Hitzemanagement soll Sportlern helfen, Küppers WM-Traum nach Rad-Unfall geplatzt
Im kleinen Seebad am Sempachersee, das nur ein paar Hundert Meter vom Mannschaftshotel des Deutschen Ruderverbandes entfernt ist, drängen sich die Menschen im Wasser, suchen nach Abkühlung. Das Thema Hitze ist in der Schweiz genauso groß wie in Deutschland. Auch hier gibt es wegen der gefährlich hohen Temperaturen am Wochenende Veranstaltungsabsagen. Das Stadtfest in Luzern aber wird stattfinden, installierte Sprühnebel sollen den Besuch erträglich machen. Und auch die traditionsreiche Rotsee-Regatta, der dritte Weltcup in dieser Ruder-Saison, wird ausgetragen werden.
25 Grad um 9 Uhr morgens, 32 Grad um 12 Uhr mittags, 35 Grad um 15 Uhr – die Prognose für den Freitag am Rotsee in einer Schlucht oberhalb der Stadt verheißt in Sachen Temperaturen wenig Gutes. In den Teamzelten ist es nicht möglich, annehmbare Temperaturen herzustellen. Die Regattaleitung stellt immerhin kühle Räume im Bootshaus zur Verfügung. Eine Verlegung von Startzeiten in den früheren Morgen oder späteren Nachmittag ist angedacht, wurde aber bisher nicht umgesetzt.
Ulli Kau, der leitende Teamarzt des DRV, will die Situation nicht dramatisieren: „Natürlich ist die Situation belastend für die Sportlerinnen und Sportler. Wir hatten in der Geschichte der Nationalmannschaft aber schon etliche Regatten, wo zu hohen Temperaturen auch hohe Luftfeuchtigkeit und hohe Luftverschmutzung als weitere Negativfaktoren hinzukamen. Das ist hier nicht gegeben.“ Kau setzt auf das bewährte Hitzemanagement des DRV: Im Schatten aufhalten, Aufwärmen und Ausfahren in der Halle, die Bekleidung befeuchten, am Steg werden Kühlwesten, Kühlschals und kühle Getränke gereicht. „Die Logistik ist das Entscheidende. Wir sind speziell am Freitag, wo alle unsere Boote fahren, mit vielen Leuten unterwegs“, sagt Kau. Dass in Luzern auf dem engen Regattaplatz nur Platz für zwei kleine Kühlschränke des DRV ist, erschwert die lückenlose Versorgung allerdings. „Und vom Zelt zum Zielsteg sind es alleine 800 Meter, da ist die Kühlung schwer zu erhalten.“
Olympiasieger Oliver Zeidler und der Männer-Doppelzweier müssen am Freitag gleich zwei Rennen bestreiten: den Vorlauf am Vormittag und, die Qualifikation dafür mal vorausgesetzt, das Viertelfinale am Nachmittag zur größten Hitze. Dort müssen dann auch die Achter der Männer und Frauen zu ihren Vorläufen ran.
Moritz Küpper hingegen hatte großes Pech. Der Ruderer vom RC Herdecke wurde am Dienstag – einen Tag vor der Abreise nach Luzern - auf dem Heimweg vom Training mit dem Fahrrad von einem Auto angefahren und brach sich beim Sturz das Schlüsselbein. Damit fällt Küpper nicht nur für den Weltcup aus, sondern kann bei angezeigten sechs Wochen Pause auch seine Chance auf eine WM-Teilnahme nicht mehr wahrnehmen. „Es tut uns allen sehr Leid, was Moritz passiert ist“, sagt Cheftrainer Marcus Schwarzrock. Bei der Einstimmung der Mannschaft im Hotel auf das Wochenende gab es aufmunternden Applaus in die Heimat für Küpper.
Seinen Platz im Männer-Doppelzweier neben Arno Gaus übernimmt in Luzern nun Oliver Holtz, der als Skull-Ersatzmann eigentlich den zweiten Einer neben Zeidler fahren sollte. Gaus und Holtz sind vorher noch nie zusammen Doppelzweier gefahren. „Im Training sah es trotzdem gut aus, aber natürlich dürfen wir die Erwartungen an die Beiden nicht zu hoch stecken“, sagt Trainer Eric Johannesen. Als neuer Ersatzmann kam Tom Gränitz mit nach Luzern.
Die Rennen am Freitag in Luzern beginnen um 9 Uhr und dauern bis 16 Uhr an.