Franz Werner gewinnt die Filippi Trophy 2026 – Wolff setzt Ausrufezeichen in Donoratico
Mit einem Sieg von Franz Werner und Platz drei für Moritz Wolff hat die deutsche Coastal Rowing Nationalmannschaft bei der Filippi Trophy im italienischen Donoratico ein weiteres starkes Ausrufezeichen gesetzt. Die schon traditionsreiche Regatta an der toskanischen Küste gilt als die wichtigste Standortbestimmung vor EM und WM im internationalen Coastal Rowing und wird von vielen Athletinnen und Athleten als das „Luzern des Beach Sprints“ bezeichnet. Nahezu die gesamte Weltelite war vertreten.
Für die deutsche Mannschaft wurde das Wochenende zu einem erfolgreichen Härtetest unter außergewöhnlich schwierigen Bedingungen. Starker Wind, hohe Wellen und zahlreiche Zeitplanänderungen stellten Athlet:innen und Betreuerstab gleichermaßen vor große Herausforderungen. Dennoch gelang es dem Team des Deutschen Ruderverbandes, mehrere starke Ergebnisse einzufahren und seine internationale Konkurrenzfähigkeit eindrucksvoll zu unterstreichen.
Werner krönt starkes Wochenende mit dem Gesamtsieg
Besonders eindrucksvoll präsentierte sich Franz Werner. Bereits im Time Trial setzte der Deutsche mit einer Spitzenleistung und Platz 1 bei 67 Startern ein erstes Ausrufezeichen und verschaffte sich eine hervorragende Ausgangsposition für die K.O.-Runden. Anschließend arbeitete er sich souverän durch das Feld bis ins Finale vor.
Dort traf Werner auf den Italiener Lucio Fugazzotto. Nach einem kontrollierten Rennbeginn hielt sich der Deutsche zunächst in Schlagdistanz zur Spitze. Auf dem Rückweg vom zweiten Wendepunkt nutzte er die Bedingungen optimal, fand die schnellere Linie und schob sich Schritt für Schritt nach vorne. Im Schlussteil übernahm Werner die Führung und ließ keinen Zweifel mehr am Ausgang des Rennens. Mit seinem Sieg setzte er sich gegen eines der stärksten Felder der Saison durch.
Bundestrainer Adrian Bretting zeigte sich entsprechend begeistert: „Franz hatte wieder ein grandioses Wochenende. Gerade das Finale war beeindruckend. Nach ungewohnten Problemen beim Einstieg und einem ordentlichen Rückstand kämpfte er sich zurück und entschied das Rennen am Ende souverän für sich.“
Wolff schlägt Weltmeister Bak und gewinnt Bronze
Für einen weiteren Höhepunkt aus deutscher Sicht sorgte Moritz Wolff. Im Viertelfinale traf er auf den amtierenden Weltmeister Chris Bak aus den USA. Das Duell gehörte zu den mit Spannung erwarteten Begegnungen des Wochenendes. Wolff präsentierte sich von Beginn an entschlossen, setzte sich gegen den Amerikaner souverän durch und zog ins Halbfinale ein.
Nach Einschätzung von Bundestrainer Bretting kostete dieses Rennen allerdings viel Energie. Bei der Filippi Trophy folgen die K.O.-Duelle in kurzen Abständen aufeinander, sodass die Erholungszeiten noch geringer ausfallen als bei Welt- oder Europameisterschaften. „Da zählt wirklich jede Minute. Das muss man nicht nur bei der Bewertung mit einkalkulieren, es stellt sich ab dem Halbfinale auch immer die Frage taktisch zu agieren, um ggf. Körner für das Medaillenrennen zu sparen."
Im Halbfinale verpasste Wolff den Einzug ins Finale, zeigte jedoch im kleinen Finale noch einmal seine Klasse und sicherte sich mit einer starken Leistung die Bronzemedaille. Damit standen gleich zwei deutsche Athleten auf dem Podium des hochklassig besetzten Männer-Einers.
In Donoratico blieb das deutsche Finale zwar aus. In der Gesamtwertung der gesamten Rennserie von vier Regatten, an denen das DRV-Team an drei teilnahm, machten Werner und Wolff aber den deutschen Doppelsieg perfekt. Mit 54 Punkten errang Franz Werner den Gesamtsieg. Gefolgt von Moritz Wolff auf Platz 2 mit 47 Punkten. Dritter wurde der Italiener Fugazzotto mit 37 Punkten. Ein Gesamtergebnis was die Leistungsstärke des deutschen Teams, insbesondere bei den Männern, eindrucksvoll zum Ausdruck bringt.
Extrembedingungen prägen das Wochenende
Die Filippi Trophy 2026 in Donoratico wird vor allem wegen ihrer außergewöhnlich schwierigen Wetterbedingungen in Erinnerung bleiben. Bereits am Freitag mussten geplante Rennen verschoben werden. Am Samstag verhinderten hohe Wellen und starker Wind über Stunden einen regulären Ablauf. Der ursprünglich vorgesehenen zwei Time-Trial-Durchgänge wurden auf einen Durchgang reduziert, um das Programm überhaupt durchführen zu können. Eine zweite Chance gab es also nicht. Nur die Top 16 der ersten Runde zogen in die K.O.-Rennen ein.
Zahlreiche Athletinnen und Athleten kenterten oder hatten erhebliche Probleme beim Durchfahren der Brandungszone. Selbst Weltklasseteams gerieten an ihre Grenzen. Einige Starter entschieden sich sogar für das Tragen von Schutzhelmen, um sich im Falle von Überschlägen vor den Booten zu schützen.
„Das war am Samstag stellenweise mehr Überlebenskampf als Rennsport“, beschrieb Bretting die Bedingungen. „Es gab zahlreiche Kenterungen und die Wellen haben den Rennverlauf oft stark beeinflusst. Dennoch muss auch so etwas gemeistert werden und es war ja noch keine WM, da kann man sicher auch mal etwas an die Grenzen gehen."
Tertünte erreicht die Top 16
Bei den Frauen erreichte Julia Tertünte die K.O.-Phase und belegte einen Platz unter den besten 16 Athletinnen des Wettbewerbs. Nach Problemen im Time Trial ging sie als 15. ins Achtelfinale. Dort traf sie auf die amtierende Vizeweltmeisterin und spätere Siegerin der Rennserie 2026, Magdalena Lobnig, aus Österreich. Trotz engagiertem Rennen, musste sie sich bei den enormen Bedingungen geschlagen geben und belegte im Gesamtergebnis Rang 9, was bedeutet, dass auch ihre Zeit im Achtelfinale sehr ordentlich war. Bundestrainer Adrian Bretting wertete ihren Auftritt als wichtigen Schritt auf dem Weg zur internationalen Spitze: „Das waren am Samstag ganz sicher nicht Julias Bedingungen. Dennoch ist sie es mutig angegangen und hat sich nicht einschüchtern lassen. Ich bin sicher, dass sie auf dem richtigen Weg ist. Jetzt gilt es dranzubleiben."
Der CMix2x Wolff/Tertünte erreichte ebenfalls das Achtelfinale. Leider schied die Crew dort gegen die späteren Sieger aus Litauen aus. Immer besser in Tritt kommt auch Coastal-Neuling Franz Friedhelm Cherubim. Mit Platz 28 im CM1x und Platz 16 im CMix2x (mit Katharina Bauer) ist hier ein klarer Aufwärtstrend zu erkennen. „Franz Cherubim lernt mit jeder Maßnahme hinzu und das zeigt sich auch langsam in den Ergebnissen. Wir werden ihm weiter Zeit zur Entwicklung geben,“ so Bretting.
Wertvolle Erfahrungen für den Nachwuchs
Für die jüngeren Mitglieder der deutschen Mannschaft, die Junior:innen Vera Schwagrzinna und Johann Meyer, stand vor allem das Sammeln internationaler Wettkampferfahrung im Mittelpunkt. Die schwierigen Bedingungen verlangten den Nachwuchsathleten viel ab, lieferten aber zugleich wertvolle Erkenntnisse zum aktuellen Stand. „Hier stehen wir am Anfang der Reise mit dem Ziel Youth Olympics in Dakar. Das war natürlich eine gehörige Feuertaufe bei den Bedingungen ranzumüssen. Das bewerten wir nicht über. Die Eindrücke im Training in Warnemünde und auch an den Tagen zuvor in Donoratico waren sehr gut. Aber wir haben einige Hausaufgaben mitbekommen aus Italien. Für die beiden gilt es jetzt auch die kommenden Monate und Maßnahmen zu nutzen,“ so U19-Coastal Bundestrainer Hendrik Bohnekamp zur internationalen Wettkampfpremiere seiner Schützlinge.
Optimistischer Blick auf die Saisonhöhepunkte
Nach dem Wetterchaos des ersten Wettkampftages konnten die Finalrennen am Sonntag bei deutlich besseren Bedingungen durchgeführt werden. Mit dem Sieg von Franz Werner, der Bronzemedaille von Moritz Wolff sowie den weiteren Platzierungen in den K.O.-Runden zog Bundestrainer Adrian Bretting bei der krankheitsbedingten Abwesenheit von Sophie Leupold insgesamt ein positives Fazit.
„Bei den Männern stehen wir aktuell sehr gut da. Bei den Frauen verfügen wir ebenfalls über ordentlich Potenzial. Wir haben viele Dinge in den letzten Monaten losgetreten und unsere Arbeit in einigen Bereichen intensiviert. Auch durch ordentliche Unterstützung durch externe Expertinnen. Da müssen wir jetzt dran bleiben und dürfen nicht nachlassen. Dann können wir optimistisch auf die bevorstehenden internationalen Meisterschaften blicken.“
Mit Blick auf die Europameisterschaften in Spanien und die Weltmeisterschaften in China lieferte Donoratico damit einen vielversprechenden Vorgeschmack auf die kommenden Höhepunkte der Coastal Rowing-Saison.