Oliver Zeidler zurück auf dem Thron, Männer-Achter findet mit Rang vier wieder Anschluss
Der Abschluss der Ruder-Weltmeisterschaft am Sonntag (30. August 2026) in Amsterdam brachte der deutschen Nationalmannschaft das erhoffte Gold im olympischen Bereich: Oliver Zeidler krönte eine überlegen geführte Saison im Männer-Einer mit seinem vierten WM-Titel. Stark verbessert gegenüber der letzten WM zeigte sich der Deutschland-Achter, der in einem hochklassigen Finale trotzdem mit dem vierten Platz vorliebnehmen musste.
In der Medaillen-Gesamtwertung kletterte Deutschland mit drei Gold- und zwei Silber-Medaillen auf den zweiten Platz hinter dem sehr erfolgreichen Gastgeber Niederlande (4-3-3) und vor den USA (3-0-6). Dazu trug das Para-Team mit zwei Goldmedaillen wesentlich bei. Der Männer-Doppelvierer holte mit Silber die zweite Medaille im olympischen Bereich. Für den Leichtgewichts-Doppelzweier gab es ebenfalls Silber.
Die erheblichen Probleme mit unfairem Gegenwind von der Seite setzten sich am Schlusstag auf der Regattastrecke Bosbaan nicht fort. Die letzten A-Finals waren nicht beeinträchtigt. Die Titelkämpfe in Amsterdam waren trotzdem sehr stimmungsvoll. Die WM 2027 wird in Luzern auf dem Rotsee ausgefahren.
Die Bilanz von DRV-Sportvorstand Robert Sens:
„In der Breite sind wir mit dem Abschneiden hier in Amsterdam sehr zufrieden, es gab tolle Leistungen in den Klein- und Mittelbooten. Aber klar, wir hätten schon gerne drei Medaillen im olympischen Bereich gehabt. Das haben wir nicht geschafft, jetzt sind es zwei wie im vergangenen Jahr. Dennoch: Es geht nach vorne, die Richtung stimmt zur Halbzeit des olympischen Zyklus. Aber es gibt keinen Grund, nachzulassen, wenn man sieht, wie alle Nationen Vollgas geben. Unsere Paras sind Weltspitze, das ist toll. Das gilt auch für unser Auftreten als Team, wie man miteinander umgeht und jeder den anderen unterstützt. Wir wollen Weltklasse auf allen Positionen sein, vom Bootsfahrer bis zum Ruderer – und diesem Ziel rücken wir immer näher.“
Das Fazit von Cheftrainer Marcus Schwarzrock:
„Wir haben eine gute Gesamt-Entwicklung gesehen. Wenn diese Woche die Olympia-Qualifikation gewesen wäre, hätten wir zehn von zwölf Quotenplätzen gehabt. Der zweite Platz im Medaillen-Ranking ist auch ein guter Erfolg für uns. Trotzdem ist die Zahl der Medaillen noch ein bisschen dünn, da müssen wir nachlegen in den beiden nächsten Jahren. Für die nächste, vorolympische Saison (Anm.: WM als Qualifikation für die Spiele in Los Angeles) müssen wir überlegen, wie wir das strategisch angehen: auf die Breite gehen, um möglichst viele Boote zu qualifizieren? Oder in die Spitze gehen, um Boote weit nach vorne zu bringen? Das werden wir besprechen.“
Zeidler bei seiner Goldfahrt schneller als Hacker
Oliver Zeidler (Frankfurter RG Germania) ist zurück auf dem Thron. In Amsterdam zeigte der Olympia-Sieger nach der Zieldurchfahrt vier Finger – für seinen vierten WM-Titel insgesamt. Auch dieses Mal nahm der Weißrusse Yauheni Zalaty (AIN) einen vergeblichen Anlauf, den Deutschen zu schlagen. Für ihn blieb erneut Silber, Bronze holte sich überraschend der Norweger Jonas Slettemark Juel.
Nach der Startphase, als Zalaty den Deutschen mit seinem schnellen Start überraschte, übernahm Zeidler die Führung und verteidigte sie in der Schlussphase sicher, als der Weißrusse spurtete. 3,11 Sekunden lagen schließlich zwischen beiden. Mit 6:35,22 Minuten war Zeidler schneller beim Halbfinale der Olympischen Spiele in Paris, als er mit 6:35,77 Minuten seine bisherige persönliche Bestzeit und einen olympischen Rekord aufgestellt hatte. Gleichzeitig löste er Marcel Hacker als deutschen Rekordhalter ab.
Zu einem Angriff auf den Weltrekord reichte es aber nicht. „Alle 500 Meter habe ich auf die Uhr gesehen und gewusst, es reicht nicht, dann bin ich das Rennen kontrolliert zu Ende gefahren“, verriet Zeidler, der sich über die tolle Stimmung auf den letzten Metern freute und im Ziel von seiner ganzen Familie gefeiert wurde. Taktisch und im Training hat er einiges umgestellt. „Dieses Jahr war nicht einfach. Ich habe viel riskiert, viele schwierige Entscheidungen mussten getroffen werden. Offenbar waren einige richtig“, sagte der Vorzeige-Ruderer und freute sich nach einer ungeschlagen absolvierten Saison nun auf den anstehenden Urlaub.
Am Montag (7:50 Uhr) wird Oliver Zeidler zu Gast im Morgenmagazin von ARD und ZDF sein.
Männer-Achter: „Der vierte Platz ist nie schön“
Nach dem B-Finale im vergangenen Jahr hat sich der Deutschland-Achter wieder an die Weltspitze herangearbeitet. Der vierte Platz war nicht die vom Team angestrebte Medaille, aber die drei Boote davor unterboten allesamt die bisherige Weltbestzeit. In einem Herzschlagfinale wurden die Niederlande in 5:17,75 Minuten erneut Weltmeister und sorgten für Fußball-Stimmung auf den proppenvollen Tribünen. Ganze sechs Hundertstelsekunden betrug der Vorsprung der Gastgeber auf Großbritannien, das im Endspurt nur um wenige Zentimeter scheiterte. Bronze holte sich Australien.
2,96 Sekunden war die deutsche Mannschaft von Edelmetall entfernt. Sie war am Besten vom Start weggekommen, wurde bis zur 1000-Meter-Marke aber bis auf Rang fünf durchgereicht. Doch auf der letzten Teilstrecke wurden die USA noch abgefangen und Rang vier gesichert. „Der vierte Platz ist nie schön. Man möchte auf dem Podium stehen“, sagte Bundestrainer Mark Emke. „Aber wenn man bedenkt, wo wir herkommen, war es ein wirklich gutes Rennen. Ich bin absolut stolz auf das Team.“
"Klar, Deutschland hat große Ansprüche, das haben wir auch", sagte Julius Christ. "Aber wir sind jetzt eine halbe Länge hinten, sind 5:20 und mega das Brett gefahren – damit bin ich echt zufrieden. Ich bin da echt sehr happy damit, wie wir jetzt hier auch in Rennen gehen, einfach furchtlos, voll reingebrettert – und das ist geil."
Im Halbfinale hatte der Deutschland-Achter ein gutes Rennen gezeigt und sich mit einem sicheren dritten Platz hinter den Niederlanden und und Großbritannien den wichtigen Platz im A-Finale gesichert. 1500 Meter lang hatte das DRV-Großboot nach einem sehr guten Start im Kampf um die Spitze voll mitgemischt, dann legten Großbritannien und Niederlande noch einmal zu.
Dass Italien als Dritter des anderen Halbfinales eine halbe Sekunde schneller war, spielte keine große Rolle mehr. Die Windverhältnisse sollen sich von seitlichem Gegenwind am Nachmittag aber auf seitlichen Schiebewind ändern. Deshalb bekamen Deutschland und Italien als Drittplatzierte der Halbfinals die beiden Außenbahnen 1 und 2.
Männer-Achter: Paul Klapperich, Theis Hagemeister, Olaf Roggensack, Mattes Schönherr, Tassilo von Müller, Julius Christ, Sönke Kruse, Frederik Breuer und Jonas Wiesen (Bonner RG, Frankfurter RG Germania, RC Tegel, RC Potsdam, RK am Baldeneysee, RTHC Bayer Leverkusen, RV Münster, Bonner RG und RG Treis-Karden).
Alex Föster gewinnt das B-Finale
Im B-Finale des Frauen-Einers hat Alexandra Föster (RC Meschede) gezeigt, was in ihr steckt. Sie war keineswegs die Favoritin, profitierte als erstes deutsches Boot von dem am Nachmittag stark veränderten Windverhältnissen. Es gab seitlichen Rückenwind, Föster profitierte auf Bahn 1 jedoch am wenigsten. Auf dem dritten Teilstück des Rennens arbeitete sie sich von Rang drei auf Platz eins vor und baute ihren Vorsprung bis ins Ziel immer weiter aus. Sie gewann nach einem überzeugenden Auftritt in 7:19,64 Minuten und wurde damit WM-Siebte. Geschlagen geben mussten sich Tara Rigney (Australien) mit 4,45 Sekunden Rückstand und Kateryna Dudchenko (Ukraine) mit 5,86 Sekunden Rückstand.
Trainer Sebstian Kleinsorgen trauerte dem Halbfinale noch nach. „Hätte sie gestern nicht auf der stark vom Wind beeinflussten Bahn gelegen, hätte sie das Potential gehabt, ins Finale zu rudern. Zwischen B und A- Finale lag heute nicht viel Zeit, daher sollte Alex der Zeitvergleich Mut für ihre Zukunft geben.“
Im A-Finale wurde aus Rostock kommende, aber für die Schweiz startende Aurelia-Maxima Janzen sehr gute Vierte. Lauren Henry (Großbritannien) wurde Weltmeisterin vor Titelverteidigerin Fiona Murtagh (Irland) und Olympiasiegerin Karolin Florjin (Niederlande).
Frauen-Achter landet auf Gesamtrang neun
Der Frauen-Achter musste sich im B-Finale mit dem dritten Platz hinter Australien und Italien begnügen. 0,25 Sekunden fehlten zum zweiten Platz. Somit belegte der Achter im Gesamtklassement Rang neun unter zehn Booten.
Frauen-Achter: Nora Peuser, Paula Hartmann, Olivia Clotten, Antonia Galland, Pia Greiten, Annabelle Bachmann, Luise Bachmann, Tabea Schendekehl und Steuermann Florian Koch (RU Arkona Berlin, Mainzer RV, Neusser RV, RC am Baldeneysee, Osnabrücker RV, RV Ingelheim, RV Ingelheim, RC Hansa Dortmund, Donau RC Ingolstadt)
Mixed-Boote auf den Rängen fünf und sechs
Den Abschluss der Weltmeisterschaften bildeten zwei nichtolympische Mixed-Wettbewerbe. Im Finale des Mixed-Doppelzweiers blieb für Juliane Faralisch und Arno Gaus (Frankfurter RG Germania und Bonner RG) der sechste Platz. Überlegener Sieger wurde das Gastgeber-„Traumpaar“ Roos de Jong und Simon van Dorp in starken 6:15,80 Minuten, die auch Weltbestzeit bedeuteten. Mit dem dritten Platz in ihrem Halbfinale hinter den Niederlanden und Spanien hatten sich Faralisch und Gaus am Sonntagvormittag sicher für das A-Finale qualifiziert.
Den Mixed-Achter bildeten Sarah Wibberenz, Lisa Gutfleisch, Hannah Reif, Frauke Hundeling, Benedict Eggeling, Tobias Strangemann, Leonard Brahms, René Schmela und Till Martini (RC Havel Brandenburg, Heidelberger RK, Frankfurter RG Germania, Deutscher RC, RC Favorite Hammonia, RV Dorsten, Berliner RC, Berliner RC und Olympischer RC Rostock). Sie belegten den fünften Platz. Sieger wurde Rumänien, die Niederlande schnappten den USA mit dem letzten Schlag zur Freude der heimischen Fans noch Silber weg.
Events
Boote
| Vorlauf 4 | 7:24.15 | 1 . Platz | |
| Viertelfinale 2 | 6:46.48 | 1 . Platz | |
| Halbfinale A/B 1 | 6:45.89 | 1 . Platz | |
| Finale A | 6:35.22 | 1 . Platz |
| Vorlauf 4 | 8:03.41 | 3 . Platz | |
| Viertelfinale 4 | 7:34.64 | 3 . Platz | |
| Halbfinale A/B 1 | 7:53.16 | 6 . Platz |
| Vorlauf 1 | 7:45.72 | 2 . Platz | |
| Halbfinale A/B 2 | 7:24.32 | 1 . Platz | |
| Finale A | 6:52.62 | 4 . Platz |
| Vorlauf 2 | 8:54.29 | 3 . Platz | |
| Halbfinale A/B 2 | 8:31.98 | 4 . Platz | |
| Finale B | 8:39.20 | 1 . Platz |
| Vorlauf 2 | 10:45.01 | 2 . Platz | |
| Halbfinale A/B 2 | 9:29.19 | 4 . Platz | |
| Finale B | 9:27.77 | 2 . Platz |
| Vorlauf 3 | 7:22.38 | 5 . Platz | |
| Finale C | 6:54.48 | 3 . Platz |
| Vorlauf 3 | 7:56.78 | 3 . Platz | |
| Halbfinale A/B 2 | 7:29.74 | 4 . Platz | |
| Finale B | 7:02.87 | 1 . Platz |
| Vorlauf 5 | 6:50.38 | 3 . Platz | |
| Viertelfinale 3 | 6:45.44 | 2 . Platz | |
| Halbfinale A/B 2 | 6:36.28 | 5 . Platz | |
| Finale B | 6:11.82 | 3 . Platz |
| Vorlauf 2 | 7:43.22 | 3 . Platz | |
| Halbfinale A/B 2 | 7:19.12 | 6 . Platz | |
| Finale B | 6:49.42 | 2 . Platz |
| Vorlauf 2 | 7:16.61 | 1 . Platz | |
| Finale A | 6:23.87 | 2 . Platz |
| Vorlauf 3 | 6:44.02 | 3 . Platz | |
| Halbfinale A/B 1 | 6:29.68 | 3 . Platz | |
| Finale A | 6:31.23 | 6 . Platz |
| Vorlauf 2 | 9:17.44 | 1 . Platz | |
| Finale A | 8:08.26 | 1 . Platz |
| Vorlauf 2 | 7:47.44 | 1 . Platz | |
| Finale A | 7:03.97 | 1 . Platz |
| Vorlauf 3 | 6:24.70 | 2 . Platz | |
| Halbfinale A/B 2 | 6:00.15 | 2 . Platz | |
| Finale A | 5:49.64 | 4 . Platz |
| Vorlauf 3 | 7:31.33 | 4 . Platz | |
| Halbfinale A/B 1 | 6:44.19 | 3 . Platz | |
| Finale A | 6:42.33 | 6 . Platz |
| Vorlauf 2 | 6:16.11 | 1 . Platz | |
| Halbfinale A/B 2 | 5:44.61 | 2 . Platz | |
| Finale A | 5:34.46 | 2 . Platz |
| Vorlauf 2 | 6:59.92 | 4 . Platz | |
| Halbfinale A/B 2 | 6:24.38 | 3 . Platz | |
| Finale A | 6:22.59 | 6 . Platz |
| Vorlauf 2 | 5:31.70 | 2 . Platz | |
| Halbfinale A/B 1 | 5:25.88 | 3 . Platz | |
| Finale A | 5:20.71 | 4 . Platz |
| Vorlauf 1 | 6:13.59 | 4 . Platz | |
| Finale B | 6:00.87 | 3 . Platz |
| Finale A | 5:46.00 | 5 . Platz |