20. Mai 2026 | Nationalmannschaft | von Deutscher Ruderverband

Mannschaftsbildung für die Youth Olympic Games 2026 in Dakar

Mannschaftsbildung für die Youth Olympic Games 2026 in Dakar
Vera Schwagrzinna in Pole Position für die Youth Olympic Games 2026 in Dakar
Mannschaftsbildung für die Youth Olympic Games 2026 in Dakar
Mannschaftsbildung für die Youth Olympic Games 2026 in Dakar
Johann Meyer dominierte bei den Jungs die Mannschaftsbildung für die Youth Olympic Games 2026 in Dakar
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Die fortschreitende Entwicklung im Coastal Beach Sprint zeigt sich auch in der sich entwickelnden Verzahnung mit den Wettkampformaten der Jugendklassen. Die Youth Olympic Games bieten hierfür eine Plattform von internationaler Reichweite, die es den Athletinnen und Athleten ermöglicht, sich auf höchstem Niveau zu messen und wertvolle Erfahrungen zu sammeln. Nach den Erfolgen und der intensiven Arbeit der vergangenen Jahre, wurden dem DOSB bzw. dem DRV Anfang April zwei Quotenplätze (je einer pro Geschlecht) für dieses sportliche Highlight im Nachwuchssport zugesprochen. Um diese Plätze mit den aussichtsreichsten Kandidat:innen zu besetzen, lud U19 Coastal Bundestrainer Hendrik Bohnekamp vom 14.-17. Mai nach Berlin zu Mannschaftsbildung. Die Nominierungskriterien hierfür wurden zuvor veröffentlicht, um allen startberechtigten Sportlerinnen und Sportlern – unter Berücksichtigung der speziellen Altersregelung für die Youth Olympic Games, die insbesondere die allermeisten Athletinnen und Athleten des zweiten A-Junioren-Jahrgangs ausschließt – die Möglichkeit zu geben, sich für die Teilnahme zu bewerben.

Die Qualifikationsmaßnahme begann am Freitagmorgen mit einem 1000-Meter-Ergo-Wettkampftest, um die semispezifische Leistungsfähigkeit zu testen. Am Freitagnachmittag folgte der Run-Row-Run-Test, ein neues Element für die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer, das jedoch von allen mit hoher Motivation und voller Konzentration angenommen wurde. Die eigentlichen Entscheidungen auf dem Wasser fielen ab dem späten Samstagnachmittag und Sonntag. Hierfür konnte das Strandbad Wannsee genutzt werden, was eine hervorragende Kulisse bot, auch wenn die tatsächliche Nutzung aufgrund der Rücksichtnahme auf die Öffnungszeiten eingeschränkt war. Das Training und die Rennen fanden vor den Öffnungszeiten in den frühen Morgenstunden oder nach Geschäftsschluss ab 18:30 Uhr statt, um die Sicherheit der Badegäste zu gewährleisten. Dennoch wurden zwei intensive Trainingseinheiten in Coastal Einern absolviert, bevor die eigentlichen Time Trials und Ausscheidungsrennen starteten.

Die Rennformate waren darauf ausgelegt, ein möglichst faires und umfassendes Bild der Leistungsfähigkeit abzubilden. Nach den Time Trials folgten KO-Rennen im „Jeder gegen Jeden“-Modus, wobei jedes Duell zweimal als Hin- und Rückrunde ausgetragen wurde. Diese Methode minimierte das Risiko, dass ein einzelner Fehler im entscheidenden Moment eine gesamte Qualifikation beeinträchtigt, und stellte sicher, dass sich die beständigsten Athletinnen und Athleten durchsetzen konnten. Am Ende aller Leistungstests setzten sich Vera Schwagrzinna vom Ruderklub am Wannsee in Berlin bei den Mädchen und Johann Meyer vom Ruderverein Münster bei den Jungen durch. Diese beiden Nachwuchstalente zeigten über alle Disziplinen hinweg eine beeindruckende Leistung.

Die Teilnehmerzahl war mit vier Juniorinnen und drei Junioren leider überschaubar, obwohl sich ursprünglich mehr Sportler angemeldet hatten. Kurzfristige verletzungsbedingte Absagen reduzierten das Feld, aber die Anwesenden, insbesondere eine größere Gruppe aus Essen sowie einzelne Starter aus Berlin und Münster, zeigten großes Engagement und gute Leistungsfähigkeit. Trotz der geringen Anzahl war die Qualität der Rennen hoch, und alle jungen Athletinnen und Athleten stellten sich den Herausforderungen mit großem Eifer. Das Feedback der Teilnehmerinnen und Teilnehmer war durchweg positiv; sie genossen es, Rudern von einer neuen Seite kennenzulernen und die Disziplin des Coastal Rowing auszuprobieren, auch wenn der Wannsee keine großen Wellen bot, die für typische Coastal-Bedingungen charakteristisch sind. Für den Einstieg war es jedoch die gelungene Kulisse.

Die frühzeitige Durchführung der Qualifikation im Mai, obwohl die Youth Olympic Games erst Ende Oktober/Anfang November stattfinden, hat strategische Gründe. Die ausgewählten Athlet:innen können in den kommenden Monaten eng an den Elitekader des Coastal Ruderns angebunden werden. Dies ermöglicht eine gezielte Vorbereitung auf die spezifischen Anforderungen des Ruderns auf offenem Meer und die Beach-Sprint-Wettkämpfe, um die notwendigen Fähigkeiten und Erfahrungen bis zu den Youth Olympic Games optimal auszubilden. Formal sind die beiden Athleten noch nicht offiziell nominiert. Der Vorschlag des DRV zur Nominierung wird voraussichtlich Ende August erfolgen und bedarf der finalen Bestätigung durch den DOSB. Es bleibt jedoch festzuhalten, dass die beiden Qualifizierten hochmotiviert sind und das Potenzial besitzen, bis zu den Spielen Bestleistungen zu entwickeln. Ihre erste internationale Feuertaufe werden sie auch schon in rund drei Wochen bei der Abschlussetappe der Filippi Trophy in Donoratico haben. Dort ist der Start gegen die internationale Konkurrenz geplant mit dem Ziel sich hier auf Anhieb konkurrenzfähig zu zeigen.

Für die unterlegenen Bewerberinnen und Bewerber bleibt die Möglichkeit bestehen, ihre Junioren-Saison im klassischen Rudern fortzusetzen. Ebenso besteht für sie weiterhin die Möglichkeit sich Anfang September für die World Rowing Beach Sprint Finals (Coastal Beach Sprint WM)  in Qingdao (China) zu qualifizieren. Da WM und die Youth Olympic Games zeitlich eng beieinander liegen, plant der DRV hier zwei separate Mannschaften zu entsenden. 

Die gesamte Maßnahme wurde von Henrik Bohnekamp hervorragend organisiert, mit der Unterstützung zahlreicher Helfer und Boathandler sowie Schiedsrichter Philip Schmolling, der die Einhaltung der Regeln während der Rennen überwachte und so, wie alle anderen beteiligten Personen, zu einem reibungslosen Ablauf beitrugen. Ebenso gilt dem Landesruderverband Berlin und insbesondere den beiden Wannsee-Vereinen Ruderklub am Wannsee und Berliner Ruder-Club ein großes Dankeschön, dass sie die Maßnahme, beispielsweise durch Nutzung des Vereinsgeländes oder Motorbooten, unterstützen. 

„Ich zolle den jungen Athletinnen und Athleten wirklich großen Respekt und Anerkennung, wie mutig und leistungsbereit sie sich dieser Aufgabe gestellt haben. Alle gaben zu jederzeit ihr Möglichstes und gingen bei jedem Test und jedem Rennen an ihre körperlichen Grenzen. Da ist es natürlich schon schade, dass es nur je einen Platz je Geschlecht zu vergeben gab. Mein Glückwunsch an Vera und Johann zu ihrem Abschneiden. Ich hoffe jedoch sehr, dass wir die anderen Athletinnen und Athleten im Spätsommer noch einmal wiedersehen können und sie ihren Hut in den Kampf um die Plätze für die WM-Mannschaft in den Ring werfen. Auf Vera und Johann wartet nun aber vor allem eines: Training! Wir wollen in Dakar ein ordentliches Wörtchen im Kampf um die Medaillen mitreden. Ich freue mich auf die bevorstehende Zeit und bin froh, dass sich die beiden auf das Abenteuer Coastal Rowing Beach Sprint einlassen,“ so Hendrik Bohnekamp.

Die Erfahrungen in Berlin zeigten das hohe Engagement der jungen Ruderer und die positive Resonanz auf das neue Format Coastal Beach Sprint.