Luz und Marchand holen erneut WM-Gold, gute Leistungen in drei B-Finals
Auch das zweite WM-Gold für Deutschland bei den Titelkämpfen in Amsterdam holte ein Para-Boot. Valentin Luz und Kathrin Marchand wurden ihrer Favoritenrolle im Mixed-Doppelzweier der Klasse PR3 mehr als gerecht und verteidigten ihren Titel aus dem Vorjahr erfolgreich. Der fünfte WM-Tag am Freitag (28. August 2026) stand außerdem im Zeichen von guten Leistungen in drei B-Finals. Der Frauen-Zweier gewann sein Rennen, der Frauen-Doppelzweier wurde Zweiter und der Männer-Doppelzweier landete auf Rang drei. Ein Unwetter schob den zweiten Teil des Programms am Freitag um 90 Minuten nach hinten, die Reihenfolge der Rennen wurde auch geändert.
Para-Doppelzweier steckt alles weg
Valentin Luz und Kathrin Marchand (Frankfurter RG Germania und RTHC Bayer Leverkusen) und ihr erfahrener Trainer Ralf Müller mussten die 90-minütige Rennunterbrechung überstehen, aber trotz der Verspätung spulten sie ihr Finalrennen im PR3 Mixed-Doppelzweier wie ein Uhrwerk ab. Ohne Leiden ging es allerdings nicht. „Es war super hart, wir haben uns nicht gut gefühlt während des Rennens. Aber dafür trainieren wir ja viel, dass wir auch an schlechten Tagen gewinnen“, sagte Luz nach dem überlegenen Sieg vor der Ukraine und Australien, der beiden den zweiten Weltmeister-Titel nach Shanghai 2026 einbrachte. Von Beginn an lagen beide in Führung und vergrößerten den Vorsprung auf das während des kompletten Rennens auf Rang zwei abonnierten Bootes aus der Ukraine zwischenzeitlich bis auf gut sechs Sekunden.
Am Ende waren es dann genau 5,31 Sekunden Vorsprung für Valentin und Kathrin, die in 7:03,97 Sekunden über den Zielstrich fuhren. Gut fünf Sekunden über der Weltbestzeit, die ebenfalls von den Beiden gehalten wird. „Wir haben ähnliche Vorstellungen vom Rudern, wir sind gleich ehrgeizig“, nannte Luz die Gründe, warum er und Marchand so erfolgreich und weiter ungeschlagen sind. „Sie vertrauen einander und tolerieren gegenseitig ihre Eigenheiten", nannte Trainer Müller als Erfolgsrezept. Am Horizont stehen als großes Ziel die Paralympics 2028 in Los Angeles.
„Eine grandiose Leistung vom Doppelzweier", freute sich Para-Bundestrainer Marc Stallberg. "Es war sehr professionell, wie beide und das ganze Team mit der Verzögerung umgegangen und locker geblieben sind."
Zeidler qualifiziert sich für das Halbfinale
Ohne Probleme hat Oliver Zeidler (Frankfurter RG Germania) im Männer-Einer die Viertelfinal-Hürde bei der WM genommen. Er verzichtete auf einen schnellen Start, lag aber schnell in Führung und brachte sie auch sicher ins Ziel. „Ganz gut, aber noch nicht perfekt“, fand Trainer Heino Zeidler den Lauf seines Sohnes. Nur weil Zeidler angesichts des klaren Vorsprungs auf den letzten 500 Metern herausnahm, kam der Zweitplatzierte Kai Schaetzle (Schweiz) noch bis auf 1,72 Sekunden heran. Als Dritter ging auch der Ire Finn McCarthy mit ins Halbfinale. Dort wird auf Zeidler am Freitag ein erster Gradmesser warten. Der US-Amerikaner Samuel Melvin, Sieger des vierten Vorlaufs und Zeitschnellster des Viertelfinales, wurde ihm zugelost. „Ich bin zuversichtlich, dass auch das gut laufen wird“, sagte Oliver Zeidler.
Auch Föster erreicht das Einer-Halbfinale
Alexandra Föster (RC Meschede) hat sich als Dritte ihres Vorlaufs einen Platz im Halbfinale des Frauen-Einers gesichert. Obwohl Föster gut startete und nach 500 Metern knapp in Führung lag, bestimmte die favorisierte Litauerin Viktorija Senkute das Rennen. Föster lag lange auf Platz zwei, verzichtete aber darauf, dem Endspurt der Ukrainerin Kataryna Dudchenko zu antworten, da ihr Weiterkommen gesichert war.
„Das Rennen war meiner Meinung nach ganz gut. Ich habe die technischen Punkte, die wir nach dem Vorlauf besprochen hatten, umsetzen können. Wenn ich die Setzung anschaue, wäre es vielleicht besser gewesen, den zweiten Platz zu verteidigen. Jetzt habe ich das schwerere Halbfinale erwischt“, sagte Föster.
Dort wartet tatsächlich eine äußerst schwere Aufgabe auf die Sauerländerin, sie geht als Außenseiterin ins Rennen. Die letztjährige WM-Zweite Lauren Henry (Großbritannien), Olympiasiegerin Karolien Florjin (Niederlande), erneut Senkute, Lauren O´Connor (USA) und Paige Badenhurst (Südafrika) sind ihre Gegnerinnen. „Ich werde trotzdem alles geben und versuchen, ins Finale zu fahren. Vielleicht kann ich das Körnchen, das ich heute gespart habe, morgen gut gebrauchen“, sagte Föster.
Bachmann/Schendekehl gewinnen das B-Finale
Das kann sich sehen lassen: Als WM-Siebte beendeten Luise Bachmann und Tabea Schendekehl (RV Ingelheim und RC Hansa Dortmund) die Konkurrenz im Frauen-Zweier. Nach einem starken, gleichmäßigen Rennen hielt das deutsche Boot den einzigen echten Konkurrenten Australien einmal mehr auf Distanz und landete in 7:02,87 Minuten einen Start-Ziel-Sieg mit 3,47 Sekunden Vorsprung auf die „Aussies“. Luise und Tabea freuten sich nach dem knapp verpassten A-Finale über ihre gute Leistung.
„Wir haben uns von Rennen zu Rennen gesteigert. Wir brauchen eben die Erfahrung und wir leben davon, aus unseren Fehlern zu lernen. Heute war ich sehr zufrieden. Der einzige Wermutstropfen war, dass sie heute nicht unter 7:00 Minuten gefahren sind. Das hatten wir uns vorgenommen“, sagte Bundestrainer Alexander Schmidt.
Rang zwei im B-Finale für Gutfleisch/Wibberenz
Auch der Frauen-Doppelzweier beendete die Weltmeisterschaften mit einem guten Rennen. Lisa Gutfleisch und Sarah Wibberenz (Heidelberger RK und RC Havel Brandenburg) erkämpften sich im Endspurt den zweiten Platz von Frankreich zurück und wurden Zweite des B-Finales hinter Großbritannien. In der Gesamtrechnung bedeutet das Rang acht. Beiden fühlten sich offenbar wohl in ihrem Rennen, anders ließ sich das Lächeln auf beider Gesichter nicht deuten.
„Wir haben jetzt im DRV auch einen guten Doppelzweier. Nach vier Monaten Training der achte Platz von 19 Booten bei der WM, das kann sich sehen lassen. Heute hat die Mannschaft die Motivation gefunden, Frankreich im Endspurt und auch AIN zu schlagen, die bei der EM noch vor uns waren. Das Rennen war zu 99 Prozent perfekt, ich freue mich“, sagte Bundestrainer Marcin Witkowski.
Holtz/Gaus schließen die WM als Neunte ab
Ein aktives, gutes Rennen zeigten Oliver Holtz und Arno Gaus (Rostocker RC und Bonner RG) im B-Finale des Männer-Doppelzweiers, das mit dem dritten Platz in 6:11,82 Minuten und Rang neun im Gesamtklassement zu Ende ging. Bei 1000 Metern lagen die beiden sogar knapp in Führung vor Kroatien. Dann zogen die sieggewohnten Sinkovic-Brüder jedoch an und brachten den Sieg sicher nach Hause. Holtz und Gaus mussten den zweiten Platz noch an Portugal abgeben, das einen mächtigen Endspurt zeigte. Das positive Fazit von Bundestrainer Erik Johannesen trübte das jedoch nicht.
„Ein sehr schöner Abschluss für uns mit dem neunten Platz und dem Rennverlauf. Beide haben das Rennen von Anfang an mitbestimmt, waren bei 1000 Metern in Führung und sind eine schnelle Zeit gefahren“, sagte Johannesen. „Francesco Fossi und ich sind stolz über die Entwicklung in unserem Bereich. Die positive Stimmung mit der guten Entwicklung von Arno und Oliver wollen wir jetzt mitnehmen in der Entwicklung Richtung Los Angeles.“
Marcus Klemp Vierter im Halbfinale
Die PR1-Männer-Einer und damit auch Marcus Klemp (OR Rostock) traf die Unwetter-Unterbrechung am Freitag am Stärksten. Ihre Halbfinals wurden ans Ende des Tagesprogramms geschoben und begannen über drei Stunden später als vorgesehen. Klemp ruderte ein gutes Rennen, die drei Qualifikationsplätze zum A-Finale waren für ihn aber nicht erreichbar. Eric Horrie (Australien), Roman Polianskyi (Ukraine) und Alexis Sanchez (Frankreich) holten sie sich ab. Mit rund sieben Sekunden Rückstand auf den Franzosen wurde Klemp Vierter. Nun wird er versuchen, im B-Finale am Samstag (10:35 Uhr) erfolgreich zu sein.
So geht es am Samstag weiter
Der vorletzte WM-Tag wird aus deutscher Sicht vor allem im Zeichen der vier Vierer-Entscheidungen stehen. Alle deutschen Boote mischen im Kampf um die Medaillen mit, das hat es lange nicht gegeben. Aber es sind natürlich schwere Aufgaben, die nun warten.
Den Auftakt macht der Männer-Vierer (11:46 Uhr). „Eine Medaille ist möglich, aber dafür muss auch alles passen. Wir wollen ein geiles Finalrennen fahren, dann schauen wir, was dabei am Ende rausspringt“, sagt Bundestrainerin Sabine Tschäge. „Wir können vollkommen entspannt und mit einem Lächeln in dieses Rennen gehen und wollen einfach nur Spaß haben“, meint Schlagmann René Schmela. Das Boot aus den USA gilt mit der jeweils schnellsten Zeit im Vorlauf und Halbfinale als klarer Favorit. Weltmeister Großbritannien, die Niederlande vor dem Heimpublikum, Rumänien und Neuseeland sind die weiteren Gegner.
Der Frauen-Vierer (12:03 Uhr) hat nichts zu verlieren. Die USA und Australien sind nach jeweils zwei Siegen in Vorlauf und Halbfinale die Favoriten. Die Niederlande sind keineswegs schwächer einzuschätzen. Die deutsche Mannschaft gehört mit Großbritannien und Rumänien zu den Herausforderern.
Das Finale im Männer-Doppelvierer (12:21 Uhr) verspricht großes Drama. Großbritannien, Italien, die Niederlande, die USA und Polen bilden zusammen mit der deutschen Mannschaft das erlesene Teilnehmerfeld. Alles scheint möglich, auch der Weltmeistertitel für das DRV-Quartett. „Ich denke, die Mannschaft wird für den Kampf im Finale am Samstag bereit sein. Es wird sehr spannend werden.“, sagte Bundestrainer Francesco Fossi.
Der Frauen-Doppelvierer (12:38 Uhr) versucht, auf den Siegersteg zu rudern. Niederlande, Großbritannien, die USA, Rumänien und Australien sind die durchweg schweren Gegner. Aber die deutsche Mannschaft ist bereit, ihr Potenzial voll auszuschöpfen. „Wir wollen einen weiteren Schritt nach vorne machen und vorne mitfahren: Mit ähnlichem Mut wie im Halbfinale, aber technisch geht es noch sauberer“, sagt Schlagfrau Frauke Hundeling.
Bereits am Vormittag wird das B-Finale des PR1 Männer-Einers ausgetragen (10:35 Uhr).
Nach einer Mittagspause geht es mit dem Semifinale der Frauen-Einer und Alex Föster weiter (15:05 Uhr). Das Halbfinale im Männer-Einer mit Olli Zeidler folgt danach (15:19 Uhr).
Der Frauen-Achter kann nun doch in Originalbesetzung antreten, Olivia Clotten bestand nach ihrer Erkrankung einen Ergometer-Test und ist dabei. Im Vorlauf (15:33 Uhr) sind Großbritannien, Australien, Italien und Kanada die deutschen Gegner. Das A-Finale zu erreichen, wird keine einfache Aufgabe für die deutsche Mannschaft.
Der Männer-Achter hat seinen Vorlauf (15:52 Uhr) mit den Niederlanden, der Ukraine und Polen als Gegnern. Eines der 13 Boote muss nach den Vorläufen die Koffer packen. Die Achter-Ruderer sind erst seit Mittwoch in Amsterdam und haben ein dichtes Programm vor der Brust: drei Rennen innerhalb von nicht einmal 24 Stunden. Auf den Vorlauf am Samstagnachmittag folgen am Sonntag die Halbfinals (ab 10.05 Uhr) und die Finals (B-Finale um 13.05 oder A-Finale um 13.38 Uhr). Die Mannschaft brennt auf darauf, sich mit der versammelten Weltelite zu messen.
Den Abschluss macht aus deutscher Sicht der Vorlauf des Mixed-Doppelzweiers (16:17 Uhr). Juliane Faralisch und Arno Gaus bilden das deutsche Boot.
Ruder-WM im Sportschau-Stream
Die ARD zeigt die Medaillen-Entscheidungen am Samstag ab 11.30 Uhr in einem Sportschau-Livestream. Worldrowing und Eurovision Sport streamen alle Rennen des Samstags.
Events
Boote
| Vorlauf 4 | 7:24.15 | 1 . Platz | |
| Viertelfinale 2 | 6:46.48 | 1 . Platz |
| Vorlauf 4 | 8:03.41 | 3 . Platz | |
| Viertelfinale 4 | 7:34.64 | 3 . Platz |
| Vorlauf 1 | 7:45.72 | 2 . Platz | |
| Halbfinale A/B 2 | 7:24.32 | 1 . Platz | |
| Finale A | 6:52.62 | 4 . Platz |
| Vorlauf 2 | 8:54.29 | 3 . Platz | |
| Halbfinale A/B 2 | 8:31.98 | 4 . Platz | |
| Finale B | 8:39.20 | 1 . Platz |
| Vorlauf 2 | 10:45.01 | 2 . Platz | |
| Halbfinale A/B 2 | 9:29.19 | 4 . Platz |
| Vorlauf 3 | 7:22.38 | 5 . Platz | |
| Finale C | 6:54.48 | 3 . Platz |
| Vorlauf 3 | 7:56.78 | 3 . Platz | |
| Halbfinale A/B 2 | 7:29.74 | 4 . Platz | |
| Finale B | 7:02.87 | 1 . Platz |
| Vorlauf 5 | 6:50.38 | 3 . Platz | |
| Viertelfinale 3 | 6:45.44 | 2 . Platz | |
| Halbfinale A/B 2 | 6:36.28 | 5 . Platz | |
| Finale B | 6:11.82 | 3 . Platz |
| Vorlauf 2 | 7:43.22 | 3 . Platz | |
| Halbfinale A/B 2 | 7:19.12 | 6 . Platz | |
| Finale B | 6:49.42 | 2 . Platz |
| Vorlauf 2 | 7:16.61 | 1 . Platz | |
| Finale A | 6:23.87 | 2 . Platz |
| Vorlauf 3 |
| Vorlauf 2 | 9:17.44 | 1 . Platz | |
| Finale A | 8:08.26 | 1 . Platz |
| Vorlauf 2 | 7:47.44 | 1 . Platz | |
| Finale A | 7:03.97 | 1 . Platz |
| Vorlauf 3 | 6:24.70 | 2 . Platz | |
| Halbfinale A/B 2 | 6:00.15 | 2 . Platz | |
| Finale A |
| Vorlauf 3 | 7:31.33 | 4 . Platz | |
| Halbfinale A/B 1 | 6:44.19 | 3 . Platz | |
| Finale A |
| Vorlauf 2 | 6:16.11 | 1 . Platz | |
| Halbfinale A/B 2 | 5:44.61 | 2 . Platz | |
| Finale A |
| Vorlauf 2 | 6:59.92 | 4 . Platz | |
| Halbfinale A/B 2 | 6:24.38 | 3 . Platz | |
| Finale A |
| Vorlauf 2 |
| Vorlauf 1 |
| Finale A |