26. Juli 2007 | Para | von Karl Hoffmann

Sport für Menschen mit Behinderungen: Beispiele von der Basis

Bach: Chancengleichheit als gesellschaftliche Herausforderung

(DOSB PRESSE) Kürzlich war die Reha- und Behindertensport-Gemeinschaft Dortmund 51 zum 8. Mal kompetenter und erfolgreicher Gastgeber eines internationalen Badmintonturniers. Es findet alle zwei Jahre statt. Zu den Wettkämpfern aus zehn anderen Ländern - England, Israel, Korea, Spanien, Wales, zum Beispiel - gehörten Fußgänger mit Beeinträchtigungen ebenso wie Rollstuhlfahrer. Der Kreisverband Barnim der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) gibt im Projekt „Schwimmen für geistig Behinderte“ jungen Sportlern die Möglichkeit, zu trainieren und Wettkämpfe zu bestreiten. Für dieses „vorbildliche Modell der sozialen Hilfe“ hat ihn der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) mit der dafür 1980 geschaffenen Fritz-Wildung-Plakette ausgezeichnet.

Prädikate und Präsenz in den Medien sind wichtige Anerkennungen und Ermunterungen für die sehr engagierten Mitarbeiter in Sport- und Behindertensportvereinen sowie für die Aktiven selbst. Immerhin leben nach der letzten Veröffentlichung des Statistischen Bundesamtes acht Millionen behinderte Menschen in Deutschland. Die Sportorganisationen bemühen sich mit wachsender Akzeptanz um sie. Neben den immer umfangreicher werdenden gemeinsamen Angeboten für Menschen mit und ohne Handicap behalten der zielgruppenorientierte Sport, das Spielen und die Sportfeste für Behinderte ihren besonderen Wert. Bewährte Maßnahmen mischen sich mit neuen Initiativen.

Der Turn- und Sportverein Munkbrarup führt seit fünf Jahren Regie beim Behinderten-Sportfest mit 100 Teilnehmern aus dem Großraum Flensburg. Im westfälischen Tennisclub Cappenberg, Selm, hat der Deutsche Rollstuhl-Tennis-Verband seinen ersten Aktionstag durchgeführt. Christoph Kellermann, Bundestrainer und Organisator, will erreichen, „dass sich Behinderte über den Tennissport in die Gesellschaft integriert fühlen“. Der TC Cappenberg konnte den Umfang seines Angebots inzwischen verdreifachen.

Der Akademische Ruderclub Würzburg und der Würzburger Ruderverein Bayern haben bereits sehr gute Erfahrungen im Handycap-Rudern. Als Ausrichter von bundesweit und international nachgefragten Lehrgängen verfügen sie über ausgezeichnete Bedingungen. Die Vorstände wollen Training und Wettkampf fördern, aber auch die Rudervereine verstärkt für den Breitensport mit Behinderten gewinnen. Damit werden Umfang und sportlich-soziale Inhalte erheblich ausgeweitet. Zugleich wachsen auch die Anforderungen an hoch qualifizierte Übungsleiter, Pädagogen und Therapeuten mit Zusatz- und Sonderausbildungen. Der Einsatz dieser Mitarbeiter bleibt ein unverzichtbares Qualitätsmerkmal.

Von einer Reitpädagogin geleitet fand auf dem Reiterhof Laubach in Rehbeck eine Freizeit für selbständige, geistig behinderte Reiter statt. Die Lebenshilfe Lüneburg, der Reitverein Lucie und der Reit- und Fahrverein Isenbüttel verbrachten dort mit 13 Teilnehmern ein erlebnisreiches Wochenende. Piloten des Luftsportclubs Bayer Leverkusen segeln wiederholt mit blinden Gästen. Ergotherapeuten und Fachübungsleiter betreuen eine Gruppe geistig behinderter Menschen im Turn- und Rasensportverein Bremen.

DOSB-Präsident Thomas Bach hat bei der Verbandsgründung am 20. Mai 2006 „Chancengleichheit und Integration als zwei der wichtigsten gesellschaftlichen Herausforderungen“ bezeichnet, denen sich der Sport stellen müsse. Die geistig behinderten Mitglieder des Turnvereins Moringen von 1862 liefern dazu das gute Beispiel mitten aus dem Vereinsalltag. Zum 12. Mal haben sie eine eigene Vereinszeitung erstellt. „Wir wollen uns zu Wort melden“, steht auf der Titelseite, „und dabei sein“.