oliver Holtz (Rostocker RC), Ole Hohensee (Stralsunder RC), Tim Gränitz und Jakob Geyer (beide Berliner RC), die alle im letzten Jahr das A-Finale erreichten.

Im Frauen Einer, mit 42 Meldungen ebenfalls prächtig besetzt, ist die Jagd auf Aurelia Janzen (Rostocker RC) eröffnet. Die Deutsch-Schweizerin hatte sich im letzten Jahr die Meisterkette gesichert. Das wollen in München vor allem die Einer-Spezialistinnen Juliane Faralisch (Frankfurter RG Germania) und Alexandra Föster (RC Meschede) verhindern. Für Beide geht es aber in erster Linie darum, sich im Kampf um den Einer-Sitz auf dem langen Weg zur WM in Amsterdam Ende August erste Vorteile zu verschaffen. Faralisch war in Leipzig auf dem Ergo und im Einer die Schnellste, die Olympia-Siebte Föster litt unter Rückenproblemen. Selbst der Einzug ins A-Finale wird angesichts der gestiegenen Konkurrenz-Situation im Frauen-Skull um die Besetzung der Boote im Nationalteam alles andere als eine einfache Sache. Die Zahl der Anwärterinnen ist groß.     

Die Riemer und Riemerinnen messen sich im Zweier ohne. Bei den Männern, die um den Claus-Heß-Gedächtnis-Preis fahren, geht es für die Athleten aus dem Stützpunkt Dortmund natürlich darum, sich für die Plätze im Achter und eventuellen weiteren Booten zu empfehlen. Die Leipzig-Sieger Paul Klapperich und Theis Hagemeister (Bonner RG/Frankfurter RG Germania) würden ihren starken Auftritt auf der Langstrecke gerne wiederholen. Hinter der Teilnahme der Titelverteidiger Julius Christ und Sönke Kruse (RTHC Bayer Leverkusen/RV Münster) steht wegen gesundheitlicher Probleme von Christ noch ein Fragezeichen. Gleiches gilt für die Paarung Mark Hinrichs (Limburger ClfW) und Hanno Brach (Gießener RG), der ebenfalls Probleme hat. Unter den 41 gemeldeten Booten harmonierten auch Benedikt Eggeling und Jasper Angl (RC Favorite Hammonia/RV Münster), Tobias Strangemann und Tassilo von Müller (RV Dorsten/RK am Baldeneysee) sowie Wolf-Niclas Schröder und Rene Schmela (RU Arkona Berlin/Berliner RC) in Leipzig gut.

Für den Frauen-Zweier sind 24 Boote gemeldet. Paula Hartmann und Olivia Clotten (Mainzer RV/Neusser RV), die schon in Leipzig gut zusammen ruderten und die Langstrecke gewannen, haben sich damit in die Favoritenrolle geschoben. Insgesamt aber ist in diesem Bereich derzeit noch viel im Fluss. Lene Mührs (Kettwiger RG), die im vergangenen Jahr zusammen mit Clotten den Sieg davongetragen hatte, bildet zusammen mit Hannah Reif (Frankfurter RG Germania) ein starkes Boot. Nora Peuser (RU Arkona Berlin) ist nach ihrer langen Verletzungspause wieder zurück und startet zusammen mit Anna Härtl (Frankfurter RG Germania). Gemeinsam im Boot sitzen die Schwestern Annabelle und Luise Bachmann (beide RV Ingelheim). Für die Frauen-Zweier geht es erstmals um den Augletics-Pokal, der von dem Rudergeräte-Hersteller gestiftet wurde.

Para-Team künftig ohne Philipp Dosse

Ein schwerer Schlag für das deutsche Para-Team: Philipp Dosse (Der Hamburger und Germania Ruder Club), der vergangenes Jahr mit dem PR3 Vierer WM-Bronze in Shanghai gewonnen hatte, wurde vom Weltverband nicht erneut für Para-Rudern klassifiziert. Nach seiner erstmaligen Klassifizierung 2025 musste Dosse in die Folgeprüfung. Grund ist eine veränderte gesundheitliche Ursachenbetrachtung von Dosses Einschränkung an der Hand, die nun nach den Vorgaben als nicht-klassifizierbar beurteilt wird. So hofft der 25-Jährige zwar auf eine positive gesundheitliche Entwicklung, muss jedoch anerkennen, dass er aktuell dem Para-Rudersport nicht zur Verfügung stehen kann.

Anders als in olympischen Bereich ist die Kleinboot-Meisterschaft für die Para-Nationalmannschaft kein Qualifikationswettbewerb. „Es geht in München darum, Rennerfahrung sammeln, sich national zu präsentieren und die Para-Flagge hochzuhalten“, sagt Para-Bundestrainer Marc Stallberg. Anstelle des vorgesehenen Dosse startet nun Valentin Luz (Frankfurter RG Germania) mit Hermine Krumbein (RK Normannia Braunschweig) im Zweier, damit auch sie ein Rennen bestreiten kann. 

Junioren-Sichtung auf dem Weg zur EM in Brandenburg

Junioren-Bundestrainer Paul Zander freut sich auf die erste zentrale nationale Leistungsüberprüfung auf dem Weg zu vielen internationalen Highlights im Kalenderjahr 2026. „Über den Herbst und Winter gab es einige vielversprechende Entwicklungen im konditionellen Bereich, sodass wir sehr gespannt sind, wie sich unsere Athletinnen und Athleten nach so langer Zeit auf dem Wasser präsentieren“, sagt Zander. Der Wetterbericht verspricht sehr gute Bedingungen für den Vergleich in den Kleinbooten über drei Rennen (Vorlauf, Zwischenlauf, Finale). Besonderer Anreiz für die Sieger der Kleinboot-Überprüfung ist die Chance auf eine Nominierung zu den Junioren-Europameisterschaften in Brandenburg Mitte Mai. „Anschließend wollen wir aus diesen Ergebnissen heraus schon die ersten Kombinationen im Doppelzweier und Vierer ohne testen, um zu sehen, ob sich daraus schon Mannschaften in Hinblick auf die Internationale DRV-Juniorenregatta, ebenfalls in München in drei Wochen, anbieten. Dort gibt es dann weitere Plätze für die Junioren-EM zu errudern“, erläutert Zander. 

Bayerns Innenminister Herrmann kommt

Am Samstagnachmittag hat auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann seinen Besuch an der Rennstrecke in Oberschleißheim angesagt. Die Olympia-Anlage von 1972 ist ein wesentliches Element bei der Olympia-Bewerbung der Stadt München, die schon durch einen positiven Bürgerentscheid gestützt wird. Für die European Championships 2022 war die Regatta-Anlage teilsaniert worden und ist voll funktionsfähig. Im Falle eines Zuschlags für Olympische Spiele würde sie aber wohl umfassend erneuert werden. 

Der Zeitplan

Die Vorläufe werden am Freitag zwischen 15 und 17.35 Uhr ausgefahren. Am Samstag steigen zwischen 10:40 und 11:10 Uhr die Viertelfinals der beiden Einer. Zwischen 16:32 und 18:30 Uhr stehen alle Halbfinals auf dem Zeitplan. Die Finals werden am Sonntag zwischen 11 und 13.35 Uhr ausgetragen. Die Ansetzung der wichtigsten A-Finals: 11.30 Uhr Männer-Einer, 11.45 Uhr Frauen-Einer, 12.45 Uhr Frauen-Zweier, 13 Uhr Männer-Zweier.

Zur Veranstalter-Webseite geht es hier.

DKBM im Livestream

Sporteurope.tv streamt die Meisterschaftsrennen an allen drei Tagen im Internet. Hier die Links für Freitag, Samstag und Sonntag.

Galerien