Starke Entwicklung beim DRV-Ergotest in Leipzig – Weltklasse und hohe Leistungsdichte
Der zentrale 2000-Meter-Ergotest des Deutschen Ruderverbandes am Bundesstützpunkt Leipzig hat eindrucksvoll gezeigt: Das neue Trainingskonzept greift. In sämtlichen Disziplingruppen wurden Leistungssteigerungen sichtbar, zahlreiche Athletinnen und Athleten stellten persönliche Bestwerte auf. Entsprechend gehen die DRV-Kader mit Rückenwind aus dem Wintertraining in die entscheidende Phase der Saisonvorbereitung.
Besonders bemerkenswert: Mit fünf Frauen unter der Marke von 6:40 Minuten sowie den beiden Skullern Oliver Zeidler und Jonas Gelsen verfügt der DRV aktuell über sechs Athletinnen und Athleten, die sich auf absolutem Weltklasseniveau bewegen. Zeidlers Leistung ist dabei besonders hervorzuheben – seine Zeit von 5:41,1 Minuten fuhr er bei einer vergleichsweise niedrigen Schlagzahl von 30 Schlägen pro Minute und unterstreicht damit seine Ausnahmestellung.
Para-Bereich: Jasmina Bier mit Weltbestzeit
Für den optimalen Start des Wochenendes sorgte Jasmina Bier (RG Hansa Hamburg), die im PR2-Bereich eine neue Weltbestzeit über 2000 Meter aufstellte. In 7:38,1 Minuten unterbot sie die bisherige Bestmarke und setzte ein starkes internationales Ausrufezeichen – vorbehaltlich der noch ausstehenden offiziellen Bestätigung durch Concept2.
Ihr Rennen überzeugte durch eine klare Struktur: ein schneller Start, konstante Zwischenzeiten und ein starkes Finish. Bundestrainer Marc Stallberg zeigte sich entsprechend zufrieden: „Ich bin sehr zufrieden mit dem PR2-Bereich, denn beide sind heute Bestzeit gefahren.“
Insgesamt präsentierte sich der Para-Bereich leistungsstark. Philipp Dosse war der schnellste des Tests in 6:26,0 Minuten vor Valentin Luz (6:29,0 Minuten) mit persönlichen Bestwerten. Mit durchweg starken Leistungen präsentierten sich Jan Rothländer (6:51,8), Alexey Gerasimov (6:57,1), Julian Müller (7:02,0), Paul Umbach (7:36,3), Hermine Krumbein (7:40,0), Susanne Lackner (7:45,4), Marcus Klemp (7:45,9) und Louisa Braun (7:57,8), die allesamt ihren Beitrag zu einem insgesamt starken Abschneiden des Feldes leisteten. Das physische Niveau zeigt die Leistungsfähigkeit in der deutschen Nationalmannschaft.
Frauen-Skull: Fünf Athletinnen unter 6:40 Minuten
Im Frauen-Skull wurde die positive Entwicklung besonders deutlich. Gleich fünf Ruderinnen blieben unter der prestigeträchtigen Marke von 6:40 Minuten:
- Juliane Faralisch: 6:31,6 Minuten
- Alexandra Föster: 6:33,4 Minuten
- Charlotte Burgdorf: 6:38,7 Minuten
- Johanna Debus: 6:38,9 Minuten
- Frauke Hundeling: 6:39,9 Minuten
Neben der beeindruckenden Breite überzeugt vor allem die Perspektive: Mit Burgdorf und Debus drängen junge Athletinnen bereits in Richtung internationale Spitze und setzen frühzeitig Zeichen mit Blick auf die Olympischen Spiele 2028.
Männer-Skull: Zeidler dominiert, Gelsen zurück auf Weltklasseniveau
Im Männer-Skull lieferten sich Oliver Zeidler und Jonas Gelsen ein Duell auf höchstem Niveau. Zeidler setzte sich in 5:41,1 Minuten knapp durch, Gelsen folgte in 5:41,8 Minuten .
Die Rückkehr Gelsens in die absolute Weltspitze erhöht die Leistungsdichte erheblich und stärkt die Konkurrenzsituation innerhalb der Disziplingruppe. Dahinter bestätigten Marc Weber (5:50,3 Minuten), Tom Niklas Gränitz (5:53,4 Minuten) und Felix Heinrich (5:53,6 Minuten) die insgesamt positive Entwicklung.
Cheftrainer Marcus Schwarzrock betonte: „Das ist eine gute Entwicklung in der Spitze und Breite.“
Frauen-Riemen: Enge Entscheidungen auf hohem Niveau
Im Frauen-Riemen präsentierte sich ein äußerst ausgeglichenes Feld. Die ersten drei Athletinnen lagen innerhalb von nur vier Zehntelsekunden:
- Leandra Hogrefe: 6:48,7 Minuten
- Tabea Kuhnert: 6:48,9 Minuten
- Paula Hartmann: 6:49,0 Minuten
Auch Olivia Clotten (6:51,0 Minuten) und Ricarda Heuser (6:52,0 Minuten) bestätigten das hohe Niveau.
Dabei fehlten krankheits- und einsatzbedingt noch einige Leistungsträgerinnen, was weiteres Entwicklungspotenzial erkennen lässt. Verstärkung wird unter anderem aus dem internationalen Bereich, etwa vom Boat Race in Cambridge, erwartet.
Männer-Riemen: Breite Spitze und zahlreiche Bestleistungen
Im Männer-Riemen sorgten 12 persönliche Bestzeiten aus dem Kreis der Trainingslager-Teilnehmer für ein sehr positives Signal. Angeführt wurde das Feld von Ole Hanack, der als einziger Athlet unter der 5:50-Minuten-Marke blieb und in 5:49,3 Minuten überzeugte . Auch das Ergebnis vom 18-jährigen Julius Watzka, letztes Jahr im Bronze-Achter bei der U19 WM, mit einer sehr starken 5:51,8 Minuten stimmt die Expertinnen und Experten sehr positiv.
Dahinter entwickelte sich ein enges Rennen:
- Laurits Follert: 5:51,9 Minuten
- Tassilo von Müller: 5:52,7 Minuten
- Hanno Brach: 5:53,2 Minuten
- Julius Christ: 5:53,4 Minuten
Bedenkt man, dass hier vier "neue" Sportler in den Kreis des Deutschlandachters mit starken physischen Leistungen aufrücken, kann man die neue Ausrichtung des Leistungssports im DRV ablesen. Die Leistungsdichte deutet auf einen intensiven Wettbewerb um die Plätze in den Großbooten, insbesondere im Deutschlandachter, hin.
Coastal Beach Sprint: Starke Entwicklung auch in neuer Disziplin
Auch die Athletinnen und Athleten der jungen Disziplin Coastal Beach Sprint stellten sich dem 1000-Meter-Ergotest und überzeugten mit zahlreichen Bestzeiten.
Bei den Frauen setzte sich Sophie Leupold in 3:18,2 Minuten durch, gefolgt von Marion Reichardt (3:21,7 Minuten) und Julia Tertünte (3:24,0 Minuten) .
Im Männerbereich waren die Zeiten besonders stark:
- Luis Haack: 2:43,4 Minuten
- Moritz Wolff: 2:45,0 Minuten
- Franz Cherubim: 2:47,7 Minuten
- Franz Werner: 2:50,2 Minuten
Coastal-Bundestrainer Adrian Bretting zog ein positives Fazit: „Gerade bei dem Männern war heute schon Musik drin. Da schauen wir gespannt auf die kommenden Tage und Wochen. Aber auch bei den Frauen gab es viele persönliche Bestzeiten. Insgesamt stimmt uns das optimistisch. Wir dürfen jetzt aber nicht nachlassen. Das internationale Leistungsniveau steigt stetig an".
Breite Leistungssteigerung als Grundlage für die Saison
DRV-Cheftrainer Marcus Schwarzrock: "Die Vorleistungen haben schon angedeutet, das wir in Leipzig eine physische Entwicklung sehen werden. Insgesamt freue ich mich, dass wir auf dem richtigen Weg sind und die trainingsmethodischen Anpassungen greifen. Die guten Entwicklungen sprechen dafür, aber wir dürfen jetzt nicht euphorisch werden. Wir müssen uns noch physiologisch steigern, wenn wir den Blick nach LA 2028 richten."
Der Ergotest in Leipzig zeigt klar: Die deutsche Rudernationalmannschaft hat im Winter physisch einen deutlichen Schritt nach vorne gemacht. Sowohl in der Spitze als auch in der Breite sind Leistungssteigerungen sichtbar.
Mit mehreren Athletinnen und Athleten auf absolutem Weltklasseniveau, hoher Leistungsdichte in den Disziplingruppen und zahlreichen Nachwuchstalenten ergibt sich eine vielversprechende Ausgangslage für die kommende Saison. Entscheidend wird nun sein, diese Leistungen auf das Wasser zu übertragen und im internationalen Vergleich zu bestätigen. Ein erster Fingerzeig in die Richtung werden die heutigen Kleinbootleistungen sein.
Alle Ergebnisse des Ergotests
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