59 Tage über den Atlantik – Ingrid und Walter Gläßer schreiben Ozeanruder-Geschichte
Ingrid und Walter Gläßer von der Heilbronner Rudergesellschaft Schwaben haben ihr großes Abenteuer erfolgreich beendet: Nach 59 Tagen und 27 Minuten auf dem offenen Atlantik erreichte das Ehepaar am 11. Februar um 13:30 Uhr Ortszeit das Ziel der „World’s Toughest Row“ in Nelson’s Dockyard, Antigua. Gestartet waren sie am 14. Dezember auf La Gomera (Kanaren) – vor ihnen lagen rund 4.800 Kilometer Ozean.
Mit ihrer Atlantiküberquerung setzen die beiden ein außergewöhnliches Zeichen im internationalen Ozeanrudern: Sie gelten – bestätigt durch Ocean Rowing Stats – als ältestes gemischtes Paar, das jemals einen Ozean im Ruderboot überquert hat. Damit steht ihre Leistung in einer besonderen historischen Kategorie des Hochseeruderns.
Extrembelastung über Wochen
Die „World’s Toughest Row“ trägt ihren Namen nicht zufällig. Gerudert wird im Zwei-Stunden-Rhythmus, rund um die Uhr. Schlaf erfolgt in kurzen Intervallen, der Körper ist permanent gefordert. Salzwasser, Sonne, Gegenwind und hohe Wellen gehören ebenso zum Alltag wie technische Kontrollen, Navigation und Wetterbeobachtung.
Für Ingrid und Walter Gläßer bedeutete das über fast zwei Monate hinweg eine perfekte Abstimmung im Team. Ozeanrudern ist nicht nur eine sportliche, sondern auch eine psychologische Herausforderung. Der enge Raum des Bootes, die Isolation, die körperliche Erschöpfung – all das verlangt gegenseitiges Vertrauen und mentale Stabilität.
Unterstützung auf den letzten Metern
Wie die Veranstalter mitteilten, benötigte das Team „Hänsel & Gretel“ beim finalen Einlaufen in Nelson’s Dockyard Unterstützung. Das Ergebnis wird daher auf dem offiziellen Leaderboard als „assisted“ geführt. Entscheidend ist jedoch: Die beiden hatten die maßgeblichen Anforderungen einer eigenständigen Ozeanüberquerung bereits vor der Schlepphilfe erfüllt. Ihre Passage gilt daher als vollendete Atlantiküberquerung – und bildet die Grundlage für den bestätigten Altersrekord in der Kategorie Mixed Pair.
Mehr als ein sportlicher Erfolg
Mit ihrer Leistung haben Ingrid und Walter Gläßer nicht nur sportlich überzeugt. Ihr Projekt war zugleich mit einem guten Zweck verbunden: Sie sammelten Aufmerksamkeit und Spenden für die Initiative Strahlemaennchen.de und engagierten sich für ihren Heimatverein in Heilbronn.
Die Bilder der Ankunft sprechen für sich: Erschöpft, aber strahlend stehen sie auf ihrem Boot, rote Signallichter in den Händen, hinter ihnen der Atlantik. Ein Moment, der Wochen der Entbehrung bündelt – und zeigt, was möglich ist, wenn Erfahrung, Wille und Teamgeist zusammenkommen.