Bericht Fachressort Ruderreviere, Umwelt, Technik und Klima 2024-2026
Ruderreviere und Umwelt
Die sechs ehrenamtlichen Mitarbeiter des Fachressorts haben seit dem letzten Rudertag 2024 mit unterschiedlichen Schwerpunkten an den Projekten der Bundesministerien für Verkehr und Umwelt mitgearbeitet:
Fachressortleiter Michael Stoffels vertritt weiterhin die Interessen der muskelbetriebenen Wassersportler im Beirat des Bundesprogramms Blaues Band Deutschland. Hier sollten ursprünglich die Rahmenbedingungen für die Renaturierung und die Einbindung der Auen der Bundeswasserstraßen ohne Frachtschifffahrt mit den verschiedenen Nutzergruppen aus Naturschutz, Tourismus, Wassersport und Wassersportwirtschaft diskutiert werden. Inzwischen zeigt sich, dass auch auf den großen Schifffahrtsstraßen wie dem Rhein viel Potential für Renaturierungen besteht.
Für Ruderer und Kanuten war bisher von Bedeutung, dass sich das Verhältnis des gegenseitigen Misstrauens zwischen Naturschutzverbänden und Wassersportverbänden in ein wohlwollendes Miteinander gewandelt hatte. So war das langjährige Renaturierungsprojekt „Untere Havelniederung“, das maßgeblich vom Nabu forciert wird, mit seiner Berücksichtigung der Interessen der Wasserwanderer (Rastplätze) und der einheimischen Bevölkerung (Badestellen) in vieler Hinsicht Vorbild für Renaturierungsprojekte in anderen Flussregionen.
Im Vorbildprojekt für die Folgeprojekte im Rahmen des Blauen Bandes Deutschland „Living Lahn“ arbeitet Michael Stoffels im Beratergremium als Vertreter des „muskelgetriebenen Wassersports“ zusammen mit der Kollegin Petra Schellhorn vom Deutschen Kanu-Verband beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Mosel–Saar–Lahn mit. Dieses Projekt steht 2026 kurz vor dem Abschluss. Ziel sind inzwischen neben der ökologischen Durchgängigkeit die weitere Befahrbarkeit durch Ruderboote und Kanus zwischen Gießen und Limburg und ab dort auch für den Motorbootbetrieb, wobei der Rückbau aller Wehre bis Limburg vorgesehen ist. Es ist zu erwarten, dass die Vereine und Verbände auch bei der Überwachung der tatsächlichen Maßnahmen beteiligt werden.
Im Beteiligungsverfahren zur Abladeoptimierung am Mittelrhein zwischen Ingelheim und St. Goar und seit 2026 auch zwei Teilprojekten zur Abladeverbesserung und Sohlenstabilisierung Niederrhein im Stadtgebiet von Düsseldorf versucht Michael Stoffels zusammen mit den einheimischen Vereinen seit Jahren, wassersportgerechte Lösungen einzubringen, die die Verlandung, aber auch Befahrungsverbote für das Training genutzter Auen und Altarmen verhindern. Aktuell bedroht die Planung der Wasser-schifffahrtsverwaltung den Bereich von Bacharach mit einem kilometerlangen Leitwerk, das den Wassersport der ortsansässigen Vereine stark einschränken würde.
www.abladeoptimierung-mittelrhein.wsv.de
Der 2021 vom Bundes-Verkehrsministerium veröffentlichte Masterplan Freizeitschifffahrt ist durch Weggang der Ressortleitung sehr in den Hintergrund getreten. Zahlreiche Optimierungsmaßnahmen für die motorisierte und nicht motorisierte Freizeitschifffahrt vor allem an Schleusen und Wehren sind an die Wasserstraßen- und Schifffahrtsämter (WSA) weitergeleitet worden. Der Stand der Umsetzung ist
Masterplan Freizeitschifffahrt 2021
Petra Bertram ist seit Jahren beim Gesamtkonzept Elbe zusammen mit zwei weiteren Vertretern des Wassersports damit befasst, die Interessen des Wassersports auf der Elbe und in den Uferbereichen zu vertreten. Hier geht es u. a. um Rastplätze auf den langen Flussabschnitten, die unter strengen Naturschutzauflagen stehen.
Ludwig Martin Büttner, in Personalunion auch für den Bayerischen Ruderverband zuständig, hat in den letzten drei Jahren mehrere Flusskonferenzen vor allem an Donau und Main, aber auch Inn und Isar mit den zuständigen Verwaltungen der Kommunen, des Landes Bayern und des Bundes organisiert, in der Regelungen zur Freizeitschifffahrt (Kanu, Rudern, Segeln, Motorsport) erarbeitet wurden. Für mehrere Alpenseen wurden Befahrbarkeitsregeln mit den zuständigen Behörden und den Vereinen erarbeitet.
Die technische Pflege des DRV-Gewässerkataloges aufgrund von Meldungen des Rudervolkes oder Behörden erfolgt durch Ulrich Richter, Bernhard Trui, Rainer Engelmann sowie Michael Stoffels.
Wir müssen davon ausgehen, dass mit dem Klimawandel die Konkurrenz um Trink- und Brauchwasser für Industrie und Landwirtschaft, aber auch mit dem fließenden Wasser für die Schifffahrt manche unserer (Ruder-) Gewässer nicht mehr ganzjährig befahrbar sein werden. Schwerpunkt der Pflege des DRV-Gewässerkataloges wird zukünftig auch die Pflege von Mindestpegelständen vor allem an den fließenden Gewässern sein.
Thomas Haarhoff kümmert sich die Beteiligungsverfahren rund um das Kuratorium Sport & Natur, wissenschaftliche Projekte und um die Tagungen rund um Elbe und Weser.
Alle Fachressortmitglieder sind eingespannt in regionale Planfeststellungsverfahren, zu denen sie meist in Zusammenarbeit mit den Vereinen vor Ort auch aus den anderen Wassersportverbänden Stellung nehmen. Dazu kommen die Verfahren zur Änderung oder Einführung von Gesetzen und Verordnungen von Seiten des Bundes und der Länder, die über die Verteiler der Ministerien direkt an den Deutschen Ruderverband oder einen Landesruderverband oder indirekt (Kuratorium Sport & Natur, DOSB, die Landessportverbände, über andere Wassersportverbände) gelangen.
Wichtige Projekte sind die Beteiligung an der Neuregelung der Sportboot-Verordnung, dass auf regen Widerstand der Wassersportverbände stößt. Zum einen geht es um die Liberalisierung der Sportboot-Führerschein-Vergabe über den Deutschen Segler-Verband (DSV) und den Deutschen Motoryacht-Verband (DMYV); zum anderen müssen Ruderer und
Kanuten bei der bisher geplanten Regelung eine Zertifizierungspflicht für ihre Boote befürchten, sobald sie z. B. für Regatten oder Wanderfahrten verleihen werden.
Entwurf und Stellungnahmen zur Verordnung der Neuregelung der Sportschifffahrt
In der Fulder und Ilmen Aue am Mittelrhein zwischen Ingelheim und Bingen hatten mehrere Wassersportvereine, u. a. der WSV Geisenheim und der RV Ingelheim um Unterstützung bei der Abwehr einer Befahrensregelung für einen Rhein-Nebenarm gebeten, auf dem das Training dieser Vereine stattfindet. In diesem Verfahren zunächst der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd (SGD Süd) des Landes Rheinland-Pfalz und später des Bundesverkehrsministeriums konnte der Deutsche Ruderverband für sich und mit gemeinsamen Stellungnahmen das ganzjährige Befahrensverbot zumindest bis auf Weiteres verhindern. Moniert wurde der fehlende belastbare Nachweis für die Störung des Brutverhaltens besonders geschützter Vogelarten durch den organisierten Wassersport.
Technischer Ausschuss
Technische Fragen werden von den Fachressortmitgliedern zu Umtragestellen und der Gestaltung von Schleusen und Bootsgassen, Nachfragen nach Elektromotoren für Trainerboote und Details zu Ruderbecken, Bootshausgestaltung, Werkstattbetrieb und zur Sicherheit von Ruderbooten beantwortet.
Klima
Seit März 2026 verstärkt Marcus Frohme, Professor für Biologie von der TH Wildau das Gesamtressort. Zusammen mit seiner Mitarbeiterin Lisa Schultz erarbeitet er über Masterarbeiten ein Grundkonzept für den Klimaschutz im Deutschen Ruderverband. Interviews zu diesem Thema werden ab September 2026 stattfinden.
Sicherheit
Seit der Neustrukturierung der Fachressorts 2024/2025 ist der Sicherheitsbeauftragte Holger Römer Mitglied des Fachressorts. Zusammen mit dem Fachressortvorsitzenden sorgt er gemäß der DRV-Sicherheitsrichtlinie von 2014 für die Pflege der DRV-Unfallstatistik mit Ruderbooten bei Notfalleinsätzen. Dies geschieht in enger Abstimmung mit dem Deutschen Kanu-Verband, da Wasserschutzpolizei, Feuerwehren und Rettungsdienste und erst recht die Presse kaum in der Lage sind, Ruderboote und Kanus zu unterscheiden.