Bundesliga-Renntag Nr. 4 wirbelt die Tabelle durcheinander
Wie bereits in der vorherigen Saison durfte die STÜBBE Ruder-Bundesliga auch in diesem Jahr beim TVK Essen zu Gast sein. Der vorletzte der insgesamt fünf Renntage begeisterte mit Gastfreundschaft und guter Stimmung und ließ die RBL-Familie zusammenrücken. Auf engstem Raum verschmolzen Bootsplatz, Team-Zelte, Zuschauerbereich und Ablegesteg und führten zu einem ganz besonderen Regatta-Feeling beim BOB Automotive Renntag in Essen-Kupferdreh.
„Buderus Arena“ auf der Ruhr stellt Herausforderungen
Nachdem am vorherigen Renntag in Osnabrück die Strecke aufgrund örtlicher Begebenheiten auf etwa 280m verkürzt war, mussten die Teams in der „Buderus Arena“, wie die Strecke in Kupferdreh getauft wurde, wieder über die vollen 350m ran. Während dies einigen sehr startschnellen Teams Sorgen bereitete, gab es anderen Teams, deren Stärke in der zweiten Streckenhälfte liegt, mehr Raum für die Aufholjagd.
Am Morgen wurden die Teilenhmenden von einem schönen Spätsommer-Morgen begrüßt, der allerdings Gegenwind mit sich brachte und die Ruhr zu einem unruhigen Gewässer machte. Diese anspruchsvollen Bedingungen begleiteten die Teams den gesamten Tag über und trugen sicherlich zu einigen Überraschungen bei.
Große Überraschungen im Zeitfahren
Gleich morgens im Zeitfahren deutete sich an, dass der Renntag sowohl in der Frauen- als auch in der Männer-Liga einige unerwartete Platzierungen bereithalten könnte.
Mit den Sweepboys Hamburg, dem DYNASports Männer-Achter Osnabrück und dem Melitta-Achter Minden „Team Black“ nahmen drei Top-Teams die ersten drei Plätze im Männer-Zeitfahren ein. Groß war aber die Überraschung, dass sich dahinter mit dem Mainzer Achter das achtplatzierte Team der Tabelle einordnete. Ebenso groß war die Freude von den Lokalmataroden BOB-Automotive Ruhrpiraten Essen, die sich als Tabellen-Zehnte auf Rang 6 wiederfinden.
In der Frauen-Liga werden aufgrund eines anderen Ausscheidungs-Modus zwei Zeitfahren addiert. Beide Runden absolvierten die Tabellen-Führenden vom Alstersprinter als schnellstes Team und qualifizierten sich direkt für das Halbfinale. Dahinter wurde der SachsenEnergie Achter aus Leipzig unter großer Freude zweitschnellstes Team und verbuchte damit das beste Zeitfahren-Ergebnis in der Geschichte des Achters. Die Lokal-Matadorinnen vom Amrop Ruhr-Achter Essen-Kettwig waren das drittschnellste Team im Zeitfahren.
Juniorinnen-Bundesliga wieder mit im Programm
Nachdem ein Juniorinnen-Achter krankheitsbedingt nicht an den Start gehen konnte, entwarf das RBL-Orga-Team kurzfristig einen neuen Progressions-Modus für die verbleibenden drei Teams. Goofys ACHTERbahn Witten, der avanti-Achter Bitterfeld und die Juniorinnen Essen stellten sich im Zeitfahren zuerst einem „jeder-gegen-jeden“ Modus. Mit zwei Siegen qualifizierten sich die Essenerinnen direkt für das Finale, während Witten sich im Hoffnungslauf gegen den avanti-Achter durchsetzt und den zweiten Final-Platz sicherte.
Freude und Enttäuschung dicht zusammen in Achtel-, Viertel- und Halbfinals
Auf Basis des Zeitfahrens wurden wie üblich die Achtelfinals gesetzt, und in den k.o.-Modus gewechselt. Von nun an entschied nur noch Sieg oder Niederlage über den weiteren Tagesverlauf.
Viele Renn-Ausgänge in dieser Phase des Tages waren erwartbar, wurden schließlich das schnellste gegen das langsamste, das zweitschnellste gegen das zweitlangsamste Team aus dem Zeitfahren usw. gesetzt. Die Hoffnung des lokalen Teams BOB Automotive Ruhrpiraten Essen auf eine Top-Platzierung wurde allerdings früh zunichte gemacht, als die Neckar Vikings aus Heidelberg nach einem unrunden Zeitfahren im Achtelfinale zu ihrer gewohnten Stärke zurückfanden und die Männer aus Essen hinter sich ließen. Auch das autosen Sprintteam Mülheim unterlag im Achtelfinale dem „Häuser unserer Zukunft“ Ottoachter Magdeburg, konnte sich aber als schnellster Verlierer noch das „Lucky Loser“ Ticket in die Top8 sichern.
Als die Magdeburger Männer (Rang 7 in der Tabelle) unter ungläubigen Blicken des Publikums im Viertelfinale die Männer aus Osnabrück (Rang 3 in der Tabelle) hinter sich ließen, konnte man die gute Tagesform der Sachsen-Anhalter erahnen. Der Jubel war grenzenlos, als sie dann im Halbfinale auch die Neckar Vikings hinter sich ließen und sich so für das große Finale um Gold und Silber qualifiziert hatten.
Den Einzug in die Top 4 der Frauen-Liga sicherten sich im Viertelfinale die Achter aus Leipzig, Essen-Kettwig, Osnabrück und Hamburg. Der durch Krankheit geschwächte Kader des Meenzer Express, der mit Tabellen-Rang 3 in den Tag startete, konnte an diesem Renntag nicht in der Geschehen der vorderen Platzierungen eingreifen.
Kräfte sammeln für die Final-Runden
Nach einem herausfordernden Renntag, der bei jedem einzelnen Ruderschlag volle Konzentration benötigte, legte sich die Ruhr zu den Final-Runden am frühen Abend ruhiger nieder, der Gegenwind ließ merklich nach.
Die Sweepboys HH konnten ihre Klasse im Finale unterstreichen und sicherten sich ungefährdet den Tagessieg vor den stolzen Silbermedaillengewinnern aus Magdeburg. Im zweiten Finale setzte sich der Germania Achter aus Frankfurt früh vor die Heidelberger und sicherte sich mit der Bronzemedaille gleichzeitig auch die vierte Medaille in vier Renntagen. Das lokale Team der BOB Automotive Ruhrpiraten Essen konnte nach dem frühen Ausscheiden aus den Top8 mit Rang 9 die bestmögliche Platzierung sichern. In einem Herzschlag-Finale schoben sie sich mit einer Hundertstelsekunde vor dem Bochum/Witten-Achter über die Ziellinie.
Wie schon im Zeitfahren stand der Tabellenführende Alstersprinter im Finale der Frauen dem Amrop Ruhr-Achter Essen-Kettwig gegenüber. Die Kettwigerinnen warfen alles in die Waagschale und fuhren ein couragiertes Rennen, doch der Alstersprinter wehrte alle Angriffe ab und fuhr mit einem Luftkasten Vorsprung über die Ziellinie. Damit sicherten sich die Hamburgerinnen den vierten Tagessieg in Folge, und fügen einen weiteren Hamburger Doppelsieg in die RBL-Geschichtsbücher ein.
Im Finale der Juniorinnen-Bundesliga forderte Goofys ACHTERbahn Witten den Essenerinnen noch einmal alles ab, und versuchte, den Rennausgang des Vormittags zu drehen. Die Juniorinnen Essen behielten allerdings einen kühlen Kopf und konnten sich mit einem Vorsprung von 0,8 Sekunden die Goldmedaille sichern.
Blick auf den finalen Renntag
Das gesamte Team der Ruder-Bundesliga bedankt sich beim engagierten Team des TVK Essen für die gelungene Ausrichtung des Renntags, der mit einzigartiger familiärer und gastfreundlicher Stimmung bestach.
Mit diesem Renntag rückt die Mitte der Saisontabelle dichter zusammen, und in der Frauen-Liga konnte der Achter aus Osnabrück mit dem drittplatzierten Meenzer Express gleichziehen. An der Spitze beider Tabellen haben die Hamburger Teams jedoch ihre Positionen zementiert und sind am letzten Renntag zwar noch rechnerisch einholbar, aber gehen mit großem Puffer an den Start.
In nur zwei Wochen springen die Ampeln in Heidelberg zum letzten Mal in dieser Saison auf Grün.