U23-Rangliste in Ratzeburg: Erste Entscheidungen im Kampf um die WM-Tickets
Bei der zweiten und entscheidenden U23-Rangliste des Deutschen Ruderverbandes in Ratzeburg haben die Finalrennen in den Kleinbooten wichtige Fingerzeige für die Besetzung der Mannschaften für die U23-Weltmeisterschaften in Duisburg geliefert. Die Resultate bilden eine wesentliche Grundlage für die Nominierung durch den Trainer-Team unter Leitung von DRV-Cheftrainer Marcus Schwarzrock und U23-Bundestrainer Dirk Brockmann. Grundsätzlich fahren die Jahrgansmeister in den Klein- und Mittelbooten, aber die Grossboote werden maßgeblich auf Basis der heutigen Rennen besetzt. Entsprechend hoch war die Motivation der Frauen und Männer.
Frauen-Riemen: Johnson und Irmler setzen sich an die Spitze
Im Finale der Frauen-Riemenruderinnen gelang Charlotte Johnson (Frankfurter RG Germania) und Julia Irmler (RC Witten) ein überzeugender Erfolg. Das Duo gewann das Rennen in 7:17,19 Minuten und setzte sich mit mehr als drei Sekunden Vorsprung gegen die Konkurrenz durch.
Den zweiten Platz belegten Nike Utesch und Daniela Thiermann Estatuet vom Der Hamburger und Germania RC in 7:20,31 Minuten. Auf Rang drei folgten Florentina Riffel (RC Potsdam) und Tabea Koop (RC Rapid) in 7:22,27 Minuten.
Frauen-Einer: Paula Lutz überrascht die Favoritinnen
Für eine der bemerkenswertesten Leistungen des Tages sorgte Paula Lutz vom Mannheimer Ruder-Club. Die 22-Jährige gewann das Finale im Frauen-Einer in 7:38,86 Minuten und verwies die vor der Rangliste topgesetzten Skullerinnen auf die weiteren Plätze. Für Paula Lutz war dies das erste Rennen in Deutschland 2026 von ihr, da sie in den USA studiert. Charlotte Burgdorf (RV Weser Hameln), die nach dem Weltcup-Auftritt als Favoritin nach Ratzeburg gereist war, belegte in 7:40,48 Minuten Rang zwei. Dritte wurde Charlotte Luster von der Halleschen-Rvg. Böllberg und Nelson in 7:44,13 Minuten. Hinter dem Podium folgten mit Ewa Grzimek, Pauline von Hobe-Gelting, Anna Schiefer und Helena Brenke weitere Athletinnen, die ebenfalls zum Kreis der Kandidatinnen für die U23-Nationalmannschaft zählen.
Besonders bemerkenswert war, dass sich Lutz gegen mehrere Athletinnen durchsetzte, die in der bisherigen Setzliste vor ihr rangiert hatten. Für die Bundestrainer dürfte dieses Ergebnis die Diskussion um die Besetzung der Skull-Großboote noch einmal zusätzlich beleben.
Männer-Riemen: Hanack und Flöter gewinnen das engste Rennen des Tages
Im Männer-Riemenbereich entwickelte sich das wohl spannendste Rennen des Tages. Ole Hanack und Ensio Flöter vom RV Hellas Offenbach setzten sich in 6:37,37 Minuten durch und sicherten sich einen wichtigen Erfolg im internen Auswahlprozess. Nur 0,37 Sekunden dahinter erreichten Leonardo Rosenquist und Vinzent Kuhn das Ziel auf Rang zwei. Georg Rieck und Jakob Knapp vom Berliner Ruder-Club komplettierten das Podium in 6:39,19 Minuten. Auch Lino Zastrow und Julius Kaim auf Rang vier blieben in Schlagdistanz zur Spitze. Die ersten fünf Boote lagen nach 2.000 Metern innerhalb von lediglich vier Sekunden, was die außergewöhnliche Leistungsdichte im Männer-Riemenbereich eindrucksvoll unterstreicht.
Mit Georg Rieck, Lino Zastrow, Ole Hanack und Leonardo Rosenquist präsentierten sich mehrere Athleten stark, die bereits vor dem Ranglistenwochenende zum erweiterten Kreis der WM-Kandidaten gezählt wurden.
Männer-Einer: Rastetter sorgt nach einstündiger Verschiebung für die Sensation
Für die größte Überraschung des Tages sorgte jedoch das Finale im Männer-Einer. Nachdem der Wettbewerb aufgrund äußerer Umstände um rund eine Stunde verschoben werden musste, setzte sich nicht der topgesetzte Favorit durch, sondern Jakob Rastetter vom Hanauer RC Hassia.
Der 2005 geborene Hanauer gewann das Finale in starken 7:02,37 Minuten und verwies den bislang topgesetzten Mads Schmied (RC Potsdam) auf den zweiten Platz. Schmied erreichte das Ziel nach 7:03,73 Minuten und musste sich damit um 1,36 Sekunden geschlagen geben. Auf Rang drei folgte Paavo Schewe (ORC Rostock) in 7:07,73 Minuten. Dahinter komplettierten Tom Olbrich (Dresdner RV) und Mikkel Mardaras-Peters (Ulmer RC Donau) die Top Fünf.
Nominierung bleibt offen
Die ersten Finalrennen in Ratzeburg haben gezeigt, dass die Konkurrenz um die Plätze für die U23-Weltmeisterschaften in Duisburg außergewöhnlich eng ist. Während einige Favoritinnen und Favoriten ihre Position bestätigen konnten, sorgten insbesondere Paula Lutz im Frauen-Einer und Jakob Rastetter sowie die Siegerbesetzungen in den Riemendisziplinen für wichtige Ausrufezeichen.
Für das Trainer-Team stehen nun intensive Analysen an. Neben den reinen Platzierungen werden auch Ergoleistungen und die Kompatibilität möglicher Großbootbesetzungen in die endgültigen Entscheidungen einfließen. Die Rennen in Ratzeburg haben damit die Ausgangslage für die bevorstehende WM-Nominierung noch einmal deutlich geschärft.