Nationalteam hofft auf guten Auftritt beim Weltcup in Luzern
Die Ruder-Saison tritt in ihre heiße Phase. Der dritte und letzte Weltcup des Jahres am Wochenende (26. bis 28. Juni 2026) in Luzern bietet die beste Gelegenheit, sich für die Weltmeisterschaft Ende August in Amsterdam ins Schaufenster zu stellen. Das gilt auch für die deutsche Nationalmannschaft, die mit dem Sieg in der Nationenwertung beim ersten Weltcup Anfang Mai in Sevilla einen Überraschungscoup gelandet hatte. Dafür sorgten vier Goldmedaillen durch einen souveränen Oliver Zeidler im Einer, zwei überzeugende Doppelvierer und den Mixed-Doppelzweier.
Den zweiten Weltcup in Plovdiv hatte der DRV wie andere Nationen auch ausgelassen, dort räumten die USA gewaltig ab. Das Meldeergebnis für den Rotsee, auf dem 2027 auch die Weltmeisterschaft ausgetragen wird, ist mit 270 Booten aus 42 Nationen gewohnt beeindruckend. Dennoch ist nicht die komplette Weltspitze in die Schweiz gereist: Neuseeland ist nicht am Start, Rumänien und Italien schicken jeweils nur ein Boot.
Australien, das in Sevilla nur mit dem Männer-Team vertreten war, bringt alleine 21 Boote an den Start. China ist mit 19 Mannschaften vertreten. 16 Boote schickt der DRV ins Rennen, eines weniger als geplant: Eine erneute Verletzung von Jasmina Bier macht ihren Start zusammen mit Paul Umbach im Para-Mixed-Doppelzweier PR2 unmöglich.
„Ich hoffe das wir an die guten Leistungen von Sevilla anknüpfen können, vor allem im Frauen- und Männer-Skullbereich. In den Riemenbootsklassen möchten wir vor allem die erkennbaren Fortschritte im Training in den Rennen umsetzen, um die angestrebten Ziele zu erreichen. Bei den Paras ist es sehr schade, dass wir den PR2-Mixed-Doppelzweier verletzungsbedingt abmelden müssen. Mit dem PR3-Mixed-Doppelzweier und dem PR1-Einer haben wir allerdings noch Weltklasse-Boote am Start“, sagt Cheftrainer Marcus Schwarzrock.
Männer Skull
Olympiasieger Oliver Zeidler (Frankfurter RG Germania) will auch auf dem Rotsee, seiner erklärten Lieblingsstrecke, erfolgreich sein. Drei Mal hat der letztjährige WM-Zweite dort schon gewonnen. Von seinen drei größten Rivalen in diesem Jahr kommen zwei aus den Niederlanden: Simon van Dorp und Melvin Twellaar waren zuletzt im Doppelzweier erfolgreich, in Luzern steigen sie in die Einer. Auch der Olympia-Zweite Yauheni Zalaty (Individuelle neutrale Athleten) ist ein alter Bekannter für Zeidler, der nach Luzern auch wieder die Henley Regatta fahren wird. Ersatzfahrer Oliver Holtz (Rostocker RC), vergangenes Jahr noch WM-Zweiter der U23 im Einer, startet im zweiten DRV-Boot neben Zeidler.
Arno Gaus und Moritz Küpper (Bonner RG und RC Westfalen Herdecke) sind im Doppelzweier dieses Mal das einzige DRV-Boot. Von Rang neun in Sevilla würden sich die Beiden gerne noch etwas nach vorne schieben, aber in dieser Bootsklasse ist die Konkurrenz stets besonders hart. Tom Gränitz startete am letzten Wochenende alternativ bei der „Holland Beker“-Regatta in Amsterdam im Einer und wurde hinter dem Brasilianer Lucas Verthein Ferreira beachtlicher Zweiter.
Gespannt blickt die deutsche Ruderszene auf den Auftritt des neuen Männer-Doppelvierers, der mit seinem Sieg in Sevilla die Hoffnung schürte, endlich wieder an vergangene Erfolge in dieser Bootsklasse anknüpfen zu können. Marc Weber, Felix Heinrich, Jonas Gelsen und Ole Hohensee (Frankfurter RG Germania, RK Normannia Braunschweig, RC Nassovia Höchst und Stralsunder RC) zwangen im Mai mit brillanten letzten 500 Metern die Niederlande nieder. Die Aufgabe in Luzern wird auch sein, besser in die Rennen hereinzukommen und sich nicht nur auf das Finish und die enorm starke Physis zu verlassen.
Frauen Skull
Rang sechs im Frauen-Einer in Sevilla stellte Alexandra Föster (RC Meschede) nicht ganz zufrieden, auch wenn sie auf der kabbeligen Außenbahn keine guten Bedingungen hatte. Das Erreichen des A-Finales ist in Luzern aber durchaus eine ordentliche Aufgabe. Weltcup-Gesamtsiegerin Lauren Henry (Großbritannien), Olympiasiegerin Karolien Florijn (Niederlande), die in Sevilla an einem technischen Fehler früh scheiterte, und Weltmeisterin Fiona Murtagh (Irland) sind die Favoritinnen.
Der neue Frauen-Doppelzweier mit Lisa Gutfleisch und Sarah Wibberenz (Heidelberger RK und RC Havel Brandenburg) wurde in Sevilla nach einem sehr gutem Debüt Siebter. Das Erreichen des A-Finales würden Beide in Luzern gerne nachholen. Aber die Konkurrenz ist stark. So wurde der Doppelvierer der USA, der in Plovdiv in Rekordzeit siegte, dieses Mal auf zwei Doppelzweier verteilt.
Brillant war der Einstand des komplett neu aufgestellten Frauen-Doppelvierers in Sevilla. Maren Völz, Juliane Faralisch, Johanna Debus und Schlagfrau Frauke Hundeling (RC Potsdam, Frankfurter RG Germania, RV Hellas Offenbach und Deutscher RC Hannover) harmonierten bestens und bezwangen Großbritannien im Finale, es war der erste Sieg seit langer Zeit für den DRV in dieser Bootsklasse. Auf dem Rotsee wird die Konkurrenz jedoch wieder hart sein, und GB will Revanche. Leichtgewichts-Olympiasiegerin Imogen Grant sitzt bei den Britinnen nun am Schlag.
Männer Riemen
In den drei Riemen-Booten gibt es nur punktuelle, aber durchaus wichtige Veränderungen. Im Zweier ohne vertreten die aus Großbritannien einfliegenden Leonard Brahms und Frederik Breuer (RV Ems-Jade-Weser/Team Nord-West und Bonner RG) nach Rang acht in Sevilla erneut die deutschen Farben. Die Ersatzleute Max John und Hanno Brach (Olympischer RC Rostock und Giessener RG) bilden das zweite DRV-Boot.
In Sevilla war er wegen der Geburt seines Kindes nicht dabei, In Luzern fährt der Vierer ohne nun mit René Schmela und damit in der Originalbesetzung Mark Hinrichs, Schmela, Benedict Eggeling und Jasper Angl (Limburger ClfW, Berliner RC, RC Favorite Hammonia und RV Münster) steuern nach Rang acht im ersten Weltcup nun die Teilnahme am A-Finale an.
Auch der Deutschland-Achter vermeldet die Rückkehr zur Wunschbesetzung. Julius Christ ist wieder dabei. Für das Finale in Sevilla, das nach einem Einbruch auf der zweiten Streckenhälfte mit Rang vier endete, war er verletzt ausgefallen. Acht Boote sind am Start. Weltmeister Großbritannien und die Niederlande sind wieder die Favoriten, dazu kommen Australien, Polen, China, Indien und die Individuellen Neutralen Athleten als Gegner. Ein Platz auf dem Siegersteg dürfte das Ziel sein für Theis Hagemeister, Paul Klapperich, Mattes Schönherr, Olaf Roggensack, Tobias Strangemann, Tassilo von Müller, Julius Christ, Sönke Kruse und Steuermann Jonas Wiesen (Frankfurter RG Germania, Bonner RG, RC Potsdam, RC Tegel, RV Dorsten, RK am Baldeneysee, RTHC Bayer Leverkusen, RV Münster und RG Treis-Karden), wenn es gelingt, ökonomischer mit den Kräften umzugehen.
Frauen Riemen
Luise Bachmann und Tabea Schendekehl (RV Ingelheim und RC Hansa Dortmund), die in Sevilla wegen einer Erkrankung von Schendekehl kurzfristig nicht starten konnten, holen ihr internationales Debüt im Zweier ohne nun nach.
Der Vierer ohne wird in Luzern nicht dabei sein und soll seine Perspektive bei anderen Regatten zeigen. Zwei Mannschaften startete am vergangenen Wochenende beim „Holland Beker“ in Amsterdam. Liliy Freischem, Lisa Behrens, Lena Gresens und Paula Becher wurden dort Zweite. Für Leandra Hogrefe, Paula Gerundt, Ricarda Heuser und Chiara Saccomando blieb der fünfte Platz.
Im Frauen-Achter kommt es für Luzern zu zwei Umbesetzungen: die vom Studium in den USA zurückgekehrte Antonia Galland und Nora Peuser, die den Schlag übernimmt, kommen neu herein. Sie übernehmen die Plätze von Lena Gresens und Tabea Schendekehl, die sich auf den Zweier konzentrieren soll. In der neuen Besetzung hofft die Mannschaft auf eine bessere Performance als in Sevilla. Im Sieben-Boote-Feld sind Großbritannien, die Niederlande, die USA (Sieger in Plovdiv), China und Australien (Sieger in Sevilla), das auch noch ein Nachwuchsboot stellt, die Gegner für Paula Hartmann, Olivia Clotten, Antonia Galland, Tabea Kuhnert, Pia Greiten, Annabelle Bachmann, Hannah Reif, Nora Peuser und Florian Koch (Mainzer RV, Neusser RV, RC am Baldeneysee, SC Magdeburg, Osnabrücker RV, RV Ingelheim, Frankfurter RG Germania, RU Arkona Berlin und Donau-RC Ingolstadt).
Mixed-Doppelzweier
Sarah Wibberenz und Arno Gaus (RC Havel Brandenburg und Bonner RG) vertreten in der einzigen Mixed-Konkurrenz des olympischen Bereichs wieder die deutschen Farben. Die Konkurrenz dürfte mit zwei Booten aus den USA und einem aus Finnland stärker sein als beim Sieg in Sevilla.
Para
Nur mit zwei Booten kann das deutsche Para-Rudern in Luzern antreten. Der Mixed-Doppelzweier PR2 mit Jasmina Bier und Paul Umbach (RG Hansa Hamburg und RC Nürtingen) muss wegen einer erneuten Verletzung von Bier zurückgezogen werden. Da es nur eine Gegenmeldung gab, kann diese Konkurrenz am Rotsee damit nicht ausgetragen werden.
Alles in Butter ist dagegen beim Mixed-Doppelzweier PR3. Valentin Luz und Kathrin Marchand (Frankfurter RG Germania und RTHC Bayer Leverkusen) zeigten sich beim letzten Trainingslager in Ratzeburg in sehr guter Verfassung. Dass Luz von einem beruflichen Termin aus den USA direkt nach Zürich einfliegt, sollte das Leistungsvermögen des Weltmeister-Bootes nicht einschränken. Die Konkurrenz besteht aus fünf Booten.
Weiter an seinem Start gearbeitet hat Marcus Klemp (Olympischer RC Rostock), der im Männer-Einer PR1 im Vorlauf gleich hellwach sein muss. Unter den acht Männern, die ins A-Finale wollen, ist auch Paralympics-Sieger und Weltmeister Benjamin Pritchard (Großbritannien).
Der Zeitplan
Los geht es am Freitag in Luzern ab 9:05 Uhr mit den Vorläufen. Zudem stehen auch Viertelfinals im Männer-Einer und Männer-Doppelzweier auf dem Programm. Am Samstag geht es ab 9:05 Uhr mit kleinen Finals weiter. Ab 11:05 stehen die Halbfinals aller Bootsklassen an. Zum Abschluss am Sonntag geht es ab 9:05 Uhr mit den B-Finals los. Ab 11:05 Uhr stehen dann alle A-Finals an. Den Abschluss macht um 14:30 Uhr die Entscheidung im Männer-Einer.
World Rowing streamt die Rennen auf seiner Webseite. Die ARD-Sportschau streamt den Block der A-Finals am Sonntag ab 11.05 Uhr. Kommentator ist Jonas Schützeberg.