28. Jan. 2009 | Indoor | von Joachim Ringer / Concept2

Ergometer-Europameisterschaften in Rom - Ein Bericht von Joachim Ringer

Sehr gute Stimmung und einige innere Anspannung bei den Athleten vor dem wichtigen Kräftemessen auf europäischer Ebene in der repräsentativen Olympiahalle Palalottomatica in Rom. Jürgen Schwab hatte das deutsche Team hervorragend motiviert und die Formalitäten mit den Veranstaltern zügig erledigt, und dann ging es mit italienischer Lässigkeit um 12 Uhr los, allerdings in ungewöhnlicher Reihenfolge: zuerst starteten die 40-49 Jährigen, danach die Open Men and Women und die Unter 23 Jährigen, gefolgt von Adaptive Rowing Athleten, den Masters und dann den jüngeren und älteren Jahrgängen.

Die italienischen Veranstalter hatten ein kompetentes und engagiertes Moderatorenpaar engagiert, die den Wettkampfverlauf sonor begleiteten, und, wie es sich für Italien gehört, in Anzug, Kravatte und Kostüm auftraten. Moderiert wurde allerdings auf italienisch, sodass die meisten von uns dies leider nur als Hintergrundrauschen wahrnahmen und schon mal Gefahr liefen, ihre eigene Siegerehrung zu verpassen. Aber charmant war es schon. Anfeuernde Musik gab es keine, aber dafür wurden die Athleten während des Rennens ausgiebig von Journalisten gefilmt, und das kann ja auch motivieren... Bedauerlicherweise war es schwer für die Trainer und Anfeurer, in den Wettkampfbereich zugelassen zu werden und ihren Schützlingen beizustehen. Auch konnte man sich erst 30 Minuten vor Rennbeginn aufwärmen, was für einige doch etwas kurz war. Sehr elegant wurde das Ritual der Siegerehrungen durchgeführt, mit deutlichen Anlehnungen an das olympische Protokoll in Peking. Das ausgewählte Siegerpodest war eher von der niedlichen Sorte, aber es wurde dennoch von den deutschen Teilnehmern einige Male bestiegen, denn .... das deutsche Team war sehr erfolgreich: 7 Medaillen bei 11 Teilnehmern!

Goldmedaillen:

  • Nicole Schleuder, 40-49 LW
  • Joachim Ringer, 30-39 M
  • Christian Sommer, 60-69 M

Silbermedaillen:

  • Arnd Schneider, 40-49 M
  • Karsten Brodowski, Open M
  • Johannes Galandi, 30-39 M
  • Knuth Dräger, 60-69 M

Den Anfang im Medaillenreigen machte Arnd Schneider. Mit 6:10.2 holte der ehemalige Zehnkämpfer wie im Vorjahr in Dresden die Silbermedaille. Die sehr gute Zeit läßt hoffen, dass am kommenden Wochenende in Kettwig noch ein Schippchen dazugelegt werden kann. Danach kam Nicole Schleuder. In fabelhaften 7:37.2 ließ sie im Wettbewerb der Leichtgewichte 40-49 ihre Konkurrentinnen um mindestens 10 Sekunden zurück und holte sich souverän den Titel. Dann trat Karsten Brodowksi bei den Open M im Duell der Giganten an gegen Pawel Shurmei aus Weißrussland. Beide haben schon gezeigt, dass sie für Zeiten um 5:40 gut sind (!!), und waren damit ganz heiße Aspiranten auf den Titel. Die beiden saßen auf benachbarten Ergos, und es lag eine Menge Adrenalin und Anspannung in der Luft, als der Countdown lief. Die informierten Zuschauer wußten, dass dies durchaus das schnellste Rennen des Jahres weltweit werden könnte. Pawel machte erstmal einen Fehlstart. Die Spannung stieg noch weiter. Beim nächsten Start zog Karsten dermaßen stark am Ruder, dass die Kette durchrutschte und das Ergo einen Satz von bestimmt 10cm nach vorne machte. Beobachter berichten, dass das Display eine Geschwindigkeit von 1:08/500m anzeigte. Im zweiten Zug!! Leider war Karsten von diesen technischen Schwierigkeiten so irritiert, dass er mindestens eine Sekunde verlor, bis er weiterruderte. Pawel lag vorne und handhabte seinen Vorsprung ausgezeichnet. Karsten konnte den Abstand erst auf den letzten 100m auf ca 7m verkürzen. Die letzten 150m waren beide mit jeweils 1:20 / 1:21 unterwegs, Geschwindigkeiten am Ende eines Rennens, die normale Sterbliche erblassen lassen. Am Ende gab es herausragende 5:42.7 und Gold für Pawel und Silber mit 5:43.8 für Karsten. Und eine Menge Unterhaltung für die Zuschauer.
Joachim Ringer und Johannes Galandi hatten den Bewerb der 30-39 M fest im Griff und trugen die Sache unter sich aus, obwohl sie mit 39 und 38 Jahren schon deutlich aus dem Alter heraus sind, in dem man üblicherweise Leistungssport betreibt. Joachim setzte sich nach 500m ab, konnte den Schnitt von 1:30.2 bis zur Ziellinie durchhalten und erfuhr sich mit 6:00.8 eine ungefährdete Goldmedaille. Johannes ließ sich durch souveräne 6:08.4 Silber nicht nehmen und nahm seine Medaille stolz in der Vereinstracht des Berliner Ruderclubs entgegen.
Am Nachmittag setzten dann Christian Sommer und Knuth Dräger nochmals zu einem deutschen Doppelschlag an in der Klasse der 60-69 M. Christian ist eine Klasse für sich und gewann Gold mit 20 Sekunden Vorsprung. Kein Wunder, wenn man in dem Alter auf den ersten 200m noch Geschwindigkeiten von 1:24 darstellen kann... Knuth hielt den sehr guten Roger Stainforth auf Abstand und gewann ungefährdet Silber mit sehr guten 7:12.3.

Was gab es sonst noch zu berichten?
Das Frauen Fitness Team der Body Oase belegte einen tollen 5. Platz im Mannschaftsrennen der Frauen.
Klaus Geiger, ein Finne mit deutschen Wurzeln, fuhr ein souveränes Rennen in 6:05.8 und holte Gold bei den 40-49 M. Jürgen Schwab fuhr ein äußerst engagiertes Rennen (wenn sich nur alle so verausgaben könnten wie er!) und erreichte in 6:20.7 einen verdienten 5. Platz 40-49M. Johannes Marx lieferte sich in der gleichen Klasse ein zähes Kopf-an-Kopf Rennen über die gesamte Strecke mit dem Italiener Bruno La Placa und dem Russen Sergey Lutay und kam mit guten 6:29.4 ins Ziel auf den 8. Platz, 0.9s vor Sergey und nur eine Zehntelsekunde hinter Bruno. Was für ein Kampf! Helge Fiedler führte den seinen mit Andy Parkes und belegte den 13. Platz mit 6:38.4.

Marc Schwab fuhr das erste 2000m Rennen seines Lebens bei den B Junioren, in sehr beachtlichen 6:49.9. Das reichte für den 18. Platz, und läßt auf mehr hoffen.

Und dann gab es noch den Weltrekord bei den Leichtgewichten der Männer. Henrik Stephanson verbesserte seinen eigenen Weltrekord um 0.4s auf 6:01.8. Fast noch unglaublicher als die Zeit ist die Schlagzahl, die Henrik fährt: ca 41 Schläge pro Minute!