02. Aug. 2026 | Nationalmannschaft | von Hans Strauss

DRV Zweiter im Medaillenspiegel, das gibt viel Rückwind für die WM

Der König des Männer-Einers: Oliver Zeidler brillierte auch in Varese und wurde zum vierten Mal Europameister. Foto: meinruderbild
So schnell wie auf dem Weg zum erneuten Europameister-Titel waren sie noch nie: Valentin Luz und Kathrin Marchand. Foto: meinruderbild
Silber bei der Europameisterschaft: der Männer-Achter mit Sönke Kruse, Theis Hagemeister, Olaf Roggensack, Mattes Schönherr, Tassilo von Müller, Julius Christ, Paul Klapperich, Frederik Breuer und Jonas Wiesen (von rechts). Sönke Kruse, Theis Hagemeister, Olaf Roggensack, Mattes Schönherr, Tassilo von Müller, Julius Christ, Paul Klapperich, Frederik Breuer und Jonas Wiesen. Foto: meinruderbild
Freuten sich über ihre Silbermedaille: der Mixed-Doppelzweier mit Juliane Faralisch und Arno Gaus. Foto: meinruderbild
EM-Silber für den Mixed-Achter mit Sarah Wibberenz, Lisa Gutfleisch, Hannah Reif, Frauke Hundeling, Benedict Eggeling, Tobias Strangemann, Leonard Brahms, René Schmela und Till Martini. Foto: meinruderbild
Nach dem Titel im letzten Jahr nun EM-Silber im Leichtgewichts-Einer der Männer: Fabio Kress. Foto: meinruderbild
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Die Europameisterschaft in Varese war für den Deutschen Ruderverband eine große Erfolgsgeschichte. Am Sonntag (2. August 2026) wurde das Medaillenkonto mit zwei Gold- und vier Silbermedaillen noch einmal kräftig aufgefüllt. Einer-Sieger Oliver Zeidler und der Para-Doppelzweier mit Kathrin Marchand und Valentin Luz wurden jeweils in Rekordzeit Europameister. Vier Mal Silber ging an den Männer-Achter, den Mixed-Zweier mit Juliane Faralisch und Arno Gaus, den Mixed-Achter und an Fabio Kress im Leichtgewichts-Einer.

In der Gesamtrechnung wurde Deutschland im Medaillenspiegel mit fünf Mal Gold, sechs Mal Silber und ein Mal Bronze Zweiter hinter Rumänien (6-1-1) und vor Großbritannien (5-1-0). Die exzellente Bilanz schmälert nicht, dass nicht alle Nationen mit dem besten Team am Start waren. Für das letzte, schon am Dienstag beginnende Trainingslager in Varese und die Weltmeisterschaft ab 21. August in Amsterdam ist nun viel Rückenwind vorhanden.

"Insgesamt haben wir hier eine gute Regatta erlebt. Es hat noch nicht alles funktioniert, aber es war schon ein schöner Erfolg hier mit den zwölf Medaillen, davon sechs in den olympischen Bootsklassen. Wir wissen, bei der WM werden die Gegner quantitativ und qualitativ noch einmal zulegen, aber wir werden jetzt hart trainieren und versuchen, in Amsterdam wieder anzugreifen", sagte Cheftrainer Marcus Schwarzrock.

Die Regatta musste wegen einer Gewitterwarnung über zwei Stunden lang unterbrochen werden. Die Rennen wurden danach im kürzeren Abstand gestartet, die Siegerehrungen wurden im Boot ohne Fahnen und Hymnen vorgenommen. Dennoch verlängerte sich die Regatta um 40 Minuten. Die deutsche Mannschaft erreichte alle Flüge in die Heimat aber noch rechtzeitig.

Männer-Einer

Und wieder war es eine überlegene Siegesfahrt. Oliver Zeidler (Frankfurter RG Germania) zeigte auch im EM-Finale des Männer-Einers, dass ihn derzeit kein Konkurrent gefährden kann. In 6:36,39 Minuten verbesserte er dabei auch seinen erst am Vortag aufgestellten Championship-Rekord erneut. Es ist der vierte EM-Titel für Zeidler, der damit mit dem bisherigen Rekordhalter Ondrey Synek aus Tschechien gleichgezogen hat. Silber und Bronze gingen in Varese an Yauheni Zalaty (AIN) und den amtierenden Weltmeister Stefanos Ntouskos (Griechenland).

Zeidler war nach dem Rennen "sehr, sehr zufrieden. Heute bin ich vor allem auf Sieg gefahren, nicht auf Zeit wie schon in den beiden Tagen vorher. Außerdem wollte ich zeigen, dass ich auch sprinten kann auf den letzten 250 Metern. Jetzt geht`s mit breiter Brust nach Amsterdam."

Männer-Achter

Sie hatten auf Gold gehofft, es wurde Silber: Um eine knappe Länge zog der Männer-Achter im erwarteten Duell um den Europameister-Titel gegen Rumänien den Kürzeren. Beide Boote lagen auf den ersten 1000 Metern meist gleichauf in Führung, bei 1250 Metern zog Rumänien den ersten erfolgreichen Zwischenspurt an und blieb bis ins Ziel vorne. Damit gab es den gleichen Einlauf wie im Bahnverteilungsrennen. Dritter wurde mit einer weiteren Länge Rückstand Italien. Mit einem Platztausch – Sönke Kruse ging im Wechsel mit Paul Klapperich in den Bug – hatte Trainer Mark Emke versucht, noch einige Prozente mehr an Leistung herauszukitzeln. "Wir sind ein solides Rennen gefahren, aber zum Ende hin haben wir noch Luft nach oben. Wir schauen jetzt, dass wir im Training noch möglichst viel aufbauen zur WM", sagte Schlagmann Frederik Breuer.

Den Deutschland-Achter fuhren Sönke Kruse, Theis Hagemeister, Olaf Roggensack, Mattes Schönherr, Tassilo von Müller, Julius Christ, Paul Klapperich, Frederik Breuer und Jonas Wiesen (RV Münster, Frankfurter RG Germania, RC Tegel, RC Potsdam, RK am Baldeneysee, RTHC Bayer Leverkusen, Bonner RG, Bonner RG und RG Treis-Karden).

Frauen-Achter

Für den Frauen-Achter ging die Hoffnung auf eine EM-Medaille nicht in Erfüllung. Im Finale kam das deutsche Boot nicht vom vierten Platz weg. Den Titel holte sich nach einem starken Rennen wie bei den Männern Rumänien, Silber ging an Großbritannien und Bronze an Gastgeber Italien. „Wir sind erst Mal enttäuscht , wir hatten schon das Ziel, die Bronze-Medaille zu holen. Glückwunsch an Italien, sie sind ein sehr starkes Rennen gefahren“, sagte  Bundestrainer Alexander Schmidt. Zum Rennen sagte er: „Wir sind mit dem Rennangang nicht unzufrieden, kurz vor den 1000 Metern haben wir unsere Struktur etwas verloren. Der Abstand zu GB heute war deutlich geringer als noch in Luzern.“ 

Das deutsche Boot bildeten Paula Hartmann, Nora Peuser, Antonia Galland, Annabelle Bachmann, Pia Greiten, Olivia Clotten, Luise Bachmann, Tabea Schendekehl und Florian Koch (Mainzer RV, RU Arkona Berlin, RC am Baldeneysee, RV Ingelheim, Osnabrücker RV, Neusser RV, RV Ingelheim, RC Hansa Dortmund und Donau-RC Ingolstadt)

Mixed-Doppelzweier

Juliane Faralisch und Arno Gaus (Frankfurter RG Germania und Bonner RG) gewannen ihren Vorlauf am frühen Morgen sicher vor der Ukraine und kamen ins Finale. Dann hieß es sechs Stunden Warten wegen der Unterbrechung der Regatta nach Gewitterwarnung. Das verhinderte ein gutes Rennen im Finale nicht. Faralisch und Gaus holten Silber, im Ziel mit einer Sekunde Rückstand auf Rumänien. 

Mixed-Achter

Für den silbernen EM-Abschluss sorgte der Mixed-Achter, der hinter Rumänien ins Ziel fuhr und sich über seinen Erfolg sehr freute. Das Boot bildeten Sarah Wibberenz, Lisa Gutfleisch, Hannah Reif, Frauke Hundeling, Benedict Eggeling, Tobias Strangemann, Leonard Brahms, René Schmela und Till Martini (RC Havel Brandenburg, Heidelberger RK, Frankfurter RG Germania, Deutscher RC, RC Favorite Hammonia, RV Dorsten, Berliner RC, Berliner RC und Olympischer RC Rostock)

Frauen-Einer

Dritte des B-Finales und damit EM-Neunte wurde Alexandra Föster (RC Meschede). Klare Siegerin wurde die Dänin Frieda Sanggaard Nielsen vor der Rumänin Bianca-Camelia Efteni.  Beim knappen Aus im Halbfinale war Föster stark gefordert worden.

Männer-Einer PR1 

Marcus Klemp (Olympischer RC Rostock) beeindruckte mit starken letzten 500 Metern im A-Finale. Er kassierte den Franzosen Alexis Sanchez noch ein und schaffte mit Platz fünf im das angepeilte Ergebnis. Da der Ukrainer Roman Polianskyi nachträglich disqualifiziert wurde, rückte Klemp sogar noch auf den vierten Rang vor. Europameister wurde der favorisierte Brite Benjamin Pritchard.

Mixed-Doppelzweier PR3 

Valentin Luz und Kathrin Marchand (Frankfurter RG Germania und RTHC Bayer Leverkusen) haben ihren beeindruckenden Rennen im EM-Finale ein weiteres hinzugefügt. Unangefochten gelang dem Erfolgsduo in Varese die Titelverteidigung. Dabei fuhren sie in 6:55,91 Minuten auch die schnellste Zeit ihrer Karriere. Da nicht bei einer Veranstaltung des Ruder-Weltverbandes erzielt, zählt sie nur als Championship-Rekord der EM. Die offizielle Weltbestzeit, auch von Luz/Marchand gehalten, ist langsamer (6:58,64). "Beide sind ein tolles Rennen gefahren, wir sind stolz auf die Beiden ", sagte Bundestrainer Marc Stallberg.

Leichter Männer-Einer

Fabio Kress (Akademischer RC Würzburg) holte alles aus sich heraus im Finale der leichten Männer-Einer. Als Einziger blieb er  in Kontakt mit dem Griechen Petros Gkaikatzidis  und lag bei der 1500-Meter-Marke nur eine Länge hinter ihm. Doch Gkaikatzidis vergrößerte im Endspurt seinen Vorsprung, holte Gold. Kress aber sicherte Rang zwei ab und holte nach Gold im vergangenen Jahr nun Silber. Das ist umso wertvoller, weil er seit der deutschen Kleinboot-Meisterschaft im April keine weitere Regatta bestritten hatte. 

Leichter Frauen-Einer

Johanna Reichardt (Akademischer RC Würzburg) hielt sich im Finale gut, am Ende wurde es der fünfte Platz für sie. Die Medaillen gingen an AIN, die Niederlande und Griechenland.

Fazit von DRV-Sportvorstand Robert Sens

"Es ist sehr schön, dass wir bei der Europameisterschaft Zweiter der Gesamtwertung geworden sind. Das heißt, die Richtung stimmt. Wir tun uns aber einen Gefallen, dass wir das Abschneiden nicht überbewerten. Jeder, egal ob er nun gewonnen hat oder nicht, muss an den nächsten Schritten feilen. Die harte Arbeit der letzten eineinhalb Jahre, sie muss weitergeführt werden. Der Erfolg sollte uns anspornen, noch besser, noch präziser zu werden. Wir sind noch nicht da, wo wir hinwollen, wir haben weiter die Rolle des Verfolgers. Drei harte Wochen bis zur WM und dann auch eine fordernde WM stehen vor uns.

Was mich sehr freut, ist, wie unsere Athleten und Athletinnen füreinander da sind, achtsam miteinander umgehen und wie sich alle für die anderen Mannschaften freuen. Unser Teamspirit ist auch im Trainer- und Betreuerkreis positiv spürbar. Ich bin sehr stolz, ein Teil dieser wunderbaren Gesamtmannschaft zu sein."

Events

Boote

Vorlauf 2 6:46.45 1 . Platz
Halbfinale A/B 1 6:37.86 1 . Platz

Vorlauf 3 7:37.40 3 . Platz
Halbfinale A/B 2 7:22.58 4 . Platz
Finale B 8:19.55 3 . Platz

Vorlauf 2 9:14.38 3 . Platz

Vorlauf 1 6:55.94 2 . Platz

Vorrennen/Bahnverteilungsrennen 7:54.45 5 . Platz

Vorlauf 1 6:33.16 5 . Platz
Finale B 6:31.69 2 . Platz

Vorlauf 2 7:02.63 1 . Platz
Finale A 7:01.52 4 . Platz

Vorrennen/Bahnverteilungsrennen 6:54.96 1 . Platz
Finale A 6:49.72 1 . Platz

Vorlauf 2 6:16.94 5 . Platz
Halbfinale A/B 2 6:24.84 5 . Platz
Finale B 6:17.62 4 . Platz

Vorlauf 2 6:54.08 2 . Platz
Finale A 6:53.62 6 . Platz

Vorlauf 2 6:48.40 1 . Platz
Finale A 6:28.86 2 . Platz

Vorrennen/Bahnverteilungsrennen 8:14.44 1 . Platz
Finale A 8:03.84 1 . Platz

Vorrennen/Bahnverteilungsrennen 6:57.52 1 . Platz
Finale A 6:55.91 1 . Platz

Vorlauf 1 5:52.09 2 . Platz
Finale A 5:46.22 3 . Platz

Vorlauf 2 6:29.77 2 . Platz
Finale A 6:24.65 2 . Platz

Vorlauf 2 5:43.57 2 . Platz
Finale A 5:37.21 1 . Platz

Vorlauf 1 6:17.59 2 . Platz
Finale A 6:12.85 2 . Platz

Vorrennen/Bahnverteilungsrennen 5:26.34 2 . Platz
Finale A 5:28.85 2 . Platz

Vorrennen/Bahnverteilungsrennen 6:23.22 3 . Platz
Finale A 6:06.01 4 . Platz