Historisches Gold und Bronze zum Abschluss der Coastal-EM
Julia Tertünte und Moritz Wolff schreiben im Mixed-Doppelzweier Geschichte – Franz Werner gewinnt Bronze im Männer-Solo
Nach zwei intensiven Wettkampftagen endeten die Europameisterschaften im Coastal Rowing Beach Sprint in La Línea de la Concepción mit einem historischen Erfolg für das deutsche Team. Julia Tertünte und Moritz Wolff gewannen Gold im Mixed-Doppelzweier, Franz Werner vom Pirnaer RV sicherte sich Bronze im Männer-Solo. Damit holten beide am Finaltag noch im Wettbewerb befindlichen deutschen Seniorboote eine Medaille.
Nach dem teilweise frustrierenden Auftakt, insbesondere dem unter ungleichen Streckenbedingungen zustande gekommenen Ausscheiden von Sophie Leupold im Frauen-Solo, zeigte die Mannschaft am zweiten Wettkampftag eine starke Reaktion. Die Athlet:innen blieben fokussiert und belohnten die intensive Arbeit der vergangenen Monate mit zwei Podestplätzen.
Tertünte und Wolff schreiben Geschichte
Für Julia Tertünte und Moritz Wolff begann der Finaltag bereits am Morgen mit dem am Vortag verschobenen Achtelfinale gegen Schweden. Das deutsche Duo hatte am Mittwoch das Time Trial gewonnen, sein erstes K.-o.-Rennen im
Achtelfinale aufgrund zahlreicher Proteste und notwendiger Umbauten am Kurs aber nicht mehr wie geplant am Abend bestreiten können. Daher kam es zur Verlegung auf den Donnerstagmorgen. Das Duell gegen Schweden bildete direkt den Tagesauftakt.
Nach dem erfolgreichen Achtelfinale wurde das Viertelfinale gegen die Niederlande zu einer ersten großen Bewährungsprobe. Tertünte und Wolff agierten zunächst spürbar nervös und konnten das Rennen erst auf dem letzten Abschnitt für sich entscheiden. Im nur 15 Minuten später angesetzten Halbfinale gegen die späteren Bronzegewinner aus Polen präsentierten sie sich anschließend deutlich souveräner und zogen überzeugend in das Rennen um Gold ein. „Nach dem Viertelfinale hat die Crew eine super Analyse abgegeben und genau die richtigen Schlüsse für die weiteren Rennen gezogen,“ so Bundestrainer Adrian Bretting.
Im Finale warteten die Serien-Weltmeister aus Litauen, die den WM-Titel in den vergangenen beiden Jahren gewonnen hatten. Im entscheidenden Rennen zeigte der deutsche Mixed-Doppelzweier seine beste Leistung des gesamten Wettkampfs: Tertünte und Wolff übernahmen die Kontrolle und schlugen die favorisierten Litauer am Ende deutlich.
Nach Silber bei der Europameisterschaft im Vorjahr durch Sophie Leupold und Franz Werner gelang dem DRV nun der nächste Schritt. Die Goldmedaille ist zugleich die erste für Deutschland im Seniorenbereich bei einer Europa- oder Weltmeisterschaft im Coastal Rowimg Beach Sprint. Bundestrainer Adrian Bretting bezeichnete den Finalsieg als Befreiungsschlag und als verdienten Lohn für die Entwicklung des Duos.
Franz Werner belohnt sich mit Bronze
Auch Franz Werner bestätigte im Männer-Solo seine Zugehörigkeit zur (mindestens) europäischen Spitze. Bereits im Time Trial am ersten Wettkampftag hatte er als Fünfter lediglich sechs Zehntelsekunden Rückstand auf die Bestzeit. Nach seinem hart erkämpften Sieg im Achtelfinale zog der Athlet des Pirnaer RV am Donnerstag in die Runde der letzten Acht ein.
Die Last-Eight-Phase verlangt den Athlet:innen alles ab: Innerhalb von rund 40 Minuten müssen bis zu drei Rennen bestritten werden. Im Halbfinale traf Werner auf den an diesem Tag dominierenden Spanier Ander Martín. Da der Deutsche gesundheitlich leicht angeschlagen in die entscheidende Phase gegangen war, entschied er sich bewusst gegen einen vollständig ausgefahrenen Kampf um den Finaleinzug und sparte Kräfte für das Rennen um Bronze.
Diese taktische Entscheidung zahlte sich aus. Im kleinen Finale mobilisierte Werner noch einmal seine Reserven und sicherte sich souverän die Bronzemedaille. Nach den extrem engen Abständen im Time Trial und mehreren kräftezehrenden K.-o.-Rennen war der Podestplatz der verdiente Abschluss eines starken Wettkampfs.
Sprinttraining und mentale Arbeit zahlen sich aus
Für Bundestrainer Adrian Bretting waren die beiden Medaillen auch das Ergebnis der jüngsten Trainingsarbeit. In der Vorbereitung hatte das Team verstärkt an der Sprintleistung, den Abläufen unter höchster Belastung und der mentalen Stabilität gearbeitet. Gerade nach dem schwierigen ersten Wettkampftag gelang es den Athlet:innen, den Blick wieder konsequent nach vorne zu richten.
„Die ganze Disziplin und das Niveau der Nationalmannschaften entwickelt sich extrem weiter, wir sind aber mittendrin und spielen da mit“, fasste Bretting die internationale Situation zusammen.
Die engen Zeitabstände in den Time Trials und die Intensität der K.-o.-Rennen zeigten, wie stark sich die olympische Disziplin international entwickelt. Zugleich bestätigten Gold und Bronze, dass die deutschen Boote in der europäischen Spitze konkurrenzfähig sind.
Extremes Programm für die Junior:innen
Im Juniorenbereich absolvierten Johann Meyer und Carolina Guerra González als einziges Team der Europameisterschaft einen Doppelstart in den Einern und im Mixed-Doppelzweier. Dies sollte zur Vorbereitung auf die Youth Olympic Games in Dakar dienen. Dadurch mussten beide ein außergewöhnlich anspruchsvolles Programm mit teilweise bis zu sechs Rennen an einem Tag bewältigen.
In den Einzelwettbewerben wurde deutlich, in welchen Bereichen bis zur internationalen Spitze noch gearbeitet werden muss. Gleichzeitig bewies das Duo im Mixed-Doppelzweier seine Qualität. Im Viertelfinale trafen Meyer und Guerra González auf die späteren Europameister und zeigten trotz des Ausscheidens, welches Potenzial in ihnen steckt.
Die Europameisterschaft war für die beiden Nachwuchsathleten zugleich eine wichtige Generalprobe unter internationalem Wettkampfdruck. Die Erfahrungen aus den Einzelrennen und dem gemeinsamen Doppelzweier sollen nun in die weitere Vorbereitung bis Dakar einfließen.
Blick richtet sich auf die Weltmeisterschaften
Nach dem historischen Europameistertitel und der Bronzemedaille bleibt dem deutschen Team nur wenig Zeit zum Feiern. Bereits in der kommenden Woche beginnt das nächste Trainingslager für die Weltmeisterschaften im Oktober in China.
Dort ist eine strategische Umbesetzung vorgesehen: Moritz Wolff und Julia Tertünte sollen in den Solos starten, während Sophie Leupold und Franz Werner gemeinsam im Mixed-Doppelzweier antreten. Auf dem Weg zu den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles sollen die deutschen Athlet:innen gezielt Erfahrungen in allen drei olympischen Bootsklassen sammeln.
Die Europameisterschaften haben gezeigt, dass Deutschland im internationalen Coastal Rowing Beach Sprint um die Medaillen kämpfen kann. Angesichts der immer enger werdenden Abstände weiß Bretting aber auch, dass die Mannschaft auf dem Weg nach China „hellwach sein“ muss. Mit dem Selbstvertrauen aus einem historischen Titel, einer Bronzemedaille und mehreren starken Auftritten nimmt das Team nun den nächsten Saisonhöhepunkt ins Visier.