Starke Halbfinals lassen neun DRV-Boote am Sonntag um Medaillen kämpfen
Eine so gute Zwischenbilanz bei einem internationalen Ereignis hat es für den Deutschen Ruderverband lange nicht mehr gegeben. Neun Boote, darunter eines aus dem Para-Bereich, können am Sonntag (28.6.2026) beim Weltcup in Luzern um das Podium kämpfen. Dazu kommt noch der Mixed-Doppelzweier. Die Halbfinals am Samstag liefen mehr als gut für das deutsche Nationalteam: fünf der sieben angetretenen Boote schafften die Qualifikation für die A-Finals. „Eine schöne Bilanz“, freute sich DRV-Präsident Moritz Petri über das Ergebnis bei erneut großer Hitze. „Wir haben damit schon eine gute Entwicklung in der Breite geschafft“, sagte Cheftrainer Marcus Schwarzrock, der nun auch auf Medaillen hofft.
Oliver Zeidler im Einer und der Doppelvierer mit Marc Weber, Felix Heinrich, Jonas Gelsen und Ole Hohensee setzten sich eindrucksvoll als Laufsieger durch. Dritte Plätze brachten Alex Föster im Einer, den Zweier ohne mit Luise Bachmann und Tabea Schendekehl sowie den Doppelzweier mit Lisa Gutfleisch und Sarah Wibberenz als Überraschung des Tages ins A-Finale. Im B-Finale werden am Sonntag der Männer-Zweier ohne sowie der Vierer ohne antreten, der mit seinem fünften Platz die Chance verpasste, die deutsche Tagesbilanz am Rotsee nahezu perfekt zu gestalten.
Schon am Freitag hatten sich der Frauen-Doppelvierer, die Achter der Männer und Frauen sowie der PR3 Mixed-Doppelzweier für ihre A-Finals qualifiziert.
Beharrliche Föster von sechs auf drei
Nach 500 Metern war sie Letzte, doch am Ende eines beharrlich geführten Rennens durfte sich Alexandra Föster (RC Meschede) über den dritten Platz im schnelleren der beiden Halbfinals im Frauen-Einer freuen. Erst rund 200 Meter vor dem Ziel verdrängte Föster die Ukrainerin Kateryna Dudchenko vom Qualifikationsrang für das A-Finale. An der Sitze des Feldes setzte die zur Topfavoritin avancierte Britin Lauren Henry einsam das Tempo. „Vorne sollte diese Saison eigentlich schneller sein, stattdessen beschäftigen wir uns zur Zeit da eher mit kleinen Problemen. Nichts desto trotz war das ein ganz gutes Rennen“, sagte Fösters Trainer Sebastian Kleinsorgen. „Letzte Woche beim Holland Beker in Amsterdam hat Alex mit ihrem Sieg schon zeigen können, was sie umsetzen kann. Zwei internationale Regatten innerhalb von acht Tagen sind schon ein strammes Programm, für sie aber als Vorbereitung auf die noch kommenden Regatten enorm wichtig. Daher wissen wir die Leistung schon ganz gut einzuschätzen.“
Zeidler fährt unangefochten auch ins A-Finale
Im zweiten Halbfinale des Männer-Einers ließ Oliver Zeidler (Frankfurter RG Germania) eine weitere Demonstration der Stärke folgen. Mit einem schnellen Start ließ der Olympiasieger die Konkurrenz stehen und dann keinen mehr an sich heran. Knapp fünf Sekunden betrug beständig sein Vorsprung auf Samuel Melvin (USA), der erst auf den letzten Metern noch näher herankam. Dritter wurde überraschend noch Filip-Matej Pfeifer (Slowenien). Trainer Heino Zeidler erklärt das souveräne Auftreten seines Sohnes, der in 6:45,50 Minuten gewann, so: „Oli hat sich technisch und physisch über den Winter noch einmal verbessert. Die physische Leistungsfähigkeit bringt er auch aufs Wasser. Deshalb sieht es so souverän aus. Aber dennoch muss jedes Rennen neu erarbeitet und taktisch gut geplant werden, damit es hinten heraus auch aufgeht.“ Was nun für das A-Finale im allerletzten Rennen von Luzern `26 am Sonntag gilt.
Frauen-Zweier ohne besteht in einem engen Finish
Packenden Rudersport bot das Finish des zweiten Halbfinales im Frauen-Zweier ohne. Vier Boote kämpften auf den letzten Metern mit allem, was sie hatten, um die drei Plätze im A-Finale. Mittendrin das neue DRV-Boot mit Luise Bachmann und Tabea Schendekehl (RV Ingelheim und RC Hansa Dortmund), die sich in 7:05,25 Minuten mit dem dritten Rang hinter Chile und Frankreich belohnten. Nach Rang fünf in der Startphase ergriffen beide die Initiative und verdrängten Australien 1 nach der 1000-Meter-Marke von Rang drei. „Es war erwartet eng, aber die beiden haben es sehr gut gemacht“, sagte Bundestrainer Alexander Schmidt. „Wir hatten uns vorgenommen, im Endspurt noch etwas zuzulegen, da es im Vorlauf da noch etwas holprig war. Aber mit jedem Rennen sammeln beide Erfahrungen und werden stabiler.“ Tabea Schendekehl blickte schon mal auf das A-Finale voraus: „Wir sind zufrieden mit dem Rennen, aber morgen können wir die ersten 750 Meter noch etwas mutiger gestalten, um uns dann hoffentlich schon früher weiter nach vorne zu schieben. Wir freuen uns auf jeden Fall aufs A-Finale morgen!“
Konkurrenz zu stark für Männer-Zweier ohne
Keine echte Chance auf eine Qualifikation für das A-Finale hatten Leonard Brahms und Frederik Breuer (Berliner RC und Bonner RG) in ihrem Halbfinale. Erst war Rang vier für die beiden zementiert, in der zweiten Rennhälfte rutschten sie dann auf Rang fünf nach hinten und hatten in 6:37,23 Minuten deutlichen Rückstand auf die vier Boote vor ihnen. „Es war definitiv noch nicht optimal“, sagte Bundestrainer Heiner Schwartz. „Ziel war es, länger mit den Favoriten auf das Finale mitzugehen. Das hat geklappt, forderte aber auf der zweiten Streckenhälfte seinen Preis.“ Brahms und Breuer, die bisher studienhalber in England trainierten, werden nun die kommenden Maßnahmen in Deutschland komplett bestreiten. Das lässt auf einen weiteren Leistungszuwachs hoffen.
Kampf und taktische Disziplin beim Frauen-Doppelzweier
Nach 500 Metern waren sie noch Letzte im ersten Halbfinale des Frauen-Doppelzweiers. Aber dann nahmen Lisa Gutfleisch und Sarah Wibberenz (Heidelberger RK und RC Havel Brandenburg) ihr Herz in die Hand und wurden belohnt. Bei der 1500-Meter-Marke waren beide erstmals auf Rang drei hinter Niederlande und Irland 2 vorgestoßen und gaben den auch nicht mehr her. Die Freude war groß, das in Sevilla noch knapp verpasste A-Finale in 6:55,34 Minuten erreicht zu haben. Beide schlugen im Ziel erleichtert aufs Wasser, als sie das Ergebnis realisiert hatten. Auch Bundestrainer Marcin Witkowski zollte Lisa und Sarah seinen Respekt: „Der Weg ins A-Finale war definitiv hart erkämpft. Sie haben das Rennen taktisch perfekt absolviert. Eine 1:39 auf den letzten 500 Metern haben beide außerdem noch nie geschafft.“
Männer-Vierer ohne muss sich mit Rang fünf begnügen
Sie träumten vom A-Finale, aber Mark Hinrichs, René Schmela, Benedict Eggeling und Jasper Angl (Limburger ClfW, Berliner RC, RC Favorite Hammonia und RV Münster) mussten ihr Vorhaben angesichts der starken Konkurrenz begraben. Weiter als auf Rang vier kam die in Dortmund trainierende Crew während des ersten Halbfinales im Männer-Vierer ohne nie nach vorne. Am Ende wurde es Platz fünf in 6:00,17 Minuten. „Leider konnten wir uns nicht noch mal steigern. Dass Großbritannien 1 auf der Nebenbahn so weg ging und Wellen erzeugte, hat die Jungs etwas kirre gemacht“, sagte Bundestrainerin Sabine Tschäge. „Wir haben uns vorgenommen, fünf bis zehn Prozent mehr zu investieren. Das ist aber nach hinten losgegangen. Wir waren viel zu bissig und haben zu wenig Bootsgeschwindigkeit erzeugt“, sagte Schlagmann Jasper Angl.
Männer-Doppelvierer glänzt nicht nur im Mittelteil
Der Begriff „Bullenvierer“ wurde 1974 erfunden und bezeichnete den deutschen Vierer, der damals in München Olympiasieger wurde. Möglicherweise haben sich Marc Weber, Felix Heinrich, Jonas Gelsen und Ole Hohensee (Frankfurter RG Germania, RK Normannia Braunschweig, RC Nassovia Höchst und Stralsunder RC) in näherer Zukunft diesen oder einen ähnlichen Beinamen verdient. Im ersten Halbfinale zeigte die für diese Saison neu formierte Mannschaft eine mitreißende Performance und hielt bei ihrem Sieg in 5:47,52 Minuten auch das namhaft besetzte Boot aus Großbritannien nieder. „Ein tolles Rennen, wir sind sehr zufrieden. Wir wollten auf den mittleren 1000 Metern unsere Stärken ausspielen und nicht wieder alles über den Endspurt regeln, das ist sehr gelungen. Nun hoffen wir, dass wir das am Sonntag auch umsetzen können“, sagte Bundestrainer Eric Johannesen für sich und Kollege Francesco Fossi. Felix Heinrich äußerte sich ähnlich: „Es hat sehr viel Spaß gemacht, dass wir das Tempo heute selbst bestimmen konnten. Unser Ziel ist auch immer, etwas zu lernen, und das haben wir heute geschafft.“ Ums Lernen gehe es auch im A-Finale am Sonntag wieder. „Noch koordinierter zu spurten, das ist die letzte Registerkarte, die wir noch ziehen können“, meinte Heinrich.
Zwei C-Finals mit positivem Ausklang
Zwei deutsche Boote standen am Samstag in den C-Finals, beide gestalteten den Regatta-Ausklang für sich positiv. Max John und Hanno Brach (Olympischer RC Rostock und Gießener RG) gestalteten das Rennen überlegen vom Start bis ins Ziel und gewannen in 6:42,99 Minuten. Damit belegten die beiden Riemen-Ersatzleute in der Gesamtwertung Rang 13.
Gut lief es auch für Oliver Holtz und Arno Gaus (Rostocker RC und Bonner RG) im C-Finale der Männer-Doppelzweier. Das wegen des Unfall-Pechs von Moritz Küpper erst in Luzern gebildete Boot ruderte hinter Griechenland und den Individuellen Neutralen Athleten auf den dritten Platz (6:24,01) und wurden Gesamt-15. „Wir haben umgesetzt, mit Arno auf Schlag konnten wir besser mitspielen. Ich denke, dass wir in der Zeit bis zur Europameisterschaft Ende Juli noch große Schritte werden gehen können“, sagte Bundestrainer Eric Johannesen.
Events
Boote
| Vorlauf 3 | 7:13.76 | 1 . Platz | |
| Viertelfinale 1 | 6:49.07 | 1 . Platz | |
| Halbfinale A/B 2 | 6:45.50 | 1 . Platz | |
| Finale A |
| Vorlauf 4 | 6:35.59 | 4 . Platz | |
| Finale C | 6:24.01 | 3 . Platz |
| Vorlauf 3 | 5:48.28 | 1 . Platz | |
| Halbfinale A/B 1 | 5:47.52 | 1 . Platz | |
| Finale A |
| Vorlauf 4 | 7:49.40 | 2 . Platz | |
| Halbfinale A/B 2 | 7:28.46 | 3 . Platz | |
| Finale A |
| Vorlauf 1 | 7:12.53 | 3 . Platz | |
| Halbfinale A/B 1 | 6:55.34 | 3 . Platz | |
| Finale A |
| Vorlauf 1 | 6:22.38 | 2 . Platz | |
| Finale A |
| Vorlauf 2 | 6:37.57 | 4 . Platz | |
| Halbfinale A/B 1 | 6:37.23 | 5 . Platz | |
| Finale B |
| Vorlauf 3 | 6:45.38 | 4 . Platz | |
| Finale C | 6:42.99 | 1 . Platz |
| Vorlauf 2 | 5:59.74 | 2 . Platz | |
| Halbfinale A/B 2 | 6:00.17 | 5 . Platz | |
| Finale B |
| Vorlauf 1 | 5:29.73 | 2 . Platz | |
| Finale A |
| Vorlauf 1 | 7:14.23 | 2 . Platz | |
| Halbfinale A/B 2 | 7:05.24 | 3 . Platz | |
| Finale A |
| Vorlauf 2 | 6:08.35 | 3 . Platz | |
| Finale A |
| Finale A |
| Vorlauf 1 | 9:44.93 | 4 . Platz | |
| Finale B |
| Vorrennen/Bahnverteilungsrennen | 7:16.13 | 1 . Platz | |
| Finale A |