Sieben Medaillen bei der Heim-WM: Deutsches U23-Team feiert zwei Weltmeistertitel
Mit zwei Gold-, zwei Silber- und drei Bronzemedaillen hat der Deutsche Ruderverband die U23-Weltmeisterschaften auf der Duisburger Wedau abgeschlossen. Nach den beiden Silbermedaillen am ersten Finaltag sorgte das deutsche Team am Sonntag noch einmal für fünf Podiumsplatzierungen. Nathalie Sendjuk gewann den Leichtgewichts-Frauen-Einer, Naveen Shah und Maximilian Rühling triumphierten im Leichtgewichts-Männer-Doppelzweier. Bronze ging an den Leichtgewichts-Frauen-Doppelzweier, den Frauen-Achter und den erstmals bei einer U23-WM ausgetragenen Mixed-Doppelzweier.
Die Bilanz von sieben Medaillen unterstreicht vor allem die Stärke der deutschen Skullboote. Beide Weltmeistertitel, die beiden Silbermedaillen und zwei der drei Bronzemedaillen wurden in Skull-Bootsklassen gewonnen. Zugleich setzte der Frauen-Achter mit Bronze ein wichtiges Signal für den deutschen Riemenbereich.
Fans aus Großbritannien, Australien und Italien sorgten an den Finaltagen für eine internationale Atmosphäre auf den Rängen. Am Schlusstag verfolgten noch einmal mehr als 2.000 Zuschauerinnen und Zuschauer die Entscheidungen auf der Regattabahn laut Regatta Duisburg.
DRV-Cheftrainer Marcus Schwarzrock: „Am ersten Tag haben wir zwei Silbermedaillen im olympischen Bereich gewonnen - der Männer-Doppelzweier und Männer-Doppelvierer sind U23-Vize-Weltmeister geworden - das waren wirklich tolle Leistungen der Sportler. Überhaupt hat sich der Männer-Skullbereich sehr stark präsentiert, auch mit der Leistung im Männer-Einer. Heute gab es Bronze im Frauen-Achter, nicht viel hinter Großbritannien. Da hat die Crew Willensstärke bewiesen und ist noch bis auf eine halbe Länge rangefahren. Und wir haben zwei U23-Weltmeister mit dem Frauen-Einer und Männer-Doppelzweier im Leichtgewichts-Bereich, die ich neben den sehr guten Leistungen und drei Medaillen hervorheben möchte, dazu die Medaille im Mixed-Doppelzweier. Insgesamt war heute ein guter Tag, auch wenn wir in dem einen oder anderen Bereich die Erwartungen noch nicht ganz erfüllt haben. Jetzt arbeiten wir weiter an uns und dann greifen wir nächstes Jahr wieder an.“
Sendjuk krönt starke WM mit Gold
Nathalie Sendjuk (Ruderklub am Wannsee) hat sich im Leichtgewichts-Frauen-Einer zur U23-Weltmeisterin gekrönt. Die von Julian Weber betreute Deutsche gewann das A-Finale in 7:41,19 Minuten und bestätigte damit ihre starken Leistungen aus den vorangegangenen Rennen.
Bereits im Vorlauf hatte Sendjuk mit einem technisch sauberen und kontrollierten Auftritt überzeugt. Auch im Finale ließ sie sich nicht von ihrem Rhythmus abbringen und setzte sich gegen die internationale Konkurrenz durch. Nach ihrer Medaille im Leichtgewichts-Doppelzweier bei der U23-WM 2025 gelang ihr nun im Einer der Sprung auf die höchste Stufe des Podiums.
Shah und Rühling holen den Weltmeistertitel
Den zweiten deutschen Titel gewannen Naveen Shah (Ruderverein Kurhessen-Cassel) und Maximilian Rühling (Mainzer Ruder-Verein) im Leichtgewichts-Männer-Doppelzweier. Das von Julian Weber betreute Duo setzte sich im A-Finale in 6:30,25 Minuten durch.
Die beiden Deutschen waren als Vizeweltmeister des Vorjahres mit großen Ambitionen zur Heim-WM gereist. Bereits im Vorlauf hatten sie mit einem deutlichen Sieg ihre Stärke demonstriert. Im Finale hielten Shah und Rühling dem Druck stand und vollendeten ihre gemeinsame Entwicklung mit dem U23-Weltmeistertitel.
Damit verbesserten sie sich gegenüber 2025 um einen Platz und sorgten für den zweiten deutschen Erfolg innerhalb der Leichtgewichtsklassen.
Bronze für Reinke und Bergmann
Auch der Leichtgewichts-Frauen-Doppelzweier erreichte das Podium. Melina Reinke (Neusser Ruderverein) und Charlotte Bergmann (Limburger Club für Wassersport) sicherten sich in 7:12,56 Minuten die Bronzemedaille.
In der nur vier Boote umfassenden Bootsklasse hatten die von Oliver Kampmeier betreuten Deutschen im Bahnverteilungsrennen den dritten Platz belegt. Dieses Ergebnis bestätigten sie im entscheidenden Finale und belohnten sich mit Edelmetall.
Damit standen am Abschlusstag alle drei deutschen Leichtgewichtsboote mit direkter Finalqualifikation auf dem Podium.
Frauen-Achter erkämpft Bronze
Für ein wichtiges Ergebnis im Riemenbereich sorgte der deutsche Frauen-Achter. Charlotte Johnson (Frankfurter RG Germania), Lanea Estelle Rüter (Ruder-Club Tegel), Daniela Thiermann Estatuet (Der Hamburger und Germania RC), Julia Irmler (Ruder-Club Witten), Sara Grauer (Ruderverein Münster), Nike Tomma Utesch (Der Hamburger und Germania RC), Florentina Riffel (Ruder-Club Potsdam) und Alina Krüger (Rudervereinigung Kappeln) gewannen gemeinsam mit Steuerfrau Emma Lauri Mehner (Dresdner Ruder-Club) die Bronzemedaille.
Das von Catriona Sens betreute Großboot erreichte das Ziel in 6:14,31 Minuten. Bereits im Bahnverteilungsrennen hatte der deutsche Achter als Dritter aufhorchen lassen. Im Finale bestätigte die Mannschaft diese Position und sicherte dem Deutschen Ruderverband die einzige Medaille in einer klassischen Riemenbootklasse.
Besondere Bedeutung besitzt das Ergebnis auch mit Blick auf die weitere Entwicklung der Athletinnen. Mehrere Besatzungsmitglieder waren erst in dieser Saison in den Riemenbereich gewechselt oder sammelten erstmals internationale Erfahrung im Achter.
Bronze bei der Premiere des Mixed-Doppelzweiers
Charlotte Luster (Hallesche-Ruder-Vereinigung Böllberg/Nelson) und Yannik Sens (Berliner Ruder-Club) haben bei der historischen Premiere des Mixed-Doppelzweiers die Bronzemedaille gewonnen. Das von Tim Grohmann betreute Duo kam im A-Finale nach 6:43,14 Minuten auf den dritten Platz.
Luster und Sens hatten bereits am Samstag im Vorlauf überzeugt und hinter Rumänien den zweiten Platz belegt. Im Finale behaupteten sie sich erneut in einem hochklassig besetzten Feld und sicherten Deutschland die erste U23-WM-Medaille in dieser neuen Bootsklasse.
Für beide war es zugleich der zweite Start bei dieser Weltmeisterschaft. Luster war zuvor mit Helena Brenke im Frauen-Doppelzweier angetreten, Sens hatte am Samstag mit dem Männer-Doppelvierer bereits Silber gewonnen.
Paula Lutz verpasst das Podium knapp
Paula Lutz (Mannheimer Ruder-Club von 1875) beendete das Finale im Frauen-Einer auf dem vierten Platz. Die von Maximilian Pawlik betreute Deutsche erreichte das Ziel nach 7:44,76 Minuten und verpasste eine Medaille nur um eine Position.
Lutz hatte sich als Zweite ihres Vorlaufs und Dritte ihres Halbfinals für das A-Finale qualifiziert. Auch im entscheidenden Rennen bestätigte sie, dass sie in einem der stärksten Felder der Weltmeisterschaften zur internationalen Spitze ihres Jahrgangs gehört.
Jesse Ilsemann wird Fünfter
Auch Jesse Ilsemann (Ruder-Gesellschaft „Hansa“) überzeugte bei seiner ersten U23-Weltmeisterschaft im Männer-Einer. Der von Jan Suhrhoff betreute Deutsche belegte im A-Finale in 7:05,02 Minuten den fünften Platz.
Ilsemann hatte sich in einem Feld mit 25 Athleten zunächst als Zweiter seines Vorlaufs und anschließend als Dritter des Halbfinals für das Medaillenrennen qualifiziert. Mit Rang fünf bestätigte er seine positive Entwicklung und setzte sich in der zahlenmäßig größten Einer-Konkurrenz der Weltmeisterschaften weit vorne fest.
Männer-Achter auf Rang fünf
Der deutsche Männer-Achter erreichte im A-Finale nach 5:38,52 Minuten den fünften Platz. Das in Dortmund trainierte Großboot hatte sich als Dritter seines Vorlaufs direkt für das Finale qualifiziert.
Nach einer medizinisch notwendigen Umbesetzung während der Regatta musste sich die Mannschaft im entscheidenden Rennen erneut auf eine veränderte Situation einstellen. Im Finale reichte es nicht, um in den Kampf um die Medaillen einzugreifen. Der fünfte Platz zeigt, dass im internationalen Vergleich weiterhin Entwicklungsarbeit notwendig bleibt.
Mixed-Achter beendet die WM
Das letzte Rennen der U23-Weltmeisterschaften bestritt der erstmals in das Programm aufgenommene Mixed-Achter. Melisa Mujic (Ruderverein Wandsbek), Charlotte Burgdorf (Ruderverein Weser Hameln), Johannes Benien (Ruderverein Dorsten), Ole Hanack (Ruderverein Hellas Offenbach), Tom Olbrich (Dresdner Ruderverein), Maximilian Brill (Rudergesellschaft Speyer 1883), Helena Wegener (Ruderklub am Wannsee) und Tabea Koop (Ruderclub Rapid Berlin) gingen gemeinsam mit Steuerfrau Mia Wegele (Crefelder Ruder-Club) an den Start.
Das von U23-Bundestrainer Dirk Brockmann betreute deutsche Boot belegte in 6:03,57 Minuten den sechsten Platz. Alle Besatzungsmitglieder hatten im Verlauf der Weltmeisterschaften bereits weitere Rennen in anderen Bootsklassen absolviert. Der Mixed-Achter bildete damit nicht nur den Abschluss der Titelkämpfe, sondern verlangte den Beteiligten nach vier intensiven Wettkampftagen noch einmal alles ab.
Luca Britten gewinnt fast das B-Finale
Im B-Finale des Leichtgewichts-Männer-Einers belegte Luca Britten (Saarbrücker Rudergesellschaft Undine) den zweiten Platz. Der von Diethelm Maxrath betreute Deutsche erreichte das Ziel nach 7:11,38 Minuten und schloss die Weltmeisterschaften damit auf dem achten Gesamtrang ab.
Britten hatte sich als Zweiter seines Vorlaufs für das Halbfinale qualifiziert, dort als Fünfter jedoch den Sprung in das A-Finale verpasst. Mit einem starken Abschlussrennen bestätigte er seine Wettbewerbsfähigkeit in dem mit 18 Booten besetzten Feld.
Zwei Silbermedaillen am ersten Finaltag
Bereits am Samstag hatte das deutsche Team zweimal Silber gewonnen. Christian Aethner (Hallesche-Ruder-Vereinigung Böllberg/Nelson) und Tom Olbrich (Dresdner Ruderverein) sicherten sich im Männer-Doppelzweier in einem Feld mit 24 gemeldeten Booten den zweiten Platz.
Auch Jakob Rastetter (Hanauer Ruderclub Hassia), Paavo Tore Schewe (Olympischer Ruder-Club Rostock), Yannik Sens (Berliner Ruder-Club) und Mads Schmied (Ruder-Club Potsdam) gewannen Silber. Der deutsche Männer-Doppelvierer war nach Siegen im Vorlauf und Halbfinale als Titelkandidat in das Finale gegangen. Nach einem nicht optimalen Start kämpfte sich das Quartett auf der zweiten Streckenhälfte zurück und zog noch an Polen vorbei. Großbritannien gewann Gold, Deutschland Silber und Polen Bronze.
Der Frauen-Doppelvierer mit Ewa Victoria Grzimek (Neuköllner Ruderclub Berlin), Julia Stoeber (Kettwiger Rudergesellschaft), Pauline von Hobe-Gelting (Rudervereinigung Kappeln) und Charlotte Burgdorf (Ruderverein Weser Hameln) belegte den vierten Platz. Jan Rothländer (Ruder-Club Bergedorf) wurde im PR3-Männer-Einer Fünfter.
Auch die drei B-Finalboote überzeugten: Georg Rieck (Berliner Ruder-Club), Jakob Knapp (Berliner Ruder-Club), Johannes Benien (Ruderverein Dorsten) und Maximilian Brill (Rudergesellschaft Speyer 1883) gewannen das B-Finale des Männer-Vierers und wurden Gesamtsiebte. Charlotte Luster und Helena Brenke (Karlsruher Ruder-Verein Wiking) sowie Ensio Flöter (Ruderverein Hellas Offenbach) und Ole Hanack belegten jeweils den zweiten Platz in ihren B-Finals.