Vier Goldmedaillen zum Weltcup-Auftakt – DRV setzt starkes Ausrufezeichen in Sevilla
Mit vier Goldmedaillen und je einem vierten, fünften und sechsten Platz in den Finals und zahlreichen wertvollen Erkenntnissen ist der Deutsche Ruderverband (DRV) erfolgreich in die internationale Saison 2026 gestartet. Beim ersten Weltcup der Saison in Sevilla überzeugten insbesondere die deutschen Skullboote und sorgten für einen gelungenen Auftakt in Richtung Weltmeisterschaften. Olympiasieger Oliver Zeidler, der Männer-Doppelvierer und der Frauen-Doppelvierer krönten ihre starken Leistungen mit Siegen in den A-Finals. Hinzu kam Gold im Mixed-Doppelzweier von Sarah Wibberenz und Arno Gaus.
Besonders beeindruckend war die Dominanz der deutschen Skullflotte in einem absoluten Weltklassefeld, denn ungewöhnlich früh waren auch Australien und Neuseeland in den Weltcup eingestiegen. Der Frauen-Doppelvierer setzte sich in einem hochklassigen Finale gegen Großbritannien und Rumänien durch, während der Männer-Doppelvierer in einem dramatischen Endspurt die Niederlande um wenige Hundertstelsekunden auf Rang zwei verwies. Oliver Zeidler ließ im Männer-Einer erneut keinen Zweifel an seiner Ausnahmestellung aufkommen und gewann souverän den Weltcup-Auftakt. Die deutschen Siege, die im letzten Rennen durch den Erfolg im Mixed-Doppelzweier ergänzt wurden, bildeten den Höhepunkt eines Wochenendes, das aus deutscher Sicht deutlich mehr Licht als Schatten bereithielt.
Frauen-Doppelvierer mit perfektem Rennen
Für die erste Goldmedaille sorgten Maren Völz, Juliane Faralisch, Johanna Debus und Frauke Hundeling im Frauen-Doppelvierer. In einem hochklassigen Rennen verwiesen sie Großbritannien und Rumänien auf die Plätze und bestätigten ihre starken Leistungen aus den Vorläufen. Noch im Halbfinale hatten sie die starken Britinnen ziehen lassen müssen, heute setzte Frauke Hundeling und ihre Crew aber wirklich eine perfekte Rennstrategie um. In 6:30,15 min distanzierte das deutsche Quartett GBR mit 43 Hundertstel Vorsprung und setzten ein erstes Ausrufezeichen für das deutsche Team.Trainer Marcin zeigte sich nach dem Rennen auch sehr erfreut, denn dieser Achtungserfolg gibt der ganzen Truppe sicherlich Auftrieb.
Männer-Doppelvierer beweist Nervenstärke
Wenige Minuten später legte der Männer-Doppelvierer nach. Marc Weber, Jonas Gelsen, Felix Heinrich und Ole Hohensee lieferten sich mit den Niederlanden bis auf die Ziellinie einen packenden Kampf und setzten sich schließlich mit lediglich 16 Hundertstelsekunden Vorsprung durch. Die Crew zeigte insbesondere auf den letzten 500 Metern außergewöhnliches Stehvermögen und sicherte Deutschland die zweite Goldmedaille des Tages. Bei der 1500m Marke hatten sich die Niederländer leicht weg geschoben, aber Ole Hohensee und seine drei Mitruderer ließen sich nicht aus der Ruhe bringen und blieben dran. Die Trainer Fossi und Johannesen hatten ihr Boot wirklich auf dieses eng und hochklassigen Rennen perfekt vorbereitet.
Oliver Zeidler erneut eine Klasse für sich
Den Höhepunkt der deutschen Goldserie bildete Oliver Zeidler im Männer-Einer. Trotz eines unerwarteten Problems unmittelbar vor dem Start behielt der Olympiasieger die Ruhe. „Kurz vor dem Rennen ist mein Griff kaputt gegangen. Wir konnten das zwar provisorisch reparieren, aber optimal war die Vorbereitung dadurch nicht. Umso schöner, dass das Rennen dann trotzdem so gut gelaufen ist“, berichtete Zeidler nach seinem Sieg. Zeidler kontrollierte das Finale von Beginn an und gewann mit deutlichem Vorsprung in 6:47,61 min vor Zalaty (6:54,12 min) und dem sprintstarken Belgier Vanderbusche (6:57,32 min).
„Es ist noch früh in der Saison und wir haben sicherlich noch Entwicklungspotenzial. Heute ging es vor allem darum, nichts anbrennen zu lassen und die Basis für die kommenden Wochen zu legen“, sagte Zeidler.
Alexandra Föster konnte nach ihren sehr starken Auftritten im Vorlauf und auch im Halbfinale heute im Konzert der Einerfahrerinnen am Ende nicht mitspielen. Hier wird man sicherlich die Analyse mit Trainer Kleinsorgen und Athletin nach dem Wochenende auswerten, um die nächsten Schritte der eigentlich positiv gestarteten Saison festzulegen.
Zum Abschluss konnten Sarah Wibberenz und Arno Gaus in einem Drei-Boote Feld im Mixed-Doppelzweier mit einer starken Leistung in 6:47,75 die Goldmedaille gewinnen gegen zwei Boote aus Venezuela.
Frauen-Doppelzweier gewinnt B-Finale
Eine starke Leistung zeigte auch der Frauen-Doppelzweier mit Sarah Wibberenz und Lisa Gutfleisch. Nachdem das Duo im Halbfinale den Einzug ins A-Finale nur hauchdünn verpasst hatte, reagierte die Mannschaft eindrucksvoll und gewann das B-Finale souverän.
„Wir sind mit einer Mischung aus Selbstvertrauen und Neugier in die Regatta gegangen. Wir wollten sehen, wo wir international stehen. Im Vorlauf haben wir gemerkt, dass wir durchaus mithalten können. Im Halbfinale hat dann ganz wenig gefehlt, obwohl wir auf einer Außenbahn unterwegs waren. Das war natürlich enttäuschend, weil wir von den Zeiten her gezeigt haben, dass wir ins A-Finale gehören können“, sagte Lisa Gutfleisch.
Dennoch überwog am Ende die Zuversicht. „Wir haben über die gesamte Regatta einen klaren Entwicklungsschritt gemacht. Das B-Finale zu gewinnen, hat gutgetan. Mit noch etwas mehr gemeinsamer Trainingszeit werden wir beim nächsten Mal sicherlich noch näher an die Spitze heranrücken.“
Frauen-Vierer sammelt wichtige Erfahrungen
Für den neu formierten Frauen-Vierer ohne Steuerfrau stand in Sevilla vor allem die Entwicklung im Vordergrund. Im B-Finale zeigte die Mannschaft eine verbesserte Leistung und konnte wichtige Erkenntnisse für die kommenden Wochen sammeln.
„Wir hatten heute ein anderes Rennen als in den vergangenen Tagen. Unser Ziel war es vor allem, unser eigenes Rennen zu fahren und einige technische Aspekte besser umzusetzen. Besonders auf den ersten 500 Metern und in der Spurarbeit haben wir Fortschritte gemacht. Darauf können wir aufbauen und ich freue mich auf die weitere Arbeit in den nächsten Wochen“, erklärte Leandra Hogrefe.
Achter mit Steigerung zum Vortag
Der Deutschland-Achter belegte im Finale Rang vier hinter den Niederlanden, Großbritannien und Rumänien. Auch wenn das Ergebnis noch nicht den eigenen Ansprüchen entspricht, zeigte die Crew im Vergleich zum ersten Wettkampftag eine Leistungssteigerung. Bei der 500-Meter-Marke lagen Sönke Kruse, Theis Hagemeister, Tassilo von Müller, Tobias Strangemann, Olaf Roggensack, Mattes Schönherr, Paul Klapperich, Ole Bartenbach und Steuermann Jonas Wiesen knapp vorn, wurden dann von den Niederländern und kurz nach Streckenhälfte auch von den Briten überholt. Auf dem letzten Streckenabschnitt zogen schließlich auch die Rumänen vorbei. „Auf den ersten 1000 Metern haben wir gesehen, dass es möglich ist, mit der Weltspitze mitzufahren. Wir sind offensiv ins Rennen gegangen und dann den Heldentod gestorben. Wenn der Ofen aus ist, dann ist es vorbei“, sagte Theis Hagemeister, der am heutigen Sonntag seinen 29. Geburtstag feierte – aber schließlich nicht den erhofften und möglichen Medaillengewinn. Sönke Kruse: „Aus dem Testrennen haben wir wichtige Schlüsse gezogen. Es ist immer ärgerlich, wenn man die Medaille verpasst und am Ende übersprintet wird. Wir hatten den Tank leergefahren. Aber das ist kein Grund zu Sorge.“
Der Frauen-Achter erreichte Rang fünf. Dabei musste die Mannschaft erneut personelle Ausfälle kompensieren und kurzfristig umstellen. Hier wird Trainer Alexander Schmidt jetzt mit Cheftrainer Marcus Schwarzrock eine Analyse aufgrund der Krankheitsfälle machen, um die Weichen in Richtung WM zu stellen.
Der Männer-Vierer ohne ruderte mit Ersatzmann auf den dritten Platz im B-Finale, der Zweier ohne mit Breuer/ Brahms zeigte ein starkes Rennen und kam auf Rang zwei hinter den Norwegern ins Ziel. Der Männer-Doppelzweier mit Gaus/ Küpper zeigte in diesem sehr stark besetzten Feld eine gute Leistung im B-Finale und holte Rang 4. Bedenkt man, dass die Sinkovis-Brüder nur ins C-Finale gerudert sind, zeigt das eindrucksvoll die Leistungsdichte in diesem Feld.
Cheftrainer Schwarzrock zieht positives Fazit
DRV-Cheftrainer Marcus Schwarzrock zeigte sich nach dem ersten Weltcup-Wochenende insgesamt zufrieden: „Vier Goldmedaillen beim ersten Weltcup sind ein hervorragendes Ergebnis. Natürlich hat nicht alles perfekt funktioniert, aber die Entwicklung vieler Mannschaften stimmt mich optimistisch. Besonders erfreulich war, dass einige Mittelboote deutlich weiter vorne mitfahren konnten als noch in der vergangenen Saison.“
Lob fand Schwarzrock insbesondere für die Skullboote: „Der Frauen-Doppelvierer ist ein perfektes Rennen gefahren. Auch der Männer-Doppelvierer hat auf den letzten Metern außergewöhnliches Stehvermögen bewiesen. Und Oliver Zeidler ist einfach einzigartig. Ihm beim Rudern zuzuschauen, ist eine Augenweide.“ Gleichzeitig sieht der Cheftrainer weiteres Entwicklungspotenzial: „Im Achter haben wir bereits eine Steigerung gegenüber Freitag gesehen. Auch bei den Frauen-Riemenbooten wissen wir, dass noch Reserven vorhanden sind. Darauf werden wir in den kommenden Wochen aufbauen.“
Erfolgreicher Auftakt mit Blick auf die Saisonhöhepunkte
Mit vier Goldmedaillen, mehreren Finalplatzierungen und guten Leistungen in den heutigen B-Finals verlässt die deutsche Mannschaft Sevilla als eine der erfolgreichsten Nationen des Weltcups. Besonders die Leistungen der Skullboote machen Hoffnung auf die weiteren Weltcup-Stationen und die Weltmeisterschaften im weiteren Saisonverlauf.
Der erste internationale Formtest des Jahres hat gezeigt: Deutschlands Ruderinnen und Ruderer sind bereits früh in der Saison konkurrenzfähig – und verfügen in vielen Bootsklassen noch über weiteres Entwicklungspotenzial. Was aber auch jetzt schon klar ist. Die Niederlande, Rumänien und auch GBR haben starke Teams entwickelt und gerade die A-Finals sind ausgeglichen und hochklassig, wie selten zuvor.
Events
Boote
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