23. Jan. 2026 | Nationalmannschaft | von Deutscher Ruderverband

Von Gold auf dem Wasser zur Medaillenjagd im Schnee

Kathrin Marchand bei ihrem Wintersport-Auftritt (Foto Juliane Möcklinghoff)
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Mit dem Weltmeistertitel im PR3 Mixed-Doppelzweier und der Bronzemedaille im PR3 Mixed-Vierer bei der Weltmeisterschaft 2025 sowie der Nominierung als Para Crew of the Year bei den World Rowing Awards 2025 hat Kathrin Marchand nicht nur in 2025 bewiesen, dass sie auf der größten internationalen Bühne liefern kann. Gemeinsam mit Valentin Luz zählt sie zu den prägenden Athletinnen und Athleten des deutschen Para-Rudersports.

Nun richtet Marchand ihren Blick auf ein neues Terrain – und auf ein klares Ziel: eine Medaille bei den Paralympischen Winterspielen.

Der Schritt vom Boot in die Loipe ist alles andere als selbstverständlich. Doch Marchands außergewöhnliche körperliche Voraussetzungen, ihre mentale Robustheit und ihr internationaler Wettkampfinstinkt sind sportartübergreifend. Genau diese Mischung will sie im Para-Langlauf zur Entfaltung bringen – auch wenn der Weg dorthin bewusst herausfordernd gewählt ist.

Überraschungscoup in der ungeliebten Technik
Am vergangenen Wochenende setzte Marchand ein erstes Ausrufezeichen. Beim Heim-Weltcup in Finsterau lief sie über zehn Kilometer überraschend auf Rang vier und unterbot damit die geforderte Qualifikationsnorm für die Paralympics. Bemerkenswert: Der Erfolg gelang ausgerechnet in der Skating-Technik, die nicht als ihre bevorzugte Disziplin gilt. Marchand selbst ordnete die Leistung realistisch, aber selbstbewusst ein: „Das letzte Wochenende lief wirklich sehr gut, denn der vierte Platz im Skating war schon auch für mich überraschend – vor dem Hintergrund, dass nur eine Sportlerin aus Kanada aus der absoluten Weltspitze gefehlt hat. Wie geil wäre es, bei den Spielen um eine Medaille zu kämpfen!“

Der eigentliche Fokus lag auf dem Klassik-Sprint, da holte sie auch eine starken vierten Platz und im Vorrennen sogar Rang 2. Kathrin wird sich in den kommenden Wochen auf den Sprint konzentrieren und vor allem im Bereich der Abfahrt einen Schwerpunkt setzen. Ob sie im Skating an den Start geht, wird erst kurzfristig entschieden. Der Auftritt zeigt eindrucksvoll, wie viel Substanz in ihrem Winterprojekt steckt. Die Zeit von 31:03,5 Minuten reichte nicht nur für die Norm, sondern sendete ein klares Signal an Konkurrenz und Beobachter: Kathrin Marchand ist im Wintersport angekommen.

Sechs Wochen für den Feinschliff
Jetzt beginnt die entscheidende Phase. Die kommenden sechs Wochen sollen maximal genutzt werden – technisch, taktisch und physisch. Im Fokus stehen die weitere Effizienzsteigerung in der Skating-Technik, eine präzisere Renneinteilung sowie der gezielte Aufbau von Wettkampfhärte.
Das Ziel ist klar umrissen: In Cortina d’ Ampezzo will Marchand nicht nur teilnehmen, sondern um Edelmetall mitlaufen.

Mehr als ein Sportartenwechsel
Für die gebürtige Kölnerin wäre es ein weiterer Meilenstein in einer außergewöhnlichen Karriere. Nach Olympiateilnahmen 2012 und 2016, einem denkbar knappen vierten Platz bei den Paralympics 2024 in Paris, dem Weltmeistertitel im PR3 Mixed-Doppelzweier, WM-Bronze im Mixed-Vierer 2025 sowie der internationalen Würdigung durch die World-Rowing-Award-Nominierung könnte mit den Winterspielen ein weiteres Kapitel hinzukommen – diesmal im Schnee.

Kathrin Marchand steht exemplarisch für einen neuen Typ Spitzensportlerin: vielseitig, lernfähig, kompromisslos leistungsorientiert. Ihr Weg vom Weltmeistertitel im Boot zur Medaillenambition auf der Loipe in wenigen Wochen ist kein Experiment, sondern ein konsequent verfolgtes Projekt. Die Norm ist geschafft. Jetzt zählt jeder Trainingstag. Sie hat nun gute Chancen, am 12. Februar für die deutsche Para-Mannschaft nominiert zu werden.