Makelloser Oliver Zeidler, insgesamt fünf Medaillen für einen zufriedenen DRV
Mit zwei Mal Gold, zwei Silbermedaillen und einmal Bronze beendete der Deutsche Ruderverband den letzten Weltcup der Saison auf dem Rotsee in Luzern. Für die Glanzlichter sorgten am Sonntag (28. Juni 2026) bei erneut hohen Temperaturen Olympiasieger Oliver Zeidler, der den Männer-Einer erneut souverän gewann, sowie Valentin Luz und Kathrin Marchand, die den PR3 Mixed-Doppelzweier für sich entschieden. Silber holten der Frauen-Doppelvierer und der Mixed-Doppelzweier, Bronze ging an den Männer-Doppelvierer. In der Nationenwertung kam der DRV damit auf den fünften Rang. Großbritannien war mit alleine sechs Siegen das Topteam, gefolgt von den USA (mit zwölf Medaillen die meisten), Australien und den Niederlanden.
Knapp am Podium vorbei ruderten Alexandra Föster im Frauen-Einer und der Deutschland-Achter mit jeweils Rang vier. Drei sechste Plätze kamen am Sonntag durch den Frauen-Zweier ohne, den Frauen-Doppelzweier und den Frauen-Achter hinzu.
„Wir sind mit elf olympischen Bootsklassen an den Start gegangen und haben acht in die A-Finals bekommen, das zeigt eine gute Leistungsbreite. Dass Frauen-Zweier und Frauen-Doppelzweier dabei ein Finale erreichen, darauf mussten wir lange warten, es jst ein wichtiger Schritt für uns. Mit den fünf Medaillen können wir zufrieden sein, auch wenn wir in einigen Bereichen noch Probleme haben. Die werden wir weiter angehen“, sagte Cheftrainer Marcus Schwarzrock.
Sportvorstand Robert Sens beschrieb die besonderen Umstände: „Luzern war kein einfacher Weltcup für uns. Nach dem Weltcup 1 in Sevilla war eine Woche Urlaub und der Neuaufbau Richtung WM wurde begonnen. Für diese methodische Situation haben wir sehr vernünftige Ergebnisse gesehen und sind weitestgehend zufrieden. Hausaufgaben haben wir trotzdem einige bekommen und werden in den kommenden Wochen in Ratzeburg nochmal richtig Gas geben. 2026 ist für uns ein Jahr zum Experimentieren. Diese Zeit nehmen wir uns und wollen einigen Mannschaften noch Zeit einräumen, um sich zu entwickeln.“
Van Dorp arbeitet sich vergeblich an Zeidler ab
Es war eine makellose Regatta für Oliver Zeidler (Frankfurter RG Germania). Mit drei Siegen ins Einer-Finale gelangt, gelang ihm im Finale ein herausragendes Rennen. Mit 46 Schlägen setzte er sich sofort vor das Feld. 1600 Meter lang versuchte Simon van Dorp (Niederlande) vergeblich, näher als eine Länge an den großen Rivalen heranzukommen. Dann war er mit seinen Kräften am Ende und Zeidler hatte gewonnen. Er konnte das Rennen sogar vor dem Zielstrich austrudeln lassen und beobachten, wie sich Yauheny Zalaty (Unabhängige Neutrale Athleten) und Sam Melvin (USA) sich die weiteren Medaillen holten.
„Ich war ein bisschen nervös, weil ich hier schon länger nicht mehr gewonnen hatte“, verriet Zeidler nach seinem vierten Rotsee-Sieg bei World Rowing. Davon aber war im Rennen nichts zu spüren. Nach dem Sieg in Sevilla geht er so mit einem weiteren Erfolgserlebnis in die nächste Trainingsphase. Physisch und technisch scheint er nach seinem Studienjahr durch intensives Training im vergangenen Winter weiter zugelegt zu haben. Zuallererst geht es diese Woche aber nach Henley, seiner zweiten Lieblingsregatta neben Luzern.
Weiter Maß der Dinge: Gold für Luz und Marchand
Im Mixed-Doppelzweier der Klasse PR3 sind Valentin Luz und Kathrin Marchand (Frankfurter RG Germania und RTHC Bayer Leverkusen) weiter das Maß der Dinge. Im Finale von Luzern ließen sich beide auch von der durchaus starken Konkurrenz aus der Ukraine und Australien nicht wirklich beeindrucken. „Es war spannend, wir mussten richtig treten“, sagte Valentin Luz. Nach einem auch technisch erneut sehr ansehnlichen Rennen siegten die Para-Weltmeister mit einer Sekunde Vorsprung. „Von Luzern hat man als Kind immer geträumt. Es gibt kaum was Schöneres, als hier zu fahren und zu siegen“, sagte Luz.
Frauen-Doppelvierer mit starkem Finish zu Silber
Der Start ins A-Finale des Frauen-Doppelvierers ging für Maren Völz, Juliane Faralisch, Johanna Debus und Schlagfrau Frauke Hundeling (RC Potsdam, Frankfurter RG Germania, RV Hellas Offenbach und Deutscher RC Hannover) relativ daneben. Als langsamstes Boot passierten sie die 500-Meter-Marke, aber das war reparabel. Die Aufholjagd brachte das in Berlin trainierende Boot am Ende mit 15 Hundertstelsekunden Vorsprung noch auf den Silber-Rang vor Weltmeister Niederlande. Am Sieg von Großbritannien war nicht zu rütteln.
„Über die Mitte sind wir bisher stabil gefahren, das ist die Stärke mit unserem Potenzial. Heute haben wir gezeigt, dass wir auch über einen Weltklasse-Endspurt verfügen“, sagte Juliane Faralisch, die sich nach langen Einer-Jahren sehr gut im Mittelboot eingepasst hat. „Es gibt noch viel Verbesserungspotenzial. Heute fehlte es in der ersten Rennhälfte an Konstanz und Dynamik“, sagte Bundestrainer Marcin Witkowski nüchtern.
Mixed-Doppelzweier holt sich Silber
Sarah Wibberenz und Arno Gaus (RC Havel Brandenburg und Bonner RG) sind im Mixed-Doppelzweier weiter erfolgreich unterwegs. Obwohl Wibberenz zuvor schon das Doppelzweier-Finale bestritten hatten, fuhren beide auf den Silber-Rang hinter dem klaren Sieger USA II. Insgesamt waren vier Boote am Start.
Männer-Doppelvierer im Endspurt Dritter
Nach Gold in Sevilla sicherte sich der Männer-Doppelvierer mit Marc Weber, Felix Heinrich, Jonas Gelsen und Ole Hohensee (Frankfurter RG Germania, RK Normannia Braunschweig, RC Nassovia Höchst und Stralsunder RC) in Luzern im Endspurt gegen die Individuellen Neutralen Athleten Bronze hinter Großbritannien und den Niederlanden. „Mit der Medaille können wir definitiv zufrieden sein. Wir sind die Rennen aus dem Training gefahren und wir haben noch Baustellen. Manchmal geht`s besser, heute weniger. Wir hatten Probleme mit dem Gegenwind“, sagte Marc Weber. „Unser Ziel war, über die Mitte stärker zu fahren, damit wir den Endspurt zum Absetzen nutzen können. Das hat heute, anders als im Halbfinale, nicht so gut geklappt. Aber wir waren hier zum Lernen“, ergänzte Felix Heinrich.
Männer-Achter verpasst erneut das Podium
Dem Deutschland-Achter blieb es erneut verwehrt, am Siegersteg anzulegen. Wie schon in Sevilla vor vier Wochen musste sich das Großboot mit dem vierten Platz zufriedengeben. Weltmeister Niederlande, Olympiasieger Großbritannien und Australien waren im Rotsee-Finale schneller. „Es war ein Fortschritt im Vergleich zu Sevilla, aber es hat nicht gereicht. Wir konnten heute leider nicht an die Leistung aus dem Vorlauf anknüpfen“, sagte Julius Christ. Am Freitag betrug der Rückstand auf den Weltmeister 1,5 Sekunden, im Finale waren es knapp fünf Sekunden.
Dabei fanden Theis Hagemeister, Paul Klapperich, Mattes Schönherr, Olaf Roggensack, Tobias Strangemann, Tassilo von Müller, Julius Christ, Sönke Kruse und Jonas Wiesen (Frankfurter RG Germania, Bonner RG, RC Potsdam, RC Tegel 1886, RV Dorsten, RK am Baldeneysee, RTHC Bayer Leverkusen, RV Münster und RG Treis-Karden) gut ins Rennen und behaupteten auf den ersten 500 Metern lange eine kleine Führung. Und auch nach 800 Metern, als sich die Niederländer abgesetzt hatten, lagen sie noch gleichauf mit den Briten und Australiern. Erst 200 Meter vor dem Ziel wurde der Abstand größer.
„Nach Sevilla haben wir Umstellungen vorgenommen. Es waren jetzt zwei vernünftige Rennen, aber es muss uns gelingen, mit dem hohen Anfangsspeed auf den zweiten 500 Metern weiterzufahren. Wir müssen draufbleiben“, meinte Steuermann Jonas Wiesen.
Rang vier für Föster nach klugem Rennen
Mit einem taktisch klugen Rennen beendete Alexandra Föster (RC Meschede) das Einer-Finale auf dem vierten Rang. Mehr war nicht möglich, zum Top-Trio mit Lauren Henry (Großbritannien). Fiona Murtagh (Irland) und Tara Rigney (Australien) klaffte doch eine Lücke. Auf Siegerin Henry fehlten Föster knapp acht Sekunden. „Trotzdem war es heute das beste der drei Rennen dieses Wochenendes. Und dennoch ist noch Potenzial vorhanden. Das ist gut zu wissen für die nächsten Tage“, sagte Trainer Sebastian Kleinsorgen.
Finale harte Nuss für den Frauen-Zweier ohne
Das Finale des Frauen-Zweiers ohne war für das neue Boot mit Luise Bachmann und Tabea Schendekehl (RV Ingelheim und RC Hansa Dortmund) eine harte Nuss. Beide gerieten früh klar in Rückstand und kamen bis zum Ende des Rennens nicht von Platz sechs weg. Fast zwölf Sekunden betrug der Rückstand auf USA 2, das den bis zur 1500-Meter-Marke führenden Tschechinnen Gold noch wegschnappte. Dritter wurde Chile, damit setzten sich die Favoritinnen durch. Alle vier US-Athletinnen traten später auch noch im Achter an. „Der Vorlauf und das Halbfinale waren richtig gut, im dritten Rennen hatten sie technisch ein paar Probleme. Insgesamt war es ein gutes Wochenende. In dem Boot steckt großes Potenzial“, sagte Bundestrainer Alexander Schmidt.
Krebs verhindert Endspurt des Frauen-Doppelzweiers
Mit dem Sprung ins A-Finale des Doppelzweiers hatten Lisa Gutfleisch und Sarah Wibberenz (Heidelberger RK und RC Havel Brandenburg) schon ein großes Ziel erreicht. Dort war die Luft allerdings dünn für das deutsche Boot. Vom sechsten Platz kamen beide lange nicht weg und als sie bei 1650 Metern zum Endspurt ansetzen wollten, passierte ein Krebs, der das Boot fast zum Stoppen brachte. So blieb es beim sechsten Rang. „Manchmal passieren Fehler, wenn man entschlossen ist und etwas unbedingt will“, sagte Bundestrainer Marcin Witkowski. „Trotzdem hat der Doppelzweier in Luzern einen weiteren Schritt in der Entwicklung gemacht.“ Gold ging an die Niederlande, beide US-Mannschaften standen ebenfalls auf dem Siegersteg.
Rückschritt für den Frauen-Achter
Keine Chance, in den Kampf um die vorderen Plätze einzugreifen, hatte der Frauen-Achter im A-Finale. Er geriet schon auf den ersten 500 Metern deutlich in Rückstand, der bis ins Ziel auf 14 Sekunden anwuchs. Großbritannien gewann das Rennen vor Australien und den USA, für das DRV-Großboot mit Paula Hartmann, Olivia Clotten, Antonia Galland, Tabea Kuhnert, Pia Greiten, Annabelle Bachmann, Hannah Reif, Nora Peuser und Florian Koch (Mainzer RV, Neusser RV, RC am Baldeneysee, SC Magdeburg, Osnabrücker RV, RV Ingelheim, Frankfurter RG Germania, RU Arkona Berlin und Donau-RC Ingolstadt) blieb der sechste Rang. „Das war ein Schritt zurück. Wir bekommen die PS nicht ins Boot, wir haben bei der Anpassung der Bootsgeschwindigkeit mit dem Durchzug Probleme. Wir wissen, was zu tun ist, aber die Zeit rennt“, sagte Bundestrainer Alexander Schmidt. In vier Wochen steht die EM in Varese an, gefolgt von der WM in Amsterdam Ende August.
Männer-Zweier ohne im B-Finale Vierter
Aktiv begannen Leonard Brahms und Frederik Breuer (Berliner RC und Bonner RG) das B-Finale des Männer-Zweiers ohne. Nach 500 Metern lagen sie auf Rang eins, rutschten bei jeder Teilstrecke aber einen Platz nach hinten. So wurden sie am Ende Vierter hinter Norwegen, Großbritannien und Kasachstan und Gesamt-Zehnte. „Der Start war etwas verhaltener als im Halbfinale mit dem Ziel, den Übergang auf die Strecke gleichmäßiger zu gestalten. Das hat soweit gut funktioniert. Ab 1400 Meter wollten sie dann nochmal mitgehen, haben sich dabei aber nicht optimal getroffen“, sagte Bundestrainer Heiner Schwartz. Die Feinarbeit mit Brahms und Breuer, die bisher in Großbritannien lebten und trainierten und nun in die Trainingsgruppe Dortmund wechseln, beginnt mit dem ersten WM-Trainingslager ab 6. Juli in Ratzeburg.
Männer-Vierer ohne im B-Finale nur Fünfter
Mit dem fünften Platz im B-Finale und Gesamtrang elf schloss der Männer-Vierer ohne mit Mark Hinrichs, René Schmela, Benedict Eggeling und Jasper Angl (Limburger ClfW, Berliner RC, RC Favorite Hammonia und RV Münster) die Regatta ab. Zweieinhalb Sekunden betrug der Rückstand auf Sieger Australien 2. Die beste Leistung hatte das Boot im Vorlauf gezeigt, in den beiden Rennen danach aber nicht mehr daran anknüpfen können. Im Endlauf fehlten Gemeinsamkeit und Leichtigkeit.
Klemp gewinnt B-Finale im PR1-Einer
Marcus Klemp (Olympischer RC Rostock) gewann das B-Finale des Männer-Einers PR 1 mit deutlichem Vorsprung gegen zwei Boote aus den Niederlanden und wurde damit Gesamt-Siebter.
Events
Boote
| Vorlauf 3 | 7:13.76 | 1 . Platz | |
| Viertelfinale 1 | 6:49.07 | 1 . Platz | |
| Halbfinale A/B 2 | 6:45.50 | 1 . Platz | |
| Finale A | 6:46.49 | 1 . Platz |
| Vorlauf 4 | 6:35.59 | 4 . Platz | |
| Finale C | 6:24.01 | 3 . Platz |
| Vorlauf 3 | 5:48.28 | 1 . Platz | |
| Halbfinale A/B 1 | 5:47.52 | 1 . Platz | |
| Finale A | 5:56.69 | 3 . Platz |
| Vorlauf 4 | 7:49.40 | 2 . Platz | |
| Halbfinale A/B 2 | 7:28.46 | 3 . Platz | |
| Finale A | 7:40.90 | 4 . Platz |
| Vorlauf 1 | 7:12.53 | 3 . Platz | |
| Halbfinale A/B 1 | 6:55.34 | 3 . Platz | |
| Finale A | 7:22.49 | 6 . Platz |
| Vorlauf 1 | 6:22.38 | 2 . Platz | |
| Finale A | 6:32.40 | 2 . Platz |
| Vorlauf 2 | 6:37.57 | 4 . Platz | |
| Halbfinale A/B 1 | 6:37.23 | 5 . Platz | |
| Finale B | 6:43.40 | 4 . Platz |
| Vorlauf 3 | 6:45.38 | 4 . Platz | |
| Finale C | 6:42.99 | 1 . Platz |
| Vorlauf 2 | 5:59.74 | 2 . Platz | |
| Halbfinale A/B 2 | 6:00.17 | 5 . Platz | |
| Finale B | 6:04.85 | 5 . Platz |
| Vorlauf 1 | 5:29.73 | 2 . Platz | |
| Finale A | 5:41.58 | 4 . Platz |
| Vorlauf 1 | 7:14.23 | 2 . Platz | |
| Halbfinale A/B 2 | 7:05.24 | 3 . Platz | |
| Finale A | 7:21.10 | 6 . Platz |
| Vorlauf 2 | 6:08.35 | 3 . Platz | |
| Finale A | 6:22.73 | 6 . Platz |
| Finale A | 6:40.39 | 2 . Platz |
| Vorlauf 1 | 9:44.93 | 4 . Platz | |
| Finale B | 9:48.88 | 1 . Platz |
| Vorrennen/Bahnverteilungsrennen | 7:16.13 | 1 . Platz | |
| Finale A | 7:12.64 | 1 . Platz |