18. März 2026 | Wettkampfsport | von Deutscher Ruderverband

Mia und Lilli Freischem im historischen Schwesternduell auf der Themse

The CHANEL J12 Boat Race 2026: Weltklasse auf dem Tideway – mit Antonia Galland, Mia Freischem im Cambridge-Boot sowie Freddy Breuer und Lilli Freichem bei Oxford

Wenn am 4. April auf der Themse das traditionsreiche Boat Race gestartet wird, geht es um weit mehr als nur um ein weiteres Kapitel in der fast 200 Jahre alten Rivalität zwischen Oxford und Cambridge. Es geht um Geschichte – und in diesem Jahr aus deutscher Sicht ganz besonders um eine familiäre.

Mit Mia und Lilli Freischem stehen sich erstmals zwei deutsche Schwestern im Frauenrennen gegenüber  – zuletzt war das 2003/2004 der Fall, als James Livingston für Cambridge und sein Bruder David für Oxford starteten. Dabei handelte es sich um das letzte Geschwisterduell im Wettbewerb, allerdings zwischen Brüdern, nicht zwischen Schwestern.

Mia rudert für Cambridge, Lilli für Oxford. Was einst im gleichen Boot begann, wird nun auf dem Championship Course zwischen Putney und Mortlake zu einem direkten Duell. Die Strecke über 4,25 Meilen gilt als anspruchsvoll, die Gezeiten, Kurven und Strömungen verlangen taktische Präzision – und mentale Stärke.

Dass zwei Geschwister in gegnerischen Booten sitzen, verleiht diesem ohnehin prestigeträchtigen Rennen eine zusätzliche emotionale Dimension. Nähe und Konkurrenz schließen sich nicht aus, sie existieren nebeneinander. Wer die beiden erlebt, spürt keinen inszenierten Gegensatz, sondern sportliche Ernsthaftigkeit. Beide wissen, was dieses Rennen bedeutet. Und beide wissen, dass ihre Geschichte über den Ausgang hinausreicht.

 

Vier Deutsche in den Blue Boats

Insgesamt werden am 4. April drei deutsche Frauen und ein deutscher Mann in den sogenannten Blue Boats – also den jeweiligen Hauptrennen – starten. Neben Mia und Lilli Freischem wird Antonia Galland für Cambridge ins Boot steigen. Im Männer-Achter von Cambridge sitzt Freddy Breuer auf der Schlüsselposition des Schlagmanns.

Dass Mia und Lilli Freischem in den Blue Boats vertreten sind, ist bemerkenswert. Das Boat Race ist kein gewöhnlicher Universitätswettkampf. Die interne Qualifikation ist hart, die öffentliche Aufmerksamkeit groß, die sportliche Qualität hoch. Die Schwestern haben relativ spät in England mit dem Rudersport begonnen und sich Schritt für Schritt ins Blue Boat gearbeitet. 

Der Weg der zwei Athletinnen führte dabei nicht über ein klassisches nationales Fördersystem, sondern über das britische Universitätssystem. Gerade im Frauenrudern zeigt sich hier eine Dynamik, die internationale Talente anzieht und fördert. Mittlerweile hat Robert Sens als verantwortlicher Vorstand den Blick in die internationalen Universitäten geöffnet, genau werden die dortigen Talente beobachtet und integriert. 

 

Aufmerksamkeit aus Deutschland

Auch im deutschen Trainerteam verfolgt man das Geschehen mit Interesse. Der DRV-Bundestrainer Frauen-Riemen Alexander Schmidt ordnet die Entwicklung ein: „Kollegin Anna Götz und ich freuen uns natürlich, wenn die deutschen Frauen im Ausland gut performen. Wir sind mit allen im laufenden Kontakt. Leider hat es für unsere vierte Deutsche (Mathilda Kitzmann) für einen Platz im Cambridge Boot nicht ganz gereicht. Sie ist aber die erste Nachrückerin. Wir freuen uns Mia und Lilly in München wieder zu sehen, leider schaffen es Antonia Galland und Mathilda Kitzmann, wegen Klausurterminen, nicht. Die beiden werden aber im Juni dann nach Berlin kommen. Wir drücken natürlich allen Deutschen Frauen die Daumen und freuen uns auf ein spannendes Rennen.“

Die Bundestrainer beobachten den Werdegang an den beiden Eliteuniversitäten genau: Das Boat Race ist kein isoliertes Ereignis. Es ist eingebettet in internationale Karrieren, in Austausch und Perspektiven. Und es ist ein Zeichen dafür, dass deutsche Athletinnen und Athleten auch außerhalb nationaler Strukturen auf höchstem Niveau bestehen.

Am Ende wird am 4. April nur ein Boot pro Rennen gewinnen. Doch unabhängig vom Ergebnis bleibt festzuhalten: Mit drei deutschen Frauen und einem deutschen Mann in den Blue Boats ist der deutsche Rudersport auf der Themse so präsent wie selten zuvor. Und das Schwesternduell der Freischems verleiht diesem Kapitel eine besondere, beinahe literarische Note.

Übertragung:
Live am Samstag, 4. April 2026, von 13:30 bis 16:30 Uhr auf Channel 4 und Channel 4 Streaming.

Über die weiteren deutschen Ruderinnen und Ruderer in den diesjährigen Rennen wird im nächsten Artikel berichtet.