05. Sep 2026 | Nationalmannschaft | von Deutscher Ruderverband

Turbulenter EM-Auftakt in Kruszwica: Zehn deutsche Boote rudern in die Medaillenfinals

Turbulenter EM-Auftakt in Kruszwica: Zehn deutsche Boote in den Medaillenfinals (Foto: Meinruderbild.de)
Naveen Shah (Ruderverein Kurhessen-Cassel) und Maximilian Rühling (Mainzer Ruder-Verein von 1878) ließen sich von den Bedingungen nicht aus der Ruhe bringen. (Foto: Meinruderbild.de)
Turbulenter EM-Auftakt in Kruszwica: Zehn deutsche Boote in den Medaillenfinals (Foto: Meinruderbild.de)
Für Mads Schmied (Ruder-Club Potsdam) endete der Samstag im Männer-Einer mit Rang vier im Halbfinale, nachdem er extrem lange auf dem Wasser sein musste. (Foto: Meinruderbild.de)
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Eine klemmende Startbrücke, Zeitläufe, stark wechselnde Winde und ein veränderter Ablauf: Der erste Wettkampftag der U23-Europameisterschaften im polnischen Kruszwica verlangte den Mannschaften und Betreuern einiges an Flexibilität ab. Inmitten einer charmanten und freundlichen Regattaatmosphäre musste sich auch das deutsche Team immer wieder auf neue Bedingungen einstellen. Sportlich steht nach dem Samstag eine erfreuliche Bilanz: Zehn der 14 deutschen Boote mit Vorrennen sind in den Medaillenfinals vertreten, vier Mannschaften treten in den B-Finals an. Dazu kommen noch die beiden Mixed-Boote, denn Jesse Ilsemann und Anna Schiefer im Mixed-Doppelzweier und Helena Wegener, Raphaela Werner, Julius Watzka, Moritz Bitz, Carl Sgonina, Justus Beckmann, Florentina Riffel, Michelle Lebahn sowie Steuerfrau Magdalena Hallay im Mixed-Achter schließen die Regatta am morgigen Sonntag ab. 


U23-Bundestrainer Dirk Brockmann: "Es ist wirklich ein schwerer Tag gewesen und die Zeiten und Leistungen sind sehr schwer einzuschätzen. Es waren sehr wechselnde Winde und Böen, dann war es wieder moderat. Gerade im Männer-Einer hatte ich den Eindruck, dass die Bedingungen sich ständig geändert haben. Zum einen haben die wechselnden Bedingungen Einfluss gehabt, dann aber auch die ungleichmäßigen Zeitabstände selbst in den Time Trials. Teilweise waren die Athletinnen und Athleten sehr lange auf dem Wasser, weil die Vorgehensweise unklar war. Mit den Leistungen und Finalplätzen bin ich zufrieden." 

Die Probleme mit der Startbrücke prägten vor allem die Vormittagssession. Bis auf die ersten Läufe wurden die Vorläufe im Time-Trial-Modus ausgetragen. Statt im direkten Vergleich nebeneinander ging es für die Mannschaften damit gegen die Uhr. Auch die auf den Nachmittag verlegten Vorläufe im Männer-Zweier ohne Steuermann fanden als Zeitläufe statt. Bei den anschließenden Halbfinals im Männer-Einer und Männer-Doppelzweier kehrte die Regatta wieder zum normalen Rennmodus zurück.

Für die Aktiven bedeutete das einen anspruchsvollen Wechsel zwischen unterschiedlichen Rennsituationen. Die freundliche Atmosphäre vor Ort blieb dennoch ein prägender Eindruck dieses Auftakttages: Kruszwica zeigte sich als sympathischer Gastgeber, auch wenn die organisatorischen und sportlichen Bedingungen herausfordernd waren.
 

Weltmeisterboote gewinnen ihre Vorläufe 

Nathalie Sendjuk (Ruderklub am Wannsee) bestätigte im Leichtgewichts-Frauen-Einer ihre Ambitionen. Die U23-Weltmeisterin von Duisburg gewann das Bahnverteilungsrennen in 8:31,06 Minuten vor Italien und der unter neutraler Flagge startenden Athletin. Ihr Vorsprung auf die Italienerin betrug 3,13 Sekunden. Damit geht Sendjuk mit einem erfolgreichen ersten Auftritt in das Finale.

Auch Naveen Shah (Ruderverein Kurhessen-Cassel) und Maximilian Rühling (Mainzer Ruder-Verein von 1878) setzten ihre erfolgreiche Saison fort. Die amtierenden U23-Weltmeister im Leichtgewichts-Männer-Doppelzweier belegten in 7:01,44 Minuten den ersten Platz vor Italien und Polen. Das italienische Boot lag 5,15 Sekunden zurück. Alle drei Mannschaften waren bereits für das Finale qualifiziert.

Im Leichtgewichts-Frauen-Doppelzweier wurden Jette Lisdat (Hannoverscher Ruder-Club von 1880) und Melina Reinke (Neusser Ruderverein) in 7:43,17 Minuten Zweite hinter Griechenland. Italien und die Ukraine folgten auf den weiteren Plätzen. Reinke, die bei der U23-WM gemeinsam mit Charlotte Bergmann Bronze gewonnen hatte, liegt damit auch in der neuen Kombination vor dem Finale auf einem Podiumsplatz.

Luca Britten (Saarbrücker Rudergesellschaft Undine) sicherte sich im Leichtgewichts-Männer-Einer ebenfalls den Einzug in das A-Finale. In 7:45,47 Minuten wurde der WM-Achte Zweiter seines Vorlaufs. Nur 0,86 Sekunden fehlten auf den erstplatzierten Letten.


Rastetter und Ilsemann meistern beide Runden

Zwei erfolgreiche Rennen absolvierte der Männer-Doppelzweier mit Jakob Rastetter (Hanauer Ruderclub Hassia) und Jesse Ilsemann (Ruder-Gesellschaft „Hansa“). Am Vormittag gewann das Duo seinen Vorlauf in 6:54,39 Minuten vor Tschechien und Bulgarien. Im Halbfinale am Nachmittag, wieder im direkten Vergleich ausgetragen, folgte in 6:46,32 Minuten Rang zwei hinter Frankreich und vor der Türkei. Damit war der Einzug in das A-Finale gesichert.

Die neue Kombination bringt unterschiedliche WM-Erfahrungen zusammen: Rastetter gewann in Duisburg Silber im Männer-Doppelvierer, Ilsemann wurde im Einer Fünfter. In Kruszwica haben sich beide nun gemeinsam die Chance auf eine EM-Medaille erarbeitet.

Auch Hannah Frenkler (Ruder-Club Tegel 1886) und Anna Schiefer (Deutscher Ruder-Club von 1884) stehen im A-Finale. Der Frauen-Doppelzweier belegte in seinem Vorlauf in 7:56,86 Minuten den zweiten Platz hinter Estland und vor Gastgeber Polen.


Zweier, Vierer und Achter der Frauen im Finale

Florentina Riffel und Michelle Lebahn (beide Ruder-Club Potsdam) erreichten im Frauen-Zweier ohne Steuerfrau in 8:12,41 Minuten den zweiten Platz ihres Vorlaufs hinter Litauen und vor der Ukraine. Damit qualifizierten sie sich für das A-Finale. Riffel, die bei der Heim-WM Bronze im Frauen-Achter gewonnen hatte, kann nun im Zweier um eine weitere internationale Medaille kämpfen.

Der Frauen-Vierer ohne Steuerfrau mit Tabea Koop (Ruderclub Rapid Berlin), Sara Grauer (Ruderverein Münster von 1882), Raphaela Werner (Mainzer Ruder-Verein von 1878) und Helena Wegener (Ruderklub am Wannsee) belegte im Bahnverteilungsrennen in 7:46,21 Minuten Rang drei. Rumänien gewann vor Österreich, hinter Deutschland folgten Tschechien und Ungarn. Alle fünf Mannschaften stehen im Finale. Grauer bringt WM-Bronze aus dem Frauen-Achter mit; Koop und Wegener waren in Duisburg im Frauen-Vierer und im sechstplatzierten Mixed-Achter im Einsatz.

Mit Platz zwei im Vorlauf löste auch der Frauen-Achter sein Finalticket. Lene Holkenbrink (Ruder-Club Allemannia von 1866), Leonie Ristow (Ruder-Club Potsdam), Melisa Mujic (Ruderverein Wandsbek), Julina Kalinowski (Preetzer Ruder Club), Tabea Wittenburg (Landesruderverband Mecklenburg-Vorpommern von 1990), Emma Sander (Schweriner Rudergesellschaft von 1874/75), Gesa Junge und Aenne zum Felde (beide Ruder-Gesellschaft „Hansa“) sowie Steuerfrau Magdalena Hallay (Ruderclub Germania Düsseldorf 1904) kamen nach 6:51,31 Minuten ins Ziel.

Vor dem deutschen Boot lag Rumänien, dahinter folgten Polen und Spanien. Die gegenüber dem WM-Bronzeboot vollständig veränderte Mannschaft hat damit die erste Hürde genommen.


Männer-Vierer erreicht das A-Finale

Im Männer-Vierer ohne Steuermann qualifizierten sich Collin Liebe (Bessel-Ruder-Club), Moritz Bitz (Marbacher Ruderverein von 1920), Julius Watzka (Stuttgart Cannstatter Ruderclub von 1910) und David Kalle (Ruderclub Westfalen Herdecke 1929) ebenfalls für das Medaillenrennen. Das Quartett wurde in 6:42,52 Minuten Zweiter seines Vorlaufs hinter Polen. Italien und Kroatien belegten die weiteren Plätze.


Vier deutsche Boote in den B-Finals

Für Mads Schmied (Ruder-Club Potsdam) endete der Samstag im Männer-Einer mit Rang vier im Halbfinale. Nach Platz drei im Vorlauf und dem Weiterkommen über die Zeit erreichte er am Nachmittag in 7:24,83 Minuten das Ziel. Auf den dritten und letzten A-Finalplatz, den Litauen belegte, fehlten 3,55 Sekunden. Der U23-Vizeweltmeister aus dem Doppelvierer startet damit am Sonntag im B-Finale.

Besonders knapp fiel die Entscheidung im Vorlauf des Frauen-Einers aus. Pauline von Hobe-Gelting (Rudervereinigung Kappeln im Turn- und Sportverein Kappeln von 1876) wurde in 8:39,37 Minuten Dritte. Lediglich sieben Hundertstelsekunden trennten sie von der zweitplatzierten Italienerin und damit der direkten Finalqualifikation. Auch über die Zeit reichte es für die WM-Vierte aus dem Doppelvierer nicht zum A-Finale.

Justus Beckmann (Ruderverein Bochum von 1920) und Carl Sgonina (Dresdner Ruder-Club 1902) mussten im Männer-Zweier ohne Steuermann bis zum Nachmittag auf ihren Einsatz warten. Im Zeitlauf belegten sie in 7:08,93 Minuten den vierten Platz ihrer Vorlaufgruppe hinter Rumänien, Belgien und Polen. Für den Einzug in das A-Finale über die Zeit fehlten 1,56 Sekunden.

Auch der Männer-Doppelvierer mit Max Laurens Thiele (Wassersportverein Godesberg 1909/11), Felix Krones (Universitätssportverein TU Dresden, Abteilung Rudern), Lucas Haaser (Laubegaster Ruderverein Dresden) und Noel Jaschke (Ruderverein Rauxel von 1922) tritt im B-Finale an. Das Quartett wurde in 6:23,86 Minuten Vierter seines Vorlaufs. Auf den letzten über die Zeit vergebenen A-Finalplatz fehlten 1,02 Sekunden.

Am Sonntag stehen damit für zehn deutsche Mannschaften die Medaillenentscheidungen an. Die beiden siegreichen Weltmeisterboote haben ihre Ambitionen unterstrichen, der Männer-Doppelzweier überzeugte in zwei unterschiedlichen Rennformaten. Nach einem Samstag, der Geduld und Anpassungsfähigkeit verlangte, richtet sich der Blick nun auf die entscheidenden Rennen des EM-Wochenendes.


 

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