Weichenstellung für die Zukunft: Fachressort Wettkampf tagt am Baldeneysee
Mit einem klaren Blick auf die Zukunft des Rudersports in Deutschland hat sich das Fachressort Wettkampf des Deutschen Ruderverbandes (DRV) im Januar zu seiner ersten Präsenzsitzung im Essener Regattahaus am Baldeneysee getroffen. Das nach dem Rudertag in Halle neuformierte Fachressort nutzte die eineinhalb Tage intensiver Beratung, um zentrale Themen der kommenden Amtszeit zu strukturieren – von der Ausbildung der Wettkampfrichterinnen und Wettkampfrichter bis zur Weiterentwicklung der nationalen Regattalandschaft.
Moderner, transparenter, praxisnäher: Zukunft der Wettkampfrichter-Ausbildung
Einen breiten Raum nahm die Diskussion über die Ausbildung der nationalen WKRs ein. Das Ressort verfolgt ambitionierte Ziele: Zentrale Lernmaterialien, ein klarer Ausbildungsprozess und eine praxisnahe Prüfung sollen die Qualität und Einheitlichkeit der Ausbildung nachhaltig verbessern. Besonders die theoretische Prüfung soll künftig stärker an realen Regatta-Szenarien ausgerichtet sein. Auch neue Wettkampfformen wie die aufstrebende olympische Disziplin Coastal Rowing oder auch das Jungen- und Mädchen-Rudern werden in die Prüfungsinhalte integriert. Für bereits lizenzierte Wettkampfrichterinnen und Wettkampfrichter plant das Ressort eine Weiterentwicklung des Fortbildungssystems: Kürzere, modulare Online-Formate sollen eine flexible und kontinuierliche Weiterbildung ermöglichen – ein nächster Schritt nach der pandemiebedingten Überführung der klassischen WKR-Fortbildungen zu digitalen Schulungen. Für die deutschen World Rowing Umpires strebt das Ressort zudem klarere und transparentere Kriterien für die Nominierung zu World-Rowing- und European-Rowing-Jurys an.
Regatten in Deutschland: Stärkung, Struktur und neue Formate
Auch die zukünftige Gestaltung der DRV-Regatten stand im Fokus. Das Ressort möchte objektive Kriterien für die Vergabe von den DRV-Juniorenregatten bis hin zu den verschiedenen Deutschen Meisterschaften entwickeln. Ziel ist ein transparentes Verfahren, das ausrichtenden Vereinen verlässliche Leitlinien an die Hand gibt. Darüber hinaus soll die Wettkampflandschaft weiter diversifiziert werden. Diskutiert wurden unter anderem:
- die Stärkung der Ruder-Bundesliga
- Unterstützung interessierter Vereine bei der Ausrichtung von Coastal-Regatten
- die Planung einer virtuellen Ergometer-Regatta im Winter 2026/27
Der DRV möchte damit auf die wachsende Vielfalt der Mitglieder eingehen und für alle ein breites Angebot an Wettkampfformen schaffen.
Regelwerke im Fokus – vom klassischen Rennrudern bis zum Coastal Rowing
Auch die Ruderwettkampf-Regeln stehen vor einer Weiterentwicklung. Neben potenziellen Regeländerungen und einer möglichen Neustrukturierung im klassischen Bereich soll ebenfalls das nationale Coastal-Regelwerk in enger Kooperation mit Coastal-Bundestrainer Adrian Bretting überarbeitet werden. Ziel ist eine stärkere Annäherung an die internationalen Standards von World Rowing. Zusätzlich plant das Ressort neue Maßnahmen zur Wissensvermittlung: kompakte Regelübersichten sowie praxisnahe Regelkunde-Seminare sollen Trainerinnen, Trainern, Athletinnen und Athleten mehr Sicherheit im Umgang mit dem Regelwerk geben.
„Die eigentliche Arbeit beginnt jetzt"
Nach intensiven Diskussionen über vielseitige Themen zeigte sich Ressortvorsitzender Tobias Weysters zufrieden mit dem Auftakt: „Wir haben an diesem Wochenende die Grundlage für die weitere Ressortarbeit gelegt und dabei das breite Spektrum des Wettkampfwesens diskutiert. Aber die eigentliche Arbeit fängt nun an, wenn wir in Kleingruppen die verschiedenen Themen weiter ausarbeiten." In den kommenden Monaten sollen insbesondere die Regionalbeauftragten noch stärker eingebunden werden. Sie spielen bisher primär eine zentrale Rolle in der Aus- und Fortbildung der Wettkampfrichterinnen und Wettkampfrichter in den DRV-Regionen. Der nächste gemeinsame Schritt ist bereits geplant: Ende März treffen sich die Regionalbeauftragten mit Vertreterinnen und Vertretern des Fachressorts in Hannover, um die Zusammenarbeit weiter zu vertiefen. Bei der kommenden Herbst-Sitzung werden die ersten Ergebnisse erhofft, um anschließend im Winter die regatta-freie Zeit intensiv nutzen zu können und die ersten Verbesserungen bereits zur Saison 2027 einzuführen.