Drei DRV-Vorlaufsiege, Frauen-Zweier und Männer-Vierer überzeugen bei zweiten Plätzen
Ein positiver Start gelang den deutschen Ruderern am Freitag (26. Juni 2026) beim Weltcup in Luzern. Siege feierten Einer-Ass Oliver Zeidler, der seinen Vorlauf und sein Viertelfinale gewann, der Männer-Doppelvierer und der PR3 Mixed-Doppelzweier. Einen positiven Eindruck hinterließen bei Temperaturen bis 35 Grad besonders der Frauen-Zweier ohne und der Männer-Vierer ohne, die jeweils den zweiten Platz in ihrem Vorlauf belegten. Drei der 14 angetretenen Boote schieden aus und können nicht mehr in die Entscheidung um die Podiumsplätze eingreifen.
Para
Im ersten Rennen mit deutscher Beteiligung verpasste Marcus Klemp (Olympischer RC Rostock) die Qualifikation für das A-Finale knapp. In seinem Vorlauf belegte er nur den vierten Platz. 9:44,93 Minuten reichten auch nicht, um sich über die Zeit zu qualifizieren. Der Spanier Javier Garcia Martinez schnappte Klemp den sechsten Startplatz im A-Finale weg. Nun steht am Sonntag für den Rostocker das B-Finale mit zwei weiteren Booten an.
Valentin Luz und Kathrin Marchand (Frankfurter RG Germania und RTHC Bayer Leverkusen) wurden ihrer Favoritenrolle im Bahnverteilungsrennen des PR3 Mixed-Doppelzweiers gerecht. Die amtierenden Weltmeister gewannen in 7:16,13 Minuten vor Australien, das ihnen als einziges Boot Paroli bot (7:18,60). Das lässt auch im Finale am Sonntag ein interessantes Rennen erwarten. Wegen der Nichtklassifizierung des Doppelzweiers aus der Ukraine gab es keine Vorläufe, sondern ein Bahnverteilungsrennen.
Männer Skull
Oliver Zeidler musste als Einziger aus dem DRV-Team am Freitag zwei Mal antreten und meisterte die Aufgabe mit Siegen im Vorlauf und im Viertelfinale standesgemäß. Im Vorlauf tat Zeidler nicht mehr als nötig, um ihn zu gewinnen. Einige energische Schläge kurz vor dem Ziel sicherten Rang eins gegen drei eng aufgefahrene Kontrahenten. Auch im Viertelfinale sorgte der Olympiasieger schon auf den ersten 500 Metern für klare Verhältnisse. Am Ende tat er bei den fordernden Bedingungen genau so viel, um den spurtenden US-Amerikaner Samuel Melvin mit 0,75 Sekunden Vorsprung auf Rang zwei zu verweisen. Melvin hatte vor zwei Wochen den zweiten Weltcup in Plovdiv gewonnen. So richtig beginnt die Regatta für Zeidler erst mit dem Halbfinale am Samstag.
Für den kurzfristig formierten Männer-Doppelzweier Arno Gaus und Oliver Holtz (Bonner RG und Rostocker RC) reichte es nicht zum Einzug ins Halbfinale. Nach einem Bootsrückzug waren es in Luzern nur noch 24 Boote, ein zwischengeschaltetes Viertelfinale war damit nicht mehr nötig. Dass damit auch mehr Boote in den Vorläufen ausschieden, war für das nach dem Verkehrsunfall von Moritz Küpper erst in Luzern zusammengesetzte DRV-Boot von Nachteil. Gaus und Holtz belegten in ihrem Vorlauf Rang vier, die Zeit von 6:35,59 Minuten reichte nicht zur Qualifikation aus. Nun geht es am Samstag im C-Finale weiter.
„Die Modus-Änderung hat uns leider keine Chance gegeben, uns reinzuarbeiten“, sagte Bundestrainer Eric Johannesen. „Fürs Erste war es in Ordnung. Die Jungs wissen, dass sie sich erst einmal zusammenfinden müssen. Wir sind aber zuversichtlich, in den nächsten Wochen die nötigen Schritte bis zur EM und WM machen zu können. Im C-Finale wollen wir hier einen guten Abschluss finden.“
Der Männer-Doppelvierer macht es auch in Luzern spannend. Der Start von Marc Weber, Felix Heinrich, Jonas Gelsen und Ole Hohensee (Frankfurter RG Germania, RK Normannia Braunschweig, RC Nassovia Höchst und Stralsunder RC) im Vorlauf war so lala, bei der 1500-Meter-Marke hatte sich schon ein Rückstand von 1,64 Sekunden auf das führende Boot aus Tschechien aufsummiert und auch Australien lag noch 0,34 Sekunden vor dem deutschen Boot. Dessen Endspurt war aber unwiderstehlich. Mit der Winzigkeit von einer Hundertstelsekunde gewann der Sevilla-Sieger vor den starken Australiern, Tschechien fiel noch auf Rang drei zurück (plus 0,62). Hohensee und Co. stehen damit im Halbfinale am Samstag. „Die Mannschaft ist noch nicht wieder in der Form von Sevilla“, sagte Bundestrainer Eric Johannesen. „Das liegt auch daran, dass wir nach dem ersten Weltcup etwas kürzergetreten sind, weil die Saison sonst zu lange werden würde. Umso besser, wenn es trotzdem zu einem Sieg reicht.“
Frauen Skull
Kräftesparend schaffte Alexandra Föster (RC Meschede) mit Rang zwei in ihrem Vorlauf den direkten Einzug ins Halbfinale am Samstag. In 7:49,40 Minuten ließ sie der von Beginn an führenden Belgierin Mazarine Guibert den Vortritt und konterte auch den Endspurt der Slowenin Nina Kostjansek sicher.
Lisa Gutfleisch und Sarah Wibberenz (Heidelberger RK und RC Havel Brandenburg) mussten sich im Vorlauf des Frauen-Doppelzweiers mit dem dritten Platz begnügen. Ihre Zeit von 7:12,53 Minuten reichte aber locker, um sich für das Halbfinale am Samstag zu qualifizieren. Vor Gutfleisch und Wibberenz kamen Polen und Irland 2 ins Ziel, die sich auch am Weltcup in Sevilla schon vor den beiden Deutschen platzieren konnten. Auf der dritten Teilstrecke verdrängte Irland 2 das deutsche Boot vom zweiten Rang, daran änderte sich bis ins Ziel nichts mehr.
Mit leisem Zähneknirschen musste der Frauen-Doppelvierer die gelungene Revanche von Großbritannien akzeptieren. Maren Völz, Juliane Faralisch, Johanna Debus und Frauke Hundeling (RC Potsdam, Frankfurter RG Germania, RV Hellas Offenbach und Deutscher RC Hannover) hatten die Britinnen im Finale von Sevilla noch bezwungen, mit der Leichtgewichts-Olympiasiegerin Imogen Grant als neuer Schlagfrau drehten die das Ergebnis im Vorlauf aber um. In 6:22,38 Minuten kam das DRV-Boot auf Rang zwei. Der Rückstand wuchs während des Rennens beständig an bis auf 2,63 Sekunden im Ziel. Bundestrainer Marcin Witkowski sah seine Mannschaft bei 80 Prozent des Leistungsvermögens. Aber es gibt ja noch das A-Finale am Sonntag. Australien konnte sein Anfangstempo nicht halten und fiel auf Rang vier hinter Frankreich zurück.
Männer Riemen
Vierte wurden Leonard Brahms und Frederik Breuer (Berliner RC und Bonner RG) im schnellsten Vorlauf des Männer-Zweiers ohne hinter Australien, Spanien und Kasachstan. Aber die Zeit von 6:37,56 Min. reichte, um den Sprung ins Halbfinale zu schaffen. Die Ersatzfahrer Max John und Hanno Brach (Olympischer RC Rostock und Gießener RG) wurden in ihrem Vorlauf ebenfalls Vierte, waren aber rund acht Sekunden langsamer und fahren nun im C-Finale weiter.
Den erhofften Formanstieg zeigte der Männer-Vierer ohne in seinem Vorlauf. Mark Hinrichs, René Schmela, Benedict Eggeling und Jasper Angl (Limburger ClfW, Berliner RC, RC Favorite Hammonia und RV Münster) qualifizierten sich als Zweiter direkt fürs Halbfinale. Es sah locker und rund aus, wie das Boot übers Wasser glitt, Platz zwei in 5:59,74 Minuten hinter den Niederlanden war nicht gefährdet. Dänemark und Spanien blieben die Ränge drei und vier. Bundestrainerin Sabine Tschäge freute sich, dass die Mannschaft die guten Eindrücke aus der Trainingsarbeit bestätigen konnte.
Der Deutschland-Achter lieferte im Vorlauf ein gutes Rennen im Vorlauf, gab sich den Niederlanden nur knapp geschlagen und wurden Zweiter. Lange ruderten beide Boote Bugball an Bugball, die Crew um Schlagmann Sönke Kruse hatte eine hauchdünne Führung nach 500 und 1000 Metern. Bei 1200 Metern zogen die Niederlande erstmals vorbei, bei 1500 Metern hatten die Deutschen eine halbe Länge Rückstand. Sie zeigten noch einen guten Endspurt, wurden mit 1:46 Sekunden Rückstand Zweite. Insgesamt waren 5:29,73 Minuten die viertbeste Zeit. Auf diese Leistung lässt sich aufbauen für das Finale am Sonntag, es dürfte aber wieder ein harter Kampf ums Podium werden für Theis Hagemeister, Paul Klapperich, Mattes Schönherr, Olaf Roggensack, Tobias Strangemann, Tassilo von Müller, Julius Christ, Sönke Kruse und Jonas Wiesen (Frankfurter RG Germania, Bonner RG, RC Potsdam, RC Tegel 1886, RV Dorsten, RK am Baldeneysee, RTHC Bayer Leverkusen, RV Münster und RG Treis-Karden).
„Das war ein gutes Rennen. Wir konnten viel länger mithalten. Wir sind nicht so weit weg und ich bin gespannt aufs Finale am Sonntag“, sagte Bundestrainer Mark Emke zufrieden. „Schritt für Schritt geht es weiter. Wir konnten heute schon länger mitfahren. Ziel im Hinblick auf die WM ist, dass wir den anderen Nationen unser Renntempo möglichst bis zur Ziellinie aufdiktieren können“, sagte Theis Hagemeister, der den Vorlauf von Sevilla als „Wachrüttler“ bezeichnete. Die Umstellung im Training in den vergangenen Wochen mit höheren Intensitäten im Boot hat sich schon bemerkbar gemacht. „Wir haben mehr Punch reingebracht und mehr Dynamik im Boot. Das springt gut an.“
Frauen Riemen
Eine vielversprechende Premiere legten Luise Bachmann und Tabea Schendekehl (RV Ingelheim 1920 und RC Hansa Dortmund) im Frauen-Zweier ohne hin. Sie lieferten in einem ungewöhnlich engen Vorlauf einen großen Kampf, gingen auf der dritten Teilstrecke in Führung und hatten am Ende mit nur vier Hundertstelsekunden gegenüber dem Boot aus den USA das Nachsehen. Rang zwei brachte Bachmann und Schendekehl, die bei der ersten Weltcup-Regatta in Sevilla erkrankt passen musste, direkt ins Halbfinale. Die Vize-Weltmeisterinnen aus Frankreich und Südafrika, die ebenfalls nur vier Hundertstel auseinander lagen, kamen auf Rang drei und vier ein.
"Es war ein guter Einstand, wie wir ihn uns erhofft haben. Die Beiden sind unsere stärksten Sportlerinnen. Mit ihnen wollen wir testen, ob ein deutscher Zweier in der Weltspitze angreifen kann", sagt Bundestrainer Alexander Schmidt.
Der Frauen-Achter ruderte in seinem Vorlauf in 6:08,35 Minuten auf den dritten Platz, drei Längen hinter Sieger Australien 1 und auch klar hinter den USA. Der Rückstand bedeutete aber nicht nur eine Verbesserung gegenüber dem ersten Weltcup in Sevilla, sondern auch die fünftbeste Zeit unter sieben Mannschaften. Damit steht das Boot im Finale am Sonntag. Es ruderten Paula Hartmann, Olivia Clotten, Antonia Galland, Tabea Kuhnert, Pia Greiten, Annabelle Bachmann, Hannah Reif, Nora Peuser und Florian Koch (Mainzer RV, Neusser RV, RC am Baldeneysee, SC Magdeburg, Osnabrücker RV, RV Ingelheim, Frankfurter RG Germania, RU Arkona Berlin und Donau-RC Ingolstadt).
"Wir versuchen uns, Stück für Stück an die Weltspitze heranzutasten. Mit dieser Mannschaft fangen wir wieder neu an, wie schon im letzten Jahr. Und hoffen, dass die Saison mit der WM einen ähnlich guten Ausklang wie 2025 findet", sagt Bundestrainer Alexander Schmidt.
Events
Boote
| Vorlauf 3 | 7:13.76 | 1 . Platz | |
| Viertelfinale 1 | 6:49.07 | 1 . Platz | |
| Halbfinale A/B 2 |
| Vorlauf 4 | 6:35.59 | 4 . Platz | |
| Finale C |
| Vorlauf 3 | 5:48.28 | 1 . Platz | |
| Halbfinale A/B 1 |
| Vorlauf 4 | 7:49.40 | 2 . Platz | |
| Halbfinale A/B 2 |
| Vorlauf 1 | 7:12.53 | 3 . Platz | |
| Halbfinale A/B 1 |
| Vorlauf 1 | 6:22.38 | 2 . Platz |
| Vorlauf 2 | 6:37.57 | 4 . Platz | |
| Halbfinale A/B 1 |
| Vorlauf 3 | 6:45.38 | 4 . Platz | |
| Finale C |
| Vorlauf 2 | 5:59.74 | 2 . Platz | |
| Halbfinale A/B 2 |
| Vorlauf 1 | 5:29.73 | 2 . Platz |
| Vorlauf 1 | 7:14.23 | 2 . Platz | |
| Halbfinale A/B 2 |
| Vorlauf 2 | 6:08.35 | 3 . Platz |
| Finale A |
| Vorlauf 1 | 9:44.93 | 4 . Platz | |
| Finale B |
| Vorrennen/Bahnverteilungsrennen | 7:16.13 | 1 . Platz |