25. Aug. 2026 | Nationalmannschaft | von Hans Strauss

Drei Vorlaufsiege und zwei schöne Überraschungen für die DRV-Boote

Souveräner Vorlaufsieger, ein Endspurt war nicht nötig: der Männer-Doppelvierer mit Marc Weber, Felix Heinrich, Jonas Gelsen und Ole Hohensee (von rechts) startete konzentriert in die WM und steht im Halbfinale. Foto: meinruderbild
Beherzte Fahrt ins Halbfinale: Arno Gaus und Oliver Holtz überraschten mit Rang zwei im Viertelfinale des Doppelzweiers. Foto: meinruderbild
Guter Start in die WM: der Männer-Vierer mit Jasper Angl, Mark Hinrichs, Benedikt Eggeling und René Schmela ruderte auf Platz zwei im Vorlauf und steht damit im Halbfinale. Foto: meinruderbild
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Auch der zweite WM-Tag in Amsterdam konnte sich aus deutscher Sicht sehen lassen. Den Höhepunkt setzte der Männer-Doppelvierer, der seinen Vorlauf souverän gewann und die starken bisherigen Saisonleistungen bestätigte. Die Überraschungen des Tages lieferten der Männer-Vierer, der nach einem feinen Rennen als Zweiter seines Vorlaufs direkt ins Halbfinale einzog, und der Männer-Doppelzweier, dessen Halbfinaleinzug als Zweiter seines Viertelfinales nie zur Disposition stand. Nicht ganz so rund lief es bei den Frauen: Der ambitionierte Doppelvierer und der Vierer wurden jeweils nur Vierter im Vorlauf, schafften es aber beide über die Zeit sicher ins Halbfinale.

Im Leichtgewichts-Doppelzweier verschaffte sich das junge DRV-Boot mit Vorlaufsieg und schnellster Zeit viel Selbstvertrauen für das A-Finale. Und auch die Paras hatten Grund zur Freude. Der Mixed-Doppelzweier PR2 ruderte mit Vorlaufsieg und Bestzeit ins A-Finale. Dort hinein schaffte es auch der PR3 Mixed-Vierer mit Steuermann als sechstes Boot über die Zeit. 

Bier und Umbach mit Vorlaufsieg im A-Finale

Im Vorlauf des PR2 Mixed-Doppelzweiers erwischten nicht Jasmina Bier und Paul Umbach (RG Hansa Hamburg und RC Nürtingen) den besten Start, sondern das Boot aus Usbekistan. Das störte die beiden Deutschen wenig, die bei etwa 600 Metern die Führung übernahmen. Mit ihrem flüssigen, ruhigen Vortrag ruderten sie einem überlegenen Sieg entgegen. Im anderen Vorlauf gewann China, war dabei aber rund acht Sekunden langsamer als das deutsche Boot. Zeitvergleiche waren wegen des Gegenwinds auch am Dienstag schwierig, aber das A-Finale am Donnerstag verspricht nun noch mehr einen spannenden Zweikampf zwischen Titelverteidiger China und den letztjährigen WM-Zweiten Bier und Umbach. „Jasmina und Paul haben es sehr souverän gelöst und ihr Rennen gut eingeteilt“, sagte Bundestrainer Marc Stallberg.

Para-Vierer kämpft sich ins A-Finale

In seinem Vorlauf auf Rang vier hinter Großbritannien, Frankreich und Australien abonniert war der PR3 Mixed-Vierer mit Steuermann. Hermine Krumbein, Jan Helmich, Daniel Müller-Groß, Susanne Lackner und Till Martini (RK Normannia Braunschweig, RC Hansa Dortmund, RTHC Bayer Leverkusen, Mannheimer RV 'Amicitia' und Olympischer RC Rostock) ließen sich aber nicht verrückt machen und fuhren ihr Rennen in einer guten Zeit. Die war auch schnell genug, um unter die beiden Zeitbesten zu rutschen, die sich neben den Vorlaufsiegern für das A-Finale am Donnerstag zu qualifizieren. Das DRV geht dort als Nummer sechs ins Rennen, 17 Sekunden betrug der Vorsprung auf Usbekistan, das im B-Finale antritt.

„Der Vierer hat sich im wahrsten Sinne des Wortes ins Finale gekämpft, darüber sind wir sehr froh. Es war eine deutliche Steigerung gegenüber der EM“, sagte Bundestrainer Marc Stallberg. „Im erst dritten gemeinsamen Rennen konnte der neu formierte Vierer das Erarbeitete umsetzen. Der erste Meilenstein des Projektes ist erreicht“, sagte Bootstrainer Sebastian Fuchs.

Frauen-Vierer muss sich im Halbfinale steigern

Lehrgeld bezahlte der Frauen-Vierer bei seinem WM-Einstand, aber ohne negative Folgen. Hannah Reif, Paula Hartmann, Annabelle Bachmann und Pia Greiten (Frankfurter RG, Mainzer RV, RV Ingelheim und Osnabrücker RV) starten mutig und lagen nach 500 Metern auf Rang zwei hinter den USA, die den Vorlauf souverän gewannen. Im zweiten Rennabschnitt musste das deutsche Boot trotz guter Bahn dann aber auch Irland und Italien ziehen lassen. Der Versuch, Italien im Finish vielleicht noch abzufangen, scheiterte am bissigen Widerstand des Gegners. Als zehntes Boot im Ranking geht der Vierer trotzdem ins Halbfinale, für das Bundestrainer Alexander Schmidt auf eine Steigerung hofft.  „Es war leider nicht gut heute. Wir haben Vieles nicht gemacht, was eigentlich schon Standard war. Ich denke, das war der Schuss vor den Bug“, sagte Schmidt.

Männer-Vierer hat die EM-Euphorie mitgenommen

Der Männer-Vierer scheint die Euphorie nach der erlösenden EM-Bronzemedaille über das letzte Trainingslager mit zur WM gebracht zu haben. Jasper Angl, Mark Hinrichs, Benedikt Eggeling und René Schmela (RV Münster, Limburger ClfW, RC Favorite Hammonia, Berliner RC) qualifizierten sich mit dem zweiten Platz in ihrem Vorlauf nur 0,60 Sekunden hinter den durchaus geforderten Niederlanden direkt für das Halbfinale am Mittwoch und verwiesen Rumänien, das bei der EM noch Silber gewonnen hatte, sehr sicher auf Rang drei. Das Boot lief so gut, dass es kurz vor dem Ende sogar kurz auf Rang eins lag, aber eine Niederlage vor den eigenen Fans wollten sich die Niederlande dann doch nicht einhandeln und zogen noch einmal energisch an.

„Das haben sie gut gemacht bei nicht einfachen Bedingungen. Sie haben im Mittelteil die Nerven behalten und unser gemeinsames Konzept gut umgesetzt“, sagte Bundestrainerin Sabine Tschäge. Und sieht eine Signalwirkung: „Durch das Rennen haben sie sich bewusst gemacht, dass sie richtig Gas geben können. Aber das war nur ein Vorlauf, im Halbfinale werden die Karten neu gemischt.“ 

Frauen-Doppelvierer weiter, aber noch nicht in Form

Für den Frauen-Doppelvierer begann die WM mit einer Enttäuschung. Maren Völz, Juliane Faralisch, Johanna Debus und Frauke Hundeling (RC Potsdam, Frankfurter RG Germania, RV Hellas Offenbach und Deutscher RC) kamen von Beginn an nicht in ihren Rhythmus und waren nach 500 Metern schon Fünfter und Letzter. Nur Griechenland konnte das deutsche Boot noch einfangen, am Ende blieb es Rang vier mit fast neun Sekunden Rückstand auf Sieger Niederlande. Der Einzug ins Halbfinale als neuntes Boot des Rankings lässt dem Boot nun die Chance, im Halbfinale zum gewohnten Niveau zurückzufinden. „Ein ganz schlechtes Rennen. Für mich war das genauso eine Überraschung wie für die Mannschaft. Ab dem ersten Schlag hat nichts gepasst. Wir suchen im Halbfinale nach dem richtigen Weg“, sagte Bundestrainer Marcin Witkowski.

Ein Start nach Maß für den Männer-Doppelvierer

Vorlaufsieger und das nach einem souveränen Rennen: der Männer-Doppelvierer mit Marc Weber, Felix Heinrich, Jonas Gelsen und Ole Hohensee (Frankfurter RG Germania, RK Normannia Braunschweig, RC Nassovia Höchst und Stralsunder RC) schaffte einen Start nach Maß in die WM, für die man sich selbst hohe Ziele gesetzt hat. Kurz nach der ersten Zwischenzeit übernahm das deutsche Boot die Führung von Polen und behauptete sie hellwach bis ins Ziel. Der Vorsprung von einer guten Länge auf Australien machte es nicht nötig, noch mal einen Spurt anzuziehen. Drei Sekunden betrug der Vorsprung am Ende auf Australien, fast vier auf die drittplatzierten Polen. Noch schneller als die Deutschen war in seinem Vorlauf nur Titelverteidiger Italien. Gastgeber Niederlande rettete sich als zwölftes Boot gerade noch ins Halbfinale.  

„Es war ein gutes erstes Rennen. Die Bedingungen waren schwierig mit dem starken Gegenwind und der nicht allerbesten Bahn, aber die Jungs haben es als Mannschaft gelöst“, sagte Bundestrainer Francesco Fossi.

Youngster Rühling und Shah als Schnellste ins A-Finale

Ihr Einstand bei einer A-WM hätte nicht besser ausfallen können. Maximilian Rühling und Naveen Shah (Mainzer RV und RV Kurhessen-Cassel) kontrollierten ihren Vorlauf im Leichtgewichts-Männer-Doppelzweier vom Anfang bis zum Ende. Die frischgebackenen U23-Weltmeister stehen nach ihrem Sieg im A-Finale am Donnerstag. Fünf Sekunden waren sie schneller als der andere Vorlaufsieger Usbekistan. „Sie haben den Rennplan konsequent umgesetzt und sind auch technisch bei diesen Bedingungen sauber gefahren. Ich bin stolz, das haben die beiden gut gemacht“, sagte Trainer Bernhard Rühling, der Vater von Maximilian.

Holtz und Gaus machen das Halbfinale klar

So selbstbewusst Oliver Holtz und Arno Gaus (Rostocker RC und Bonner RG) ihr Viertelfinale im Männer-Doppelzweier angegangen sind, so zogen sie das Rennen auch durch. Nach 500 Metern in Führung liegend, ließen sie nur Podrazil/Nedala (Tschechien) noch vorbei und zeigten mit ihrem zweiten Rang, dass sie zu einer richtig guten Einheit geworden sind. Cornea/Enache, die Paris-Olympiasieger aus Rumänien, kamen sicher auf Rang drei, der ab den Viertelfinals auch zum Weiterkommen führt. Die drei anderen Boote hatten mit der Verteilung der Halbfinalplätze nichts zu tun. 

„Die Jungs haben die Aufgabe fast souveräner gelöst als gedacht. Dass man Rumänien, den Olympiasieger, so klar hinter sich lässt, war nicht zu erwarten. Genauso wenig, dass man mit dem Tschechen bis zum Schluss auf einem Level unterwegs ist und sie sogar überholt. Das war das einzige Manko, dass wir die halbe Länge Vorsprung kurz vor dem Ziel nicht nach Hause gebracht haben“, sagte Bundestrainer Eric Johannesen. „Jetzt ist natürlich eine gewisse Euphorie da und die versuchen wir, ins Halbfinale einzubringen. Drei Rennen in drei Tagen sind hart, aber wir sind auf jeden Fall heiß.“

Und das ist wichtig, denn in einem extrem starken und erfahrenen Feld werden die Niederlande (Twellaar/van Dorp), Serbien, Spanien, erneut Rumänien und Kroatien (Sinkovic/Sinkovic) die Konkurrenten um die drei Plätze im A-Finale sein. Holtz (23) und Gaus (24) bilden mit Abstand das jüngste Boot in diesem Halbfinale. 

So geht es am Mittwoch weiter

Am dritten WM-Tag greifen die Einer ins Geschehen ein. Olympiasieger Oliver Zeidler bestreitet seinen Vorlauf ab 13:57 Uhr, etwas früher ist Alexandra Föster dran (13:31 Uhr). In fünf Bootsklassen geht es für deutsche Mannschaften um den Einzug ins A-Finale. Zunächst starten die Leichtgewichte Johanna Reichardt (16:10 Uhr) und Fabio Kress (16:20) im Einer. Dann geht es mit Luise Bachmann und Tabea Schendekehl im Frauen-Zweier (16:32 Uhr), Lisa Gutfleisch und Sarah Wibberenz im Frauen-Doppelzweier (16:54 Uhr) und Oliver Holtz/Arno Gaus im Männer-Doppelzweier (17:04 Uhr) Schlag auf Schlag weiter für die deutschen Ruder-Fans.

Den deutschen Tag eröffnen die Titelverteidiger im PR3-Mixed-Zweier, Valentin Luz und Kathrin Marchand, mit ihrem Vorlauf (13:10 Uhr). Das C-Finale steht für Leonard Brahms und Tobias Strangemann im Männer-Zweier an (14:29 Uhr).   

Events

Boote

Vorlauf 1 7:45.72 2 . Platz
Halbfinale A/B 2

Vorlauf 2 8:54.29 3 . Platz
Halbfinale A/B 2

Vorlauf 3 7:22.38 5 . Platz
Finale C

Vorlauf 3 7:56.78 3 . Platz
Halbfinale A/B 2

Vorlauf 5 6:50.38 3 . Platz
Viertelfinale 3 6:45.44 2 . Platz
Halbfinale A/B 2

Vorlauf 2 7:43.22 3 . Platz
Halbfinale A/B 2

Vorlauf 2 7:16.61 1 . Platz
Finale A

Vorlauf 2 9:17.44 1 . Platz
Finale A

Vorlauf 2

Vorlauf 3 6:24.70 2 . Platz
Halbfinale A/B 2

Vorlauf 3 7:31.33 4 . Platz
Halbfinale A/B 1

Vorlauf 2 6:16.11 1 . Platz
Halbfinale A/B 2

Vorlauf 2 6:59.92 4 . Platz
Halbfinale A/B 2

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