Sechs Medaillen und Platz zwei im Medaillenspiegel: Erfolgreicher deutscher Abschluss in Kruszwica
Mit zwei Gold-, zwei Silber- und zwei Bronzemedaillen hat der Deutsche Ruderverband die U23-Europameisterschaften im polnischen Kruszwica abgeschlossen. Nathalie Sendjuk im Leichtgewichts-Frauen-Einer sowie Naveen Shah und Maximilian Rühling im Leichtgewichts-Männer-Doppelzweier ließen ihren U23-Weltmeistertiteln von Duisburg nun auch EM-Gold folgen. Silber gewannen der Männer-Doppelzweier und der Leichtgewichts-Frauen-Doppelzweier, Bronze ging an den Frauen-Vierer ohne Steuerfrau und den Mixed-Doppelzweier.
Mit dieser Bilanz belegt Deutschland im Medaillenspiegel den zweiten Platz hinter dem dominierenden rumänischen Team, das neun Gold- und eine Silbermedaille gewann. Griechenland folgt mit zweimal Gold und einmal Bronze auf Rang drei. Italien sammelte mit einer Gold-, fünf Silber- und vier Bronzemedaillen zwar insgesamt mehr Podiumsplätze als Deutschland, rangiert aufgrund der geringeren Zahl an Titeln aber auf Platz vier.
U23-Bundestrainer Dirk Brockmann zeigte sich zufrieden: "Lob an die Mannschaft, die die herausfordernden Bedingungen gut angenommen hat. Egal ob den unangenehmen Seitenwind oder kurzfristige Veränderungen, sie haben sich nicht unterkriegen lassen und ihr Bestes gegeben."
Die deutsche Mannschaft war am Sonntag in zwölf Medaillenfinals und vier B-Finals vertreten. Fünf der sechs deutschen Medaillen wurden in Skullbooten gewonnen. Der Frauen-Vierer ohne Steuerfrau sorgte mit Bronze für den Podiumsplatz im Riemenbereich.
Wetterkapriolen verlangen erneut Flexibilität
Auch der Finaltag stellte die Aktiven und die Organisation vor Herausforderungen. Nachdem am Samstag bereits eine klemmende Startbrücke den Ablauf durcheinandergebracht hatte, prägten am Sonntag die Wetterkapriolen insbesondere den Abschluss des Programms.
Die beiden letzten Medaillenentscheidungen, der Mixed-Doppelzweier und der Mixed-Achter, wurden deshalb als Time-Trials ausgetragen. Um möglichst faire Bedingungen zu gewährleisten, absolvierten die Mannschaften ihre Läufe nacheinander auf derselben Bahn. Damit entschied in diesen beiden Wettbewerben die Zeit über die Platzierungen, ohne dass sich die Crews im gewohnten direkten Vergleich nebeneinander messen konnten.
Trotz der anspruchsvollen Bedingungen blieb die Atmosphäre in Kruszwica freundlich und charmant. Sportlich verlangte das Wochenende den Mannschaften neben ihrer Leistung auf dem Wasser auch Geduld und die Fähigkeit ab, sich auf veränderte Abläufe einzustellen.
Shah und Rühling gewinnen nach WM-Gold auch den EM-Titel
Naveen Shah (Ruderverein Kurhessen-Cassel) und Maximilian Rühling (Mainzer Ruder-Verein von 1878) bestätigten im Leichtgewichts-Männer-Doppelzweier ihre starke Saison. Die U23-Weltmeister gewannen das Finale in 7:13,09 Minuten vor Italien und Polen.
Mit 7,28 Sekunden Vorsprung auf das italienische Duo fiel ihr Erfolg deutlich aus. Schon im Bahnverteilungsrennen hatten die beiden Deutschen die Konkurrenz hinter sich gelassen. Im Finale wiederholten sie diese Platzierung und krönten ihre gemeinsame Saison mit dem zweiten internationalen Titel. Nach WM-Silber 2025 und WM-Gold in Duisburg, Silber bei der "Großen-WM" folgte nun der U23-Triumph bei den kontinentalen Titelkämpfen.
Sendjuk setzt ihre Erfolgsserie fort
Auch Nathalie Sendjuk (Ruderklub am Wannsee) wurde ihrer Rolle als U23-Weltmeisterin gerecht. Im Leichtgewichts-Frauen-Einer gewann sie in 8:10,46 Minuten die Goldmedaille. Die Italienerin Melissa Schincariol folgte mit 4,45 Sekunden Rückstand, Bronze ging an die unter neutraler Flagge startende Maryia Barysevich.
Sendjuk hatte bereits das Bahnverteilungsrennen gewonnen und bestätigte diese Leistung im entscheidenden Finale. Nach ihrem Weltmeistertitel auf der Duisburger Wedau steht sie damit auch bei der U23-EM ganz oben auf dem Podium.
Silber für Rastetter und Ilsemann im Männer-Doppelzweier
Jakob Rastetter (Hanauer Ruderclub Hassia) und Jesse Ilsemann (Ruder-Gesellschaft „Hansa“) sicherten sich im Männer-Doppelzweier in 6:53,97 Minuten die Silbermedaille. Auf die siegreiche Schweiz fehlten lediglich 1,84 Sekunden. Frankreich gewann Bronze und lag 1,09 Sekunden hinter dem deutschen Boot.
Die neue Kombination hatte sich am Samstag mit einem Vorlaufsieg und Platz zwei im Halbfinale für das Medaillenrennen empfohlen. Im Finale gelang nun der gemeinsame Sprung auf das Podium. Rastetter gewann damit nach WM-Silber im Männer-Doppelvierer erneut eine internationale Silbermedaille. Ilsemann, bei der U23-WM Fünfter im Einer, belohnte sich in Kruszwica mit seiner EM-Medaille im Doppelzweier.
Lisdat und Reinke werden Vizeeuropameisterinnen
Jette Lisdat (Hannoverscher Ruder-Club von 1880) und Melina Reinke (Neusser Ruderverein) gewannen im Leichtgewichts-Frauen-Doppelzweier Silber. Das deutsche Duo erreichte das Ziel in 8:14,59 Minuten hinter Griechenland und deutlich vor Italien. Die Ukraine belegte Rang vier.
Damit bestätigten die beiden Deutschen ihren zweiten Platz aus dem Bahnverteilungsrennen. Für Reinke war es nach WM-Bronze mit Charlotte Bergmann bereits der nächste Podiumserfolg in dieser Saison. Gemeinsam mit Lisdat gelang ihr in Kruszwica nun der zweite Platz bei der U23-EM.
Frauen-Vierer sorgt für Bronze im Riemenbereich
Die erste deutsche Medaille des Finaltages gewannen Tabea Koop (Ruderclub Rapid Berlin), Sara Grauer (Ruderverein Münster von 1882), Raphaela Werner (Mainzer Ruder-Verein von 1878) und Helena Wegener (Ruderklub am Wannsee) im Frauen-Vierer ohne Steuerfrau.
In 7:27,21 Minuten belegte das Quartett den dritten Platz hinter Rumänien und Österreich. Tschechien und Ungarn folgten auf den weiteren Rängen. Die deutsche Mannschaft bestätigte damit ihre Platzierung aus dem Bahnverteilungsrennen und sicherte sich Bronze.
Grauer hatte bereits bei der U23-WM mit dem Frauen-Achter eine Bronzemedaille gewonnen. Koop und Wegener waren in Duisburg im Frauen-Vierer sowie im Mixed-Achter eingesetzt worden, der dort Sechster geworden war. In Kruszwica gelang ihnen nun gemeinsam mit Werner der Sprung auf das EM-Podium.
Zweite Medaille für Ilsemann: Bronze im Mixed-Doppelzweier
Im als Zeitlauf ausgetragenen Mixed-Doppelzweier gewannen Jesse Ilsemann (Ruder-Gesellschaft „Hansa“) und Anna Schiefer (Deutscher Ruder-Club von 1884) die Bronzemedaille. Das deutsche Duo benötigte 7:13,94 Minuten und lag damit 1,01 Sekunden vor Griechenland.
Gold ging an Rumänien in 6:59,34 Minuten, Silber an Italien in 7:11,50 Minuten. Für Ilsemann bedeutete Bronze nach Silber im Männer-Doppelzweier die zweite Medaille des Tages. Auch für Schiefer war es der zweite Finaleinsatz: Sie hatte zuvor bereits im Frauen-Doppelzweier gerudert.
Damit stellte der DRV wie schon bei der U23-WM ein Bronze-Boot in dieser Disziplin – diesmal mit einer anderen Besetzung.
Mixed-Achter verpasst das Podium um 2,27 Sekunden
Den deutschen Abschluss bildete der ebenfalls als Time-Trial ausgetragene Mixed-Achter. Helena Wegener (Ruderklub am Wannsee), Raphaela Werner (Mainzer Ruder-Verein von 1878), Julius Watzka (Stuttgart Cannstatter Ruderclub von 1910), Moritz Bitz (Marbacher Ruderverein von 1920), Carl Sgonina (Dresdner Ruder-Club 1902), Justus Beckmann (Ruderverein Bochum von 1920), Florentina Riffel und Michelle Lebahn (beide Ruder-Club Potsdam) sowie Steuerfrau Magdalena Hallay (Ruderclub Germania Düsseldorf 1904) belegten in 6:20,84 Minuten Rang vier.
Auf die Bronzemedaille, die Italien gewann, fehlten 2,27 Sekunden. Rumänien siegte vor Tschechien. Österreich und die Ukraine folgten hinter Deutschland. Für sämtliche Mitglieder der deutschen Crew war es nach ihren Einsätzen in den anderen Bootsklassen noch einmal eine zusätzliche Belastung zum Ende eines anspruchsvollen Regattawochenendes.
Frauen-Zweier auf Rang vier, Britten wird Fünfter
Florentina Riffel und Michelle Lebahn (beide Ruder-Club Potsdam) beendeten das Finale im Frauen-Zweier ohne Steuerfrau in 8:15,45 Minuten auf dem vierten Platz. Rumänien gewann vor Litauen und Frankreich. Die beiden Deutschen behaupteten sich mit 0,59 Sekunden Vorsprung vor Italien, auf Bronze fehlten 10,96 Sekunden.
Luca Britten (Saarbrücker Rudergesellschaft Undine) belegte im Leichtgewichts-Männer-Einer in 7:47,10 Minuten den fünften Platz. Der Titel ging an Italien vor Polen und Lettland. Britten, der bei der U23-WM Achter geworden war, erreichte in Kruszwica das A-Finale und schloss die EM unter den besten fünf ab. Sein Rückstand auf Bronze betrug 3,99 Sekunden.
Frauen-Achter beendet die EM als Fünfter
Der Frauen-Achter mit Lene Holkenbrink (Ruder-Club Allemannia von 1866), Leonie Ristow (Ruder-Club Potsdam), Melisa Mujic (Ruderverein Wandsbek), Julina Kalinowski (Preetzer Ruder Club), Tabea Wittenburg (Landesruderverband Mecklenburg-Vorpommern von 1990), Emma Sander (Schweriner Rudergesellschaft von 1874/75), Gesa Junge und Aenne zum Felde (beide Ruder-Gesellschaft „Hansa“) sowie Steuerfrau Magdalena Hallay (Ruderclub Germania Düsseldorf 1904) belegte in 7:09,26 Minuten den fünften Platz.
Rumänien gewann vor Italien und dem unter neutraler Flagge startenden Boot. Polen wurde Vierter, Irland Sechster. Die deutsche EM-Mannschaft war gegenüber dem Bronze-Achter der U23-WM vollständig neu besetzt.
Sechste Plätze für Männer-Vierer und Frauen-Doppelzweier
Im Männer-Vierer ohne Steuermann kamen Collin Liebe (Bessel-Ruder-Club), Moritz Bitz (Marbacher Ruderverein von 1920), Julius Watzka (Stuttgart Cannstatter Ruderclub von 1910) und David Kalle (Ruderclub Westfalen Herdecke 1929) in 6:48,28 Minuten auf den sechsten Platz. Rumänien gewann das Finale vor Dänemark und Gastgeber Polen.
Auch Hannah Frenkler (Ruder-Club Tegel 1886) und Anna Schiefer (Deutscher Ruder-Club von 1884) belegten im Frauen-Doppelzweier Rang sechs. Ihre Zeit betrug 8:03,39 Minuten. Tschechien sicherte sich Gold vor Litauen und Estland. Für Schiefer folgte später mit Bronze im Mixed-Doppelzweier noch ein erfolgreicher Abschluss.
Von Hobe-Gelting gewinnt das B-Finale
Pauline von Hobe-Gelting (Rudervereinigung Kappeln im Turn- und Sportverein Kappeln von 1876) gewann das B-Finale im Frauen-Einer in 8:41,31 Minuten und beendete die Europameisterschaften damit auf Gesamtrang sieben. Sie setzte sich mit 8,42 Sekunden Vorsprung gegen ihre Gegnerin aus Moldau durch. Am Samstag hatte sie die direkte A-Finalqualifikation als Vorlaufdritte um lediglich sieben Hundertstelsekunden verpasst.
Mads Schmied (Ruder-Club Potsdam) wurde im B-Finale des Männer-Einers in 7:38,43 Minuten Zweiter hinter Italien und damit Achter der Gesamtwertung. Auf den Sieg im B-Finale fehlten dem WM-Silbermedaillengewinner aus dem Doppelvierer 1,58 Sekunden.
Ebenfalls Gesamtrang acht erreichten Justus Beckmann (Ruderverein Bochum von 1920) und Carl Sgonina (Dresdner Ruder-Club 1902) im Männer-Zweier ohne Steuermann. Sie wurden in 7:13,08 Minuten Zweite des B-Finals hinter der Türkei und vor Litauen.
Der Männer-Doppelvierer mit Max Laurens Thiele (Wassersportverein Godesberg 1909/11), Felix Krones (Universitätssportverein TU Dresden, Abteilung Rudern), Lucas Haaser (Laubegaster Ruderverein Dresden) und Noel Jaschke (Ruderverein Rauxel von 1922) belegte in 6:28,81 Minuten den dritten Platz im B-Finale und damit Gesamtrang neun. In einer engen Entscheidung fehlten nur 1,35 Sekunden auf das siegreiche litauische Boot; die Ukraine wurde Zweite.