Toller Tag: Gold für Bier und Umbach, Silber für Shah und Rühling, alle vier olympischen Vierer machen A-Finals klar
Das Daumendrücken für die deutschen Vierer in den Halbfinals der olympischen Klassen hat geholfen. Alle vier Boote zogen mit starken Leistungen in die A-Finals der Weltmeisterschaft in Amsterdam ein. Auf ein Ergebnis in dieser Breite an einem Tag hat der Deutsche Ruderverband im olympischen Bereich lange warten müssen, es bestätigt die Aufbauarbeit der letzten eineinhalb Jahre. Der Männer-Doppelvierer und der Frauen-Doppelvierer wurden nach den guten Ergebnissen im bisherigen Saisonverlauf den Erwartungen gerecht. Der Männer-Vierer und der erst während der Saison aufgebaute Frauen-Vierer überzeugten heute vollends mit starken Rennen.
Der erste Finaltag in der Stadt, die durch ihre Grachten so eng mit dem Wasser verflochten ist wie wenige sonst, brachte dem DRV auch die ersten Medaillen. Mit einem unwiderstehlichen Endspurt krönte sich der PR2 Mixed-Doppelzweier mit Jasmina Bier und Paul Umbach (RG Hansa Hamburg und RC Nürtingen) zum Weltmeister. Nach WM-Silber im letzten Jahr gab es erstmals WM-Gold für die beiden Para-Athleten. Naveen Shah und Maximilian Rühling holten Silber im Leichtgewichts-Doppelzweier der Männer – wenige Wochen, nachdem sie U23-Weltmeister in dieser Bootsklasse geworden waren. Bitter endete das A-Finale im Leichtgewichts-Einer für Fabio Kress. Wie im Vorjahr wurde er WM-Vierter und schrammte knapp an der erhofften Medaille vorbei.
Männer-Vierer stößt von Vier auf Zwei vor
Der Männer-Vierer hat seinen Höhenflug auch im WM-Halbfinale fortgesetzt. Wie Jasper Angl, Mark Hinrichs, Benedikt Eggeling und René Schmela (RV Münster, Limburger ClfW, RC Favorite Hammonia, Berliner RC) auf den letzten 500 Metern von Rang vier auf Platz zwei vorstießen, das hatte Klasse und war vielleicht der packendste Moment des Regatta-Tages aus deutscher Sicht. Die Niederlande gewannen das hochklassige Rennen, neben Deutschland rutschte auch Neuseeland als Dritter ins A-Finale. Die zwischendurch auf Platz zwei liegenden Chinesen hatten offenbar overpaced und mussten sich mit Rang vier begnügen.
„Heute haben wir uns schwergetan, unseren Streckenschlag auf den mittleren 1000 Metern zu finden. Da waren wir nicht konstant genug. Aber mit Herz und Willen haben wir unser Ziel erreicht. Wir wollten auf Teufel komm raus das A-Finale erreichen“, sagte Jasper Angl. „Wir haben die Mittel besser zu fahren. Aber heute können wir stolz darauf sein, dass es auch gereicht hat, wenn mal nicht so gut klappt“, erzählte Mark Hinrichs, der den Endspurt initiiert hatte.
Eine klare Sache für den Männer-Doppelvierer
Nichts anbrennen ließ der Männer-Doppelvierer in seinem Semifinale mit Platz zwei knapp hinter Großbritannien. Auch die USA schafften als Dritter den Sprung ins A-Finale am Samstag. Bei der 1500-Meter-Marke hatten sich die drei Top-Boote schon vom Rest des Feldes abgesetzt und mussten nicht mehr restlos alles geben. Tschechien, das anfangs noch mitgemischt hatte, war bereits zurückgefallen. Marc Weber, Felix Heinrich, Jonas Gelsen und Ole Hohensee (Frankfurter RG Germania, RK Normannia Braunschweig, RC Nassovia Höchst und Stralsunder RC) konnten zufrieden sein. „Es war ein gutes Rennen, aber noch nicht perfekt. Ich denke, die Mannschaft wird für den Kampf im Finale am Samstag bereit sein. Es wird sehr spannend werden.“, sagte Bundestrainer Francesco Fossi.
Frauen-Vierer im Halbfinale hellwach
Der Frauen-Vierer mit Hannah Reif, Paula Hartmann, Annabelle Bachmann und Pia Greiten (Frankfurter RG, Mainzer RV, RV Ingelheim und Osnabrücker RV) war im Halbfinale hellwach. Das deutsche Boot kam sehr gut vom Start weg und reihte sich bis zur 500-Meter-Marke bereits hinter die beiden Lauf-Favoriten Australien und Niederlande auf Platz drei ein. Den dritten Qualifikationsrang für das A-Finale gab das DRV-Quartett dann nicht mehr her. Alle Attacken von Irland verpufften, Greiten & Co. wahrten bis zur Ziellinie den klaren Vorsprung und sicherten Rang drei hinter Australien und Niederlande. Das A-Finale am Freitag war erreicht. „Es war ein sehr gutes, kämpferisches Rennen“, freute sich Bundestrainer Alexander Schmidt.
Frauen-Doppelvierer behauptet den dritten Rang
Kein Vergleich zum schwierigen Vorlauf war das Rennen des Frauen-Doppelvierers. Maren Völz, Juliane Faralisch, Johanna Debus und Frauke Hundeling (RC Potsdam, Frankfurter RG Germania, RV Hellas Offenbach und Deutscher RC) mischten in einem spannenden Rennen mit ständigen Führungs- und Positionswechseln kräftig mit. Dass das Boot zwischendurch auch mal nur auf Rang fünf lag, spielte für die deutschen Ruderinnen offenbar keine Rolle. Bei 1500 Metern hatte sich die Situation bereits geklärt. Laufsieger USA und Rumänien auf Rang zwei waren durch, und das DRV-Boot hatte das Duell mit der Schweiz um den dritten Platz im Finale so gut wie für sich entschieden. 1,34 Sekunden lagen auf dem Zielstrich nur zwischen den Deutschen und den wiedererstarkten Schweizerinnen, die sich bei der EM noch durchgesetzt hatten, aber das täuschte. „Unser Ziel war es, nach dem Vorlauf zu einer guten Qualität zurückzufinden. Die Mannschaft hat das gut gemacht. Trotzdem haben wir weiter am Renneingang Probleme, aber es gab eine konsequente Mitte und auch die letzten 500 Meter wurden so gefahren“, sagte Bundestrainer Marcin Witkowski.
Fabio Kress erneut auf dem undankbaren Rang vier
Ein WM-Finale der Wendungen entwickelte sich im Leichtgewichts-Männer-Einer. Was durchaus nach dem Geschmack der Zuschauer war, brachte Fabio Kress (Akademischer RC Würzburg) wie schon vor einem Jahr in Shanghai auf den undankbaren vierten Platz. Nach seinem Halbfinalsieg ging Kress das Rennen erneut selbstbewusst an und lag bei 500 Metern vorne. Das hohe Tempo konnte er allerdings nicht halten und fiel auf Rang drei hinter Überraschungssieger Griechenland und Mexiko zurück. Auf den letzten Metern verwehrte ihm der Endspurt von Titelverteidiger Uruguay auf Rang zwei auch noch die Bronzemedaille.
„Fabio ist natürlich mit Platz vier unglücklich. Er hat den Rennplan eingehalten und das gefahren, was möglich war. Ich bin mit dem Rennen zufrieden, nur nicht mit der Platzierung“, sagte Trainer Andreas Holz.
Shah und Rühling freuen sich auch über Silber
Auf Gold hatten beide gehofft, es wurde Silber für den Leichtgewichts-Männer-Doppelzweier mit Naveen Shah und Maximilian Rühling (RV Kurhessen-Cassel und Mainzer RV) - hinter dem überraschend starken Boot aus Usbekistan. Der neue Weltmeister trat vom Start weg die Flucht nach vorne an, bei der 1000-Meter-Marke hatte das junge deutsche Boot als Zweiter schon über fünf Sekunden Rückstand. Ein Überholmanöver von Indien konnten die U23-Weltmeister schnell wieder bereinigen. Auch dem bekannten Endspurt von Shah und Rühling hielten die Usbeken stand und holten sich somit mit 1,94 Sekunden Vorsprung auf das DRV-Boot den Titel. Bronze ging an die USA.
„Das stolze Gefühl überwiegt, dass wir es geschafft haben, Silber zu holen und auch bei den Älteren mitmischen zu können“, sagte Maximilian Rühling. „Wir hatten uns schon riesig gefreut, dass wir für den A-Bereich qualifizieren konnten“, sagte Naveen Shah.
Johanna Reichardt gewinnt B-Finale
Angriff war die Taktik für Johanna Reichardt (Akademischer RC Würzburg) im B-Finale des Leichtgewichts-Einers der Frauen – und die setzte sie zu 100 Prozent um. Auf dem zweiten Teilstück übernahm sie die Führung von der späteren Zweitplatzierten Joan Poh (Singapur) und baute sie bis ins Ziel immer weiter aus. Reichardt gab alles, das wurde mit dem überlegenen Sieg und Rang sieben in der WM-Gesamtwertung belohnt. Für Reichardt, die lange Doppelzweier mit ihrer Zwillingsschwester Marion gefahren war, ein schöner Erfolg.
Bier und Umbach entthronen China
Jasmina Bier und Paul Umbach (RG Hansa Hamburg und RC Nürtingen) feierten ihren bisher größten Erfolg im Para-Rudern. Mit einem langen Endspurt bezwangen sie Titelverteidiger China und krönten sich nach der Silber-Medaille im vergangenen Jahr selbst zum Weltmeister. Bis zur 1500-Meter-Marke konnten sich mit den führenden Chinesen, dem DRV-Boot, Israel und Usbekistan noch vier Mannschaften Hoffnungen auf Rang eins machen. Dann begannen Bier und Umbach ihren Endspurt, der etwas früher geplant war als sonst bei ihnen üblich, und China hatte dem nichts mehr entgegenzusetzen. Mit fast einer Sekunde Vorsprung holten die Deutschen Gold, Silber ging an China und Bronze an Israel.
„Absolut geiles Gefühl“, sagte Paul Umbach nach dem Rennen. Beide hatten sich auf sich konzentriert und keine Zeit für Blicke auf die Konkurrenz gehabt. „Ich hatte nur mein Rennen im Kopf“, sagte Jasmina Bier. „Danke auch an alle, die das möglich gemacht haben nach meiner Verletzung.“
„Es ist schon eine kleine Überraschung, dass es trotz Jasminas Verletzung im Saisonverlauf zum Titel gereicht hat. Aber wir konnten das Boot durch gezieltes Training wieder schnell machen. Mein Glückwunsch an die Beiden und Stephan Froelke, ihren Trainer“, sagte Para-Bundestrainer Marc Stallberg. Für ihn war auch die gute Stimmung am deutschen Stand nach den Erfolgen der Vierer ein Grund, dass Umbach und Bier ebenfalls positiv ins Finale gingen. Die Integration des Para-Ruderns sei vollends vollzogen: „Das Team mischt sich immer mehr und mir persönlich macht es viel Spaß, Trainer in diesem gemeinsamen Team zu sein.“
Mixed-Vierer im A-Finale auf Rang sechs
Für den PR3 Mixed-Vierer mit Steuermann war das Erreichen des A-Finales ein Erfolg. Hermine Krumbein, Jan Helmich, Daniel Müller-Groß, Susanne Lackner und Till Martini (RK Normannia Braunschweig, RC Hansa Dortmund, RTHC Bayer Leverkusen, Mannheimer RV 'Amicitia' und Olympischer RC Rostock) konnten gegen die starke Konkurrenz nichts ausrichten und wurden mit einigem Rückstand Sechster. „Der Vierer ist einen super Vorlauf gefahren. Wir sind noch nicht so weit, dass wir Im A-Finale mithalten können, aber wir werden weiter arbeiten“, sagte Bundestrainer Marc Stallberg. Die USA gewannen vor Großbritannien und Frankreich.
„Unverständnis ruft bei uns hervor, dass der Kurs des Kamerabootes ab der Hälfte der Strecke in letzter Konsequenz bewirkte, dass das Boot nicht mehr steuerbar war. Auf Rennkursen dieser Art, mit mehreren Kameras an Land, die mitfahren, haben diese Kamerabootes nicht zu suchen und gefährden letztendlich die Mannschaften“, sagte Bootstrainer Sebastian Fuchs.
Marcus Klemp kraftsparend
Alles nach Plan lief im Vorlauf des PR1 Männer-Einers für Marcus Klemp (Olympischer RC Rostock): Kraft gespart und dennoch direkt ins Halbfinale gerudert. Hinter Eric Horrie (Australien), einem der Medaillenkandidaten in Amsterdam, ruderte Klemp auf den zweiten Platz. Nun konzentriert er sich auf sein Halbfinale am Freitag, die Qualifikation für das A-Finale ist das Ziel des EM-Vierten.
So geht es am Freitag weiter
Im Einer stehen für Oliver Zeidler und Alexandra Föster am Freitag die Viertelfinals an. Zeidler trifft dabei auch auf seinen Schweizer Trainingskollegen Kai Schaetzle, der seinen Vorlauf ebenfalls gewinnen konnte (13:32 Uhr). Föster muss sich unter anderem mit Viktorija Senkute (Litauen) und Kateryna Dudchenko (Ukraine) auseinandersetzen (13:20 Uhr). Die ersten Drei kommen jeweils ins Halbfinale.
Die B-Finals mit deutscher Beteilung stehen im Frauen-Zweier (13:55 Uhr) und im Frauen-Doppelzweier (14:07 Uhr) an, ebenso das Halbfinale im PR1 Männer-Einer (16:15 Uhr). Abschließender Höhepunkt aus deutscher Sicht soll das A-Finale im PR3 Mixed-Doppelzweier (16:58 Uhr) werden. Valentin Luz und Kathrin Marchand wollen ihren im Vorjahr errungenen WM-Titel verteidigen. Ein Selbstläufer wird das nicht, auch wenn Beide im Doppelzweier noch ungeschlagen sind. „Ich war so nervös vor dem Vorlauf“, verriet Marchand auf ihrem Instagram-Account.
Events
Boote
| Vorlauf 4 | 7:24.15 | 1 . Platz | |
| Viertelfinale 2 |
| Vorlauf 4 | 8:03.41 | 3 . Platz | |
| Viertelfinale 4 |
| Vorlauf 1 | 7:45.72 | 2 . Platz | |
| Halbfinale A/B 2 | 7:24.32 | 1 . Platz |
| Vorlauf 2 | 8:54.29 | 3 . Platz | |
| Halbfinale A/B 2 | 8:31.98 | 4 . Platz |
| Vorlauf 2 |
| Vorlauf 3 | 7:22.38 | 5 . Platz | |
| Finale C | 6:54.48 | 3 . Platz |
| Vorlauf 3 | 7:56.78 | 3 . Platz | |
| Halbfinale A/B 2 | 7:29.74 | 4 . Platz | |
| Finale B |
| Vorlauf 5 | 6:50.38 | 3 . Platz | |
| Viertelfinale 3 | 6:45.44 | 2 . Platz | |
| Halbfinale A/B 2 | 6:36.28 | 5 . Platz | |
| Finale B |
| Vorlauf 2 | 7:43.22 | 3 . Platz | |
| Halbfinale A/B 2 | 7:19.12 | 6 . Platz | |
| Finale B |
| Vorlauf 2 | 7:16.61 | 1 . Platz | |
| Finale A | 6:23.87 | 2 . Platz |
| Vorlauf 3 |
| Vorlauf 2 | 9:17.44 | 1 . Platz | |
| Finale A | 8:08.26 | 1 . Platz |
| Vorlauf 2 | 7:47.44 | 1 . Platz | |
| Finale A |
| Vorlauf 3 | 6:24.70 | 2 . Platz | |
| Halbfinale A/B 2 | 6:00.15 | 2 . Platz |
| Vorlauf 3 | 7:31.33 | 4 . Platz | |
| Halbfinale A/B 1 | 6:44.19 | 3 . Platz |
| Vorlauf 2 | 6:16.11 | 1 . Platz | |
| Halbfinale A/B 2 | 5:44.61 | 2 . Platz |
| Vorlauf 2 | 6:59.92 | 4 . Platz | |
| Halbfinale A/B 2 | 6:24.38 | 3 . Platz |
| Vorlauf 2 |
| Vorlauf 1 |
| Finale A |