Mit Rückenwind aus der EM nach Qingdao: Deutsches Beach-Sprint-Team vor der WM
Mit einem Europameistertitel und einer Bronzemedaille im Gepäck richtet das deutsche Beach-Sprint-Team den Blick auf den nächsten Saisonhöhepunkt: Vom 18. bis 21. Oktober werden im chinesischen Qingdao die World Rowing Beach Sprint Finals ausgetragen. Der Deutsche Ruderverband schickt eine Mannschaft aus erfahrenen Athletinnen und Athleten sowie Nachwuchskräften ins Rennen. Zwei Jahre vor der olympischen Premiere in Los Angeles bietet die WM einen wichtigen internationalen Maßstab.
222 Crews aus 53 Nationen treten nach den jüngsten Angaben von World Rowing in zehn Wettbewerben an. Damit erwartet die Aktiven eines der größten Teilnehmerfelder in der Geschichte der Beach-Sprint-Weltmeisterschaften. Die Disziplin wächst – und mit ihr die Konkurrenz auf dem Weg zu den Olympischen Spielen 2028.
Europameister starten in den Solos
Für das deutsche Team folgt auf den erfolgreichen EM-Auftritt im September eine bewusste Veränderung der Besetzungen. Julia Tertünte (Ruderverein Münster) und Moritz Wolff (Berliner Ruder-Club), die in La Línea de la Concepción gemeinsam Gold im Mixed-Doppelzweier gewannen, treten in Qingdao jeweils im Solo an. Sophie Leupold und Franz Werner vom Pirnaer Ruderverein bilden den Mixed-Doppelzweier. Damit setzt die Mannschaft die bereits nach der EM angekündigte Strategie fort, gezielt Erfahrungen in allen drei olympischen Bootsklassen zu sammeln.
Moritz Wolff gehört dabei zu den Athleten, die auch die internationale Presse im Vorfeld ausdrücklich hervorhebt. Bereits bei der WM 2025 in Antalya war der Berliner dem Finaleinzug nahe gewesen, ehe ein Stolperer beim abschließenden Lauf gegen den Spanier Ander Martín seine Chancen beendete. Nun wartet erneut starke Konkurrenz: Titelverteidiger Christopher Bak aus den USA, Europameister Martín und der finnische EM-Zweite Joel Naukkarinen zählen zu den namhaften Gegnern.
Wie groß die Leistungsdichte im Männer-Solo ist, zeigt die Meldeliste: 48 Boote bedeuten einen neuen Teilnehmerrekord für diesen Wettbewerb. Für Wolff wird es darauf ankommen, seine Geschwindigkeit auf dem Wasser mit präzisen Manövern und sicheren Übergängen am Strand zu verbinden.
Julia Tertünte trifft im Frauen-Solo ebenfalls auf ein hochklassiges Feld. Zu den Favoritinnen gehören die österreichische Weltmeisterin von 2024, Magdalena Lobnig, und die spanische Europameisterin Esther Briz. Für die Münsteranerin bietet Qingdao die Gelegenheit, sich nach dem gemeinsamen EM-Erfolg mit Wolff auch im Solo gegen die internationale Spitze zu behaupten.
Leupold und Werner mit gemeinsamer Erfahrung
Im Mixed-Doppelzweier können Sophie Leupold und Franz Werner auf gemeinsame internationale Erfolge bauen: Bereits 2025 gewann das Pirnaer Duo EM-Silber. Werner bestätigte seine Form zuletzt mit Bronze im Männer-Solo bei den Europameisterschaften in Spanien. Diese Erfahrungen bringen beide nun in den gemeinsamen WM-Start ein.
Eine zentrale Rolle im Kampf um die vorderen Plätze dürfte erneut Litauen spielen. Dominykas Jančionis und Martyna Kazlauskaitė gewannen die vergangenen beiden WM-Titel und mussten sich bei der diesjährigen EM erst im Finale Tertünte und Wolff geschlagen geben.
Mixed-Doppelvierer und Nachwuchs ergänzen das Aufgebot
Auch im gesteuerten Mixed-Doppelvierer ist Deutschland vertreten. Hier gehören Katharina Bauer (RV Treviris Trier), Julius Blümel (Berliner Ruder-Club), Franz Cherubim (Akademischer Ruderverein zu Leipzig), Judith Guhse (Rendsburger Ruderverein) und Steuerfrau Jette Hansen (Der Hamburger und Germania Ruder Club) zum Aufgebot.
Die U19-Mannschaft bilden Ludwig Canty (Berliner Ruder-Club), Ella-Solène Chave (Potsdamer Ruder-Gesellschaft), Anneke Ihmann (Saarbrücker RG Undine) und Jasper Weber (Ruder- und Kanu-Verein Bad Kreuznach). Vorgesehen sind Starts in den Solos und Doppelzweiern. Für die jungen Athletinnen und Athleten geht es darum, ihre Fähigkeiten unter WM-Bedingungen zu zeigen und wertvolle Erfahrungen im internationalen Vergleich zu sammeln. Der Zeitplan wird den Nachwuchstalenten jedoch viel abverlangen.
Die sportliche Leitung liegt bei Bundestrainer Adrian Bretting für die Elite und Hendrik Bohnekamp für den U19-Bereich. DRV-Cheftrainer Marcus Schwarzrock wird die Wettbewerbe ebenfalls persönlich vor Ort begleiten.
Jeder Übergang zählt
Sprinten, einsteigen, beschleunigen, wenden und nach der Rückkehr an den Strand noch einmal alles mobilisieren: Beach Sprint verlangt weit mehr als reine Rudergeschwindigkeit. Gerade in den direkten Duellen können kleine Fehler den Ausschlag geben. Die deutschen EM-Erfolge haben gezeigt, dass das Team diesen Anforderungen auch unter hohem Wettkampfdruck gewachsen ist.
In Qingdao gilt es nun, daran anzuknüpfen. Mit Selbstvertrauen aus La Línea, veränderten Besetzungen in den olympischen Bootsklassen und einem vielseitigen Aufgebot stellt sich die deutsche Mannschaft dem nächsten großen Test.