12. Febr. 2026 | Nationalmannschaft | von Hans Strauss

Rückkehr von einem Trainingslager, das keiner vergessen wird

Abgebrochene Bootsrümpfe: am Morgen des 28. Januar bot der Bootsplatz der Nationalmannschaft am Lago Azul ein schockierendes Bild. Foto: DRV
Umgestürzte Bäume in der Nähe des deutschen Trainingslager-Hotels: die Unwetter der vergangenen Wochen haben Portugal schwer getroffen. Foto: DRV
Gesperrte Straßen, verwüstete Landschaft: die Unwetter der vergangenen Wochen haben Portugal schwer getroffen. Foto: Theis Hagemeister
Dank Ausrüster Empacher und Bootsmeister Markus Schmitz waren nach wenigen Tagen Ersatzboote für die bei dem Sturm zerstörte Ausrüstung vor Ort. Foto: Theis Hagemeister
Theis Hagemeister
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Am Mittwochabend (11. Februar 2026) kehrte die Ruder-Nationalmannschaft der Männer vom Trainingslager in Portugal zurück. Drei Wochen lagen hinter ihnen, die sie wohl nie mehr vergessen werden. Bei einem verheerenden Sturm, der in der Nacht vom 27. auf den 28. Januar viele Teile des Landes verwüstete, war ein großer Teil der Flotte im Bootslager zerstört worden. Wie hoch der versicherte Schaden genau ist, wird noch ermittelt. Neues Bootsmaterial kam dank der Unterstützung von Ausrüster Empacher sehr schnell aus der Heimat. Trotzdem folgten für Sportler, Trainer und Betreuer noch zwei Wochen unter schwierigen Bedingungen.

Hagemeister: „Wir sind enger zusammengerückt“

Doch von verlorener Zeit kann keine Rede sein. „Wir haben quantitativ und qualitativ gut trainiert. Vor allem aber bin ich sehr zufrieden, dass alle Sportler den Willen gezeigt haben, auch unter diesen Umständen alles für den Erfolg zu tun“, unterstreicht Cheftrainer Marcus Schwarzrock. „Wir sind beim Training drangeblieben und alle nochmal enger zusammengerückt“, nannte Riemen-Ruderer Theis Hagemeister auf deutschlandachter.de die positive Seite der Tage am Lago Azul. 

Notstromaggregat und Gaskocher im Einsatz

Nachdem die Bruch-Schäden auf dem Bootsplatz gesichtet und protokolliert waren und aufgeräumt worden war, half die Nationalmannschaft im nahegelegenen Dorf, die Straßen von den umgestürzten Bäumen und anderen Hindernissen zu befreien. Für zehn Tage fiel nach dem Sturm der Strom aus, ein Diesel-Notstromaggregat versorgte die Hotel-Anlage aber wenigstens zeitweise mit Energie. In der Not wurden Mahlzeiten auch auf dem Gaskocher zubereitet. „Ein großer Dank an Hotelchef Jose Medina. Er hat sich Tag und Nacht darum gekümmert, die Bedingungen für uns so gut wie möglich zu gestalten“, sagt Marcus Schwarzrock.

Nur ins Internet gelangte man bis zum Ende des Aufenthalts nicht mehr – außer, man stieg auf den nächstgelegenen Hügel. Ein Ärgernis, das jedoch an Bedeutung verlor, wenn man zerstörte Autos und abgedeckte Dächer in den Häusern von Hotel-Mitarbeitern dagegenstellte. Portugal musste den Notstand ausrufen, der mittlerweile zum zweiten Mal bis zum 15. Februar verlängert wurde.

Mehr Ergo zu fahren war nicht verkehrt

Mit den weiteren schweren Unwettern, die über das Land hinwegzogen, war der Lago Azul nicht mehr konfrontiert. Das Wetter blieb allerdings sehr schlecht. „Es hat drei Wochen fast durchgeregnet“, sagte Schwarzrock. Das führte einmal dazu, dass zwei Zweier ohne so mit Wasser vollliefen, dass sie unterzugehen drohten. „Wir mussten insgesamt mehr Ergometer gefahren, als geplant war. Das macht zwar weniger Spaß, war aber nicht verkehrt, weil wir in diesem Bereich Defizite haben“, sieht der Cheftrainer das gelassen. 

Paarungen im Zweier ohne gefunden

Im Riemen-Bereich wurde das Ziel erreicht, in vielen Tests und drei Rennen die besten Kombinationen für die Zweier ohne und die deutsche Kleinbootmeisterschaft Mitte April in München zu ermitteln. Beim zweiten Testrennen konnten die Boote nur nacheinander aufs Wasser gehen, weil zu viel Sturm-Holz im See herumschwamm.  Die Bundestrainer Mark Emke und Sabine Tschäge legten bei der Nominierung besonderen Wert auf ein transparentes Vorgehen.

Im Bereich Skull wurden viele Kombinationen im Doppelzweier ausgetestet. Diese Bootsklasse wird in diesem Jahr bei den internationalen Regatten wieder besetzt werden, zumal die Breite an Skullern nun deutlich größer ist als in der nacholympischen Saison. Dafür sorgt unter anderem Rückkehrer Jonas Gelsen, der allerdings ebenso wie Marc Weber aus Studiengründen nur die erste Hälfte des Trainingslagers absolvieren konnte.     

Für das Trainingslager nominiert waren, Männer Riemen: Paul Klapperich (Bonner RG), Theis Hagemeister (Frankfurter RG Germania), Mark Hinrichs (Limburger CfW), Simon Schubert (USV TU Dresden), Tom Tewes (Münchener RC), Friedrich Amelingmeyer (Osnabrücker RV), Julius Christ (RTHC Bayer Leverkusen), Benedict Eggeling (RC Favorite Hammonia), Mattes Schönherr (RC Potsdam), Sönke Kruse (RV Münster), Tassilo von Müller (RK am Baldeneysee), Tobias Strangemann (RV Dorsten), Olaf Roggensack (RC Tegel), Jonas Wiesen (RG Treis-Karden), Kaspar Virnekäs (Münchner RC), Ole Bartenbach (RG Speyer), Jasper Angl (RV Münster), Paul Martin (Kettwiger RG), Wolf-Niclas Schröder (RU Arkona Berlin), René Schmela (Berliner RC), Max John (ORC Rostock), Julian Garth (Crefelder RC), Hanno Brach (Gießener RG).

Männer Skull: Till Schindelhauer (RV Kappeln), Arno Gaus (Bonner RG), Max Appel (SC Magdeburg), Marc Weber (RuS Steinmühle Marburg), Jonas Gelsen (RC Nassovia Höchst), Felix Heinrich (RK Normannia Braunschweig), Tom Gränitz (Berliner RC), Ole Hohensee (Stralsunder RC), Felix Krones (USV TU Dresden), Timo Strache (Hannoverscher RC), Julius Klein (Hanauer RC Hassia), Paavo Schewe (ORC Rostock), Moritz Küpper (RC Herdecke).     

Lufthansa-Streik: Frauen startet mit Verspätung

Nach den Männern kommen nun Frauen Skull und Frauen Riemen bis 6. März nach Lago Azul. Die Bedingungen werden sich weiter normalisieren, ein Ersatzort für ein Trainingslager bei milden Temperaturen wäre ohnehin nicht zu finden gewesen. Nach Plan kann es allerdings nicht losgehen. Wegen des Streiks bei der Lufthansa musste das Gros der Mannschaft die für Donnerstag geplante Flug-Anreise verschieben und kommt nun erst am Samstag an. „Wir nehmen mit, was wir kriegen können“, sagt Marcus Schwarzrock dazu sarkastisch. In den nächsten drei Wochen wird es auch darum gehen, dass es in dieser Saison mit einem Doppelzweier und einem Vierer ohne eine erweiterte Bootspalette geben soll. Juliane Faralisch stößt wieder zum Team dazu, dabei sind auch einige Athletinnen aus dem U23-Bereich. 

Für das Trainingslager nominiert sind, Frauen Riemen: Tabea Kuhnert (SC Magdeburg), Nora Peuser (RU Arkona Berlin), Annabelle Bachmann (RV Ingelheim), Paula Gerundt (Saarbrücker RG Undine), Olivia Clotten (Neusser RV), Lene Mührs (Kettwiger RG), Paula Hartmann (Mainzer RV), Leandra Hogrefe (RV Wandsbek), Lisa Behrens (Der Hamburger und Germania RC), Helena Wegener (RK am Wannsee), Lanea Rüter (RC Tegel), Florian Koch (Donau RC Ingolstadt), Hannah Reif (Frankfurter RG Germania), Lena Gresens (RC Potsdam), Ricarda Heuser (RG München), Michelle Lebahn (RC Potsdam).

Frauen Skull: Lisa Gutfleisch (Heidelberger RK), Pia Greiten (Osnabrücker RV), Frauke Hundeling (Deutscher RC), Sarah Wibberenz (RC Havel Brandenburg), Tabea Schendekehl (RC Hansa Dortmund), Maren Völz (RC Potsdam), Juliane Faralisch (Frankfurter RG Germania), Charlotte Luster (Hallesche RVgg).