28. Febr. 2026 | Nationalmannschaft | von Hans Strauss

U23-Trainingslager in Spanien: Trotz kleiner Tücken guter Start in den Neuaufbau

Halbzeit-Ziel beim Ruder-Marathon der beiden U23-Doppelvierer: der Kirchturm eines im Ebro-Stausee untergegangenen Dorfes. Foto: DRV/Dirk Brockmann
Trainieren in imposanter Landschaft: der Ebro-Stausee in der spanischen Provinz Aragonien. Foto: DRV/Dirk Brockmann
Achter-Fahren will geübt sein: Beim U23-Trainingslager in Spanien war dafür reichlich Gelegenheit. Foto: DRV/Dirk Brockmann
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Der aufgestaute Ebro in der spanischen Provinz Saragossa ist ein beliebtes Wassersportrevier. Aber auch eines mit kleinen Tücken. Wenn der Staudamm abgelassen werden muss, um Platz für neuen Zustrom aus dem Gebirge zu schaffen, dann kann man als Ruderer schon mal buchstäblich auf dem Trockenen sitzen. Vor zwei Jahren ist das einer U23-Nationalmannschaft, die regelmäßig zum Frühjahrstrainingslager in das Dorf Mequinenza kommt, schon einmal passiert.

Auch in diesem Jahr hatte das vom 14. bis zum 27. Februar angereiste DRV-Aufgebot mehrfach mit einem niedrigen Pegelstand zu leben, nicht ruderbar war der Stausee aber nur einmal – und das war am freien Nachmittag. „Der Wasserstand hat die Qualität des Trainingslagers nicht beeinträchtigt. Es war im Rahmen, das passiert mal. An möglichen anderen Standorten hätten wir vielleicht schlechtere Temperaturen gehabt“, sagte U23-Bundestrainer Dirk Brockmann.

Eher ein Problem als das Niedrigwasser waren der starke Wind zu Beginn der knapp zwei Wochen und zwei Mal starker Nebel auf dem Fluss, was ein Umstellen der Trainingseinheiten erforderte. Der von Brockmann als gut erlebten Stimmung tat das keinen Abbruch. „Viele Sportlerinnen und Sportler waren froh, nach dem strengen Winter mit Eisbildung in Norddeutschland wieder rudern gehen zu können“, sagte er.

In den vier Disziplinbereichen wurden in Spanien unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt. Im Frauen Riemen wurden Formationen im Vierer ohne ausprobiert. „Wir haben viel getauscht, die Qualität der Boote hat sich im Laufe der Tage verbessert“, sagte Brockmann. Auch Achter wurde in verschiedenen Formationen gefahren. Im Frauen Skull konnten nur fünf Sportlerinnen dabei sein, es wurde viel Doppelzweier gefahren und über unterschiedliche Kombinationen gab es Erkenntnisse.

Personell am stärksten besetzt war der Bereich Männer Riemen. Hier lag der Schwerpunkt auf dem Achter-Fahren: Zunächst jeder mit jedem, dann für die letzten drei Tage die vermutlich stärkste Besetzung. 

Ruder-Marathon: Einmal zum Kirchturm und zurück

Im Männer Skull sollte der erkrankte Lukas Haaser eigentlich nachreisen. Das klappte nicht und erst mit dem nachnominierten Nick Sommerfeld waren es wieder acht Ruderer, die das Training absolvieren konnten. Da Tom Olbrich zudem einige Tage ausfiel, wurde mehr Doppelzweier gefahren als geplant. Der Schwerpunkt lag dennoch auf dem Doppelvierer, auch wenn nur ein Boot mit vielen Kilometern das Ideal des polarisierten Trainings umsetzen konnte. Beide Doppelvierer versuchten sich dann noch erfolgreich an der olympischen Marathon-Distanz von 42,195 Kilometern. Der aus dem Wasser ragende Kirchturm eines durch die Aufstauung untergegangenen Dorfes war dabei das lohnende Ziel, dann ging es die gleiche Distanz wieder zurück.       

Gefahren wurden auch zwei  Belastungen – eine längere, eine kürzere. Beide hätten gut funktioniert, sagte Brockmann. „Für die Männer-Riemer war es das erste Mal, es hat allen auch Spaß gemacht.“ Mal abschalten konnten alle bei der Bus-Tour nach Saragossa, mit 700 000 Einwohnern eine der größten Städte in Spanien.

Nächster Termin für den Neuaufbau der U23-Nationalmannschaft ist die Kaderüberprüfung am 28. und 29. März 2026 in Leipzig, dann mit einem größeren Teilnehmerkreis als in Mequinenza. 

Für das Trainingslager nominiert waren, Frauen Riemen (Trainerin Catriona Sens): Sara Grauer (RV Münster), Lene Holkenbrink (RC Allemannia), Gesa Junge, Aenne zum Felde (beide RG Hansa), Tabea Koop (RC Rapid Berlin), Alina Krüger (RV Kappeln), Florentina Riffel, Leonie Ristow (beide RC Potsdam), Emma Sander (Schweriner RG), Raphaela Werner (Mainzer RV).

Frauen Skull (Trainer Ralf Hollmann): Frederike Patorra (RV Wolgast), Anna Schiefer (Deutscher RC), Tjorven Stina Schneider (RV Bochum), Julia Stöber (Kettwiger RG), Pauline von Hobe-Gelting (RV Kappeln), Ida Janssen (RC Nassovia Höchst).

Männer Riemen (Trainer Christian Viedt, Felix Drahotta): Justus Beckmann (RV Bochum), Moritz Bitz (Marbacher RV), Leo Fischer (Bremer SC), Maximilian Gillmann, Ben Tazir (beide RC Favorite Hammonia), Max Göde (Schweriner RG), Leon Gronbach (RG Speyer), Julius Kalm (TV Essen-Kupferdreh), David Kalle (RC Herdecke), Leon Lenk (RC Potsdam), Franz Rudolph, Carl Sgonina (beide Dresdner RC), Julius Schüller (AR Leipzig), Lars Trampert (Karlsruher RV Wiking), Julius Watzka (Cannstatter RC Stuttgart), Lino Zastrow (USV TU Dresden), Mia Wegele (Steuerfrau, Crefelder RC).

Männer Skull (Trainer Tim Schönberg): Jonathan Ebel (Hannoverscher RC), Jakob Geyer, Yannik Sens (beide Berliner RC, Jesse Ilsemann (RG Hansa), Noel Jaschka (RV Rauxel), Tom Olbrich (Dresdner RV), Jakob Rastetter (Hanauer RC), Nick Sommerfeld (RV im TSV Kappeln).