Historischer WM-Titel für Leupold und Werner
Gold für Sophie Leupold und Franz Werner, Bronze für Moritz Wolff: Bei den Beach-Sprint-Weltmeisterschaften in Qingdao gewinnt Deutschland zwei Medaillen in den drei olympischen Bootsklassen der Elite. Auch der Nachwuchs jubelt: Anneke Ihmann und Jasper Weber holen Silber im U19-Mixed-Doppelzweier.
Die deutsche Coastal Rowing Nationalmannschaft hat bei den Beach-Sprint-Weltmeisterschaften in Qingdao Geschichte geschrieben. Sophie Leupold und Franz Werner krönten sich im Mixed-Doppelzweier zu Weltmeistern und gewannen damit den ersten deutschen WM-Titel in einer offenen Beach-Sprint-Klasse. Moritz Wolff steuerte im Männer-Solo die Bronzemedaille bei. Das alleine wäre bereits ein historischer Meilenstein gewesen. Doch damit holte das deutsche Team zwei Medaillen in den drei Bootsklassen, die 2028 in Los Angeles ihre olympische Premiere feiern werden. Abgerundet wurde der erfolgreiche Abschlusstag durch Silber für Anneke Ihmann und Jasper Weber im U19-Mixed-Doppelzweier.
Vom 16. Platz zum WM-Titel
Die Geschichte des deutschen Goldes war eine Geschichte des Aufstehens: Im Zeitfahren hatten Leupold und Werner lange um das Weiterkommen bangen müssen. Als 16. und damit letzte qualifizierte Crew erreichten sie die K.-o.-Runde (Achtelfinale). Dort zeigte das Duo vom Pirnaer Ruderverein 1872 ein völlig anderes Gesicht. Bereits im ersten direkten Duell überzeugten sie gegen das an Platz Eins gesetzte Boot aus Australien und schafften die Überraschung.
Im Viertelfinale ging es dann weiter gegen Kroatien. Doch auch hier war der Pirna-Express nicht zu stoppen und zog ins Halbfinale ein. Dort warteten anschließend die starken Polen mit Adam Bujnowski und Dominika Baranowska. Leupold und Werner erwischten einen kraftvollen Start, bewältigten die Wende stark und übernahmen die Kontrolle. Auch die anspruchsvollen Wellen konnten den deutschen Sieg nicht mehr gefährden. Damit war bereits Silber sicher. Doch dabei sollte es nicht bleiben.
Im Finale traf das DRV-Duo auf die litauischen Beach-Sprint-Größen Martyna Kazlauskaite und Dominykas Jancionis. Die Weltmeister 2024 und 2025 in dieser Bootsklasse.
Litauen gelang der bessere Start, Kazlauskaite saß bereits im Boot, als Leupold noch einstieg. Doch Deutschland machte den Rückstand auf dem Weg zur Wendeboje vollständig wett. Leupold und Werner umrundeten die Boje in Führung und setzten sich zunächst ab.
Rund 150 Meter vor dem Strand geriet das deutsche Boot jedoch vom optimalen Kurs ab. Litauen kam noch einmal gefährlich nahe heran. Am Strand entwickelte sich ein dramatisches Sprintduell bei dem beide Bugmänner noch einmal alles mobilisierten: Franz Werner warf sich einen Augenblick vor Jancionis auf den Buzzer. Nach 2:43,95 Minuten stand der historische deutsche WM-Titel fest.
„Es ist noch gar nicht richtig angekommen“, sagte Sophie Leupold nach dem Rennen. „Wir hatten nichts zu verlieren. Gestern waren wir fast ausgeschieden, kamen vom 16. Platz – und hatten während der gesamten Regatta nichts zu verlieren.“ Franz Werner ergänzte: „Wir haben viele Sprints trainiert – und offenbar auch das Fahren abseits der Ideallinie. Es ist unglaublich.“ Der Plan für den Abend war schnell gefasst: ein Bier in Qingdao (Chinas Beer City).
Wolff kämpft sich zu Bronze
Auch Moritz Wolff belohnte sich im Männer-Solo für einen starken Wettbewerb. Nachdem der Athlet des Berliner Ruder-Clubs im Vorjahr in Antalya noch knapp an Bronze vorbeigefahren war, ließ er sich die Medaille diesmal nicht nehmen.
Im kleinen Finale gegen Allison Russo aus Portugal ging Wolff früh knapp in Führung. Nach einer guten Wende baute er seinen Vorsprung auf dem Rückweg aus und erreichte den Strand mit einem beruhigenden Polster. Selbst ein Stolperer beim Aussteigen konnte ihn nicht mehr aufhalten. Wolff sicherte sich hinter Weltmeister Liu Jiayu aus China und dem Australier Samuel Forbes die Bronzemedaille. „Nach dem Drama von Antalya eine echte Genugtuung, dass sich Moritz hier endlich mit der WM-Medaille belohnen konnte. Der verdiente Lohn harter und zielstrebiger Arbeit,“ so Coastal-Bundestrainer Adrian Bretting zum Abschneiden im Männer-Solo.
Damit stand am Ende eine bemerkenswerte Bilanz in den künftigen olympischen Disziplinen: Gold im Mixed-Doppelzweier und Bronze im Männer-Solo. Julia Tertünte war im Frauen-Solo unter den äußerst selektiven Bedingungen des ersten Renntages im Zeitfahren ausgeschieden.
U19-Duo gewinnt Silber
Auch der deutsche Nachwuchs sorgte für Edelmetall. Anneke Ihmann von der Saarbrücker RG Undine und Jasper Weber vom Ruder- und Kanu-Verein Bad Kreuznach zogen mit einer dominanten Vorstellung gegen Brasilien in das Finale des U19-Mixed-Doppelzweiers ein. Dort erwiesen sich Su Juntao und Liu Lili aus China als zu stark. Das chinesische Boot setzte sich früh an die Spitze und ließ den Vorsprung bis zum Strand nicht mehr zusammenschmelzen. Ihmann und Weber gewannen die Silbermedaille vor Alfredo Mena Castillo und Blanca Lopez Valera aus Spanien.
Für Deutschland war es bereits die zweite Silbermedaille in Folge in dieser Bootsklasse – diesmal mit einer komplett neuen Besetzung.
Mixed-Vierer im Halbfinale gestoppt
Der gesteuerte Mixed-Doppelvierer hatte sich als Sieger des Zeitfahrens ebenfalls in eine hervorragende Ausgangsposition gebracht. Katharina Bauer vom RV Treviris Trier, Julius Blümel vom Berliner Ruder-Club, Franz Cherubim vom Akademischen Ruderverein zu Leipzig, Judith Guhse vom Rendsburger Ruderverein und Steuerfrau Jette Hansen vom Hamburger und Germania Ruder Club 1836 zeigten im Viertelfinale gegen Indonesien einen furiosen Start. Hansen sprang in das bereits anfahrende Boot, während die Crew sofort einen deutlichen Vorsprung herausruderte. Mit einer kontrollierten Vorstellung zog Deutschland in das Halbfinale ein. Dort setzte sich jedoch China ab der zweiten Streckenhälfte entscheidend ab. Der Vorsprung reichte der chinesischen Schlussläuferin Li Juanjuan, um das Laufduell gegen Cherubim zu gewinnen und den deutschen Finaleinzug zu verhindern.
Im Rennen um Bronze gelang es dem deutschen Boot nicht, die von Beginn an in Führung liegenden Australier auf der Strecke trotz allen Versuchen und starkem Kampf bis zum Ziel wieder einzuholen. Ein starker vierter Platz steht in der Ergebnisliste, darauf kann das Team sehr stolz sein bei dieser starken Konkurrenz.
Erfolgreicher Abschluss in Qingdao
Mit dem ersten deutschen WM-Titel in einer offenen Beach-Sprint-Klasse, Bronze im Männer-Solo und Silber im U19-Mixed-Doppelzweier endet für den DRV eine historische Weltmeisterschaft. Besonders die zwei Medaillen in den drei olympischen Bootsklassen unterstreichen die positive Entwicklung auf dem Weg zur Beach-Sprint-Premiere bei den Olympischen Spielen 2028. Aufgrund der angekündigten widrigen Wetterbedingungen waren sämtliche für Mittwoch vorgesehenen Rennen bereits am Dienstag ausgetragen worden. Die Siegerehrungen finden am Mittwoch statt – dann werden Leupold, Werner, Wolff, Ihmann und Weber ihre Medaillen offiziell in Empfang nehmen.