01. Aug. 2026 | Nationalmannschaft | von Hans Strauss

Sechs Mal Edelmetall für den DRV, der Männer-Doppelvierer glänzt bei seinem Sieg

Europameister im Männer-Doppelvierer: Marc Weber, Felix Heinrich, Jonas Gelsen und Ole Hohensee. Foto: meinruderbild
Erneut Europameister im PR2 Mixed-Doppelzweier: Paul Umbach und Jasmina Bier. Foto: meinruderbild
EM-Silber im Frauen-Doppelvierer: Frauke Hundeling, Johanna Debus, Juliane Faralisch und Maren Völz. Foto: meinruderbild
EM-Silber im Frauen-Vierer: Paula Hartmann, Hannah Reif, Pia Greiten und Annabelle Bachmann mit Unterstützern. Foto: meinruderbild
EM-Bronze im Männer-Vierer: Jasper Angl, Mark Hinrichs, Benedict Eggeling und René Schmela. Foto: meinruderbild
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Neun Mal wurden am Samstag (1. August 2026) bei der Ruder-Europameisterschaft in Varese Medaillen mit deutscher Beteiligung vergeben, immerhin sechs Mal standen Athletinnen und Athleten des Deutschen Ruderverbands mit auf dem Podest. Drei Mal Gold, zwei Mal Silber und ein Mal Bronze – so teilte sich das Edelmetall auf. Vier Medaillen entstammten dem olympischen Bereich. Der Männer-Doppelvierer krönte sich zum Europameister, jeweils Silber ging an den Frauen-Doppelvierer und Frauen-Vierer, und Bronze holte sich der Männer-Vierer. Gerade im Riemen-Bereich gingen damit für den DRV langjährige Durststrecken zu Ende. „Wir sind zufrieden und auf einem sehr guten Weg“, sagte Cheftrainer Marcus Schwarzrock.

Im Para-Rudern setzte der Mixed-Doppelzweier PR2 mit seiner erfolgreichen Titelverteidigung nach einem packenden Rennen den ersten Höhepunkt des Tages aus deutscher Sicht. Und auch die Leichtgewichts-Community durfte sich freuen, denn der Männer-Zweier wurde seiner Favoritenstellung gerecht und gewann ebenfalls Gold.

Das war viel Licht, Schatten gab es drei Wochen vor dem Beginn der Weltmeisterschaften in Amsterdam aber auch. Der Frauen-Zweier und der Frauen-Doppelzweier konnten in ihren Finals ihre Möglichkeiten nicht ausschöpfen, das Aus von Alexandra Förster im Halbfinale des Frauen-Einers war eine negative Überraschung. Auf Oliver Zeidler war hingegen Verlass. Der Olympiasieger zog mit Championship-Rekordzeit ins Finale am Sonntag ein, niemand scheint ihn derzeit stoppen zu können.

Männer-Doppelvierer

Prädikat „Besonders Wertvoll“: Marc Weber, Felix Heinrich, Jonas Gelsen und Ole Hohensee (Frankfurter RG Germania, RK Normannia Braunschweig, RC Nassovia Höchst und Stralsunder RC) kontrollierten das Finale der Männer-Doppelvierer im Stile eines Champions und verwiesen die Mitfavoriten Polen und Kroatien auf die Plätze zwei und drei. Als der große Titel eingetütet war, auf den er trotz vieler Erfolge lange warten musste, riss sich Weber im Bug vor Begeisterung mit dem Skull sein Trikot in Fetzen. Für alle Ruderer und auch für die Bundestrainer Francesco Fossi und Eric Johannesen war das ein großer Erfolg - und außerdem der erste deutsche EM-Sieg in dieser Bootsklasse seit 2013.

Aus dem verpatzten Start im Vorlauf hatte das Quartett verblüffend schnell gelernt und war vom Start weg vorne dabei. Der radikale Endspurt, zu dem die Mannschaft stets fähig ist, musste nicht sein. „Wie wir das Rennen heute gestaltet haben, das war schon nahezu perfekt“, sagte Eric Johannesen. „Das Selbstvertrauen, das wir mit dem Erfolg heute tanken, ist wichtig, um bei der WM dann drei Rennen stabil gestalten zu können.“ Das Ziel dort ist, da redet keiner drum herum, eine Medaille.

Frauen-Vierer

Riesenfreude beim Frauen-Vierer und auch bei den Verantwortlichen: das neu gebildete Boot holte bei seiner Regatta-Premiere überraschend gleich EM-Silber. Ein guter Start und die Spurtfähigkeit am Ende sorgten dafür, dass Hannah Reif, Paula Hartmann, Annabelle Bachmann und Pia Greiten (Frankfurter RG Germania, Mainzer RV, RV Ingelheim und Osnabrücker RV) noch auf Rang zwei kletterten. Es war die erste deutsche Medaille, seit der Frauen-Vierer olympisch ist. Großbritannien gewann Gold, die AIN holten Bronze und Rumänien, das bei 1500 Metern noch Rang zwei behauptet hatte, ging leer aus.

„Alle sind super happy, dass sie ihre gute Vorlaufleistung noch mal abrufen konnten, das ist für eine so kurzfristig zusammengesetzte Mannschaft sehr bemerkenswert. Wir hatten im Training viel Spaß und diese Lockerheit konnten wir beibehalten“, sagte Bundestrainer Alexander Schmidt. 

„Ich glaube, im Vorlauf sind wir fast noch besser weggefahren. Aber wir sind cool geblieben, haben die zweiten 1000 heute richtig gut gemacht und einen Super-Endspurt gesetzt“, sagte Schlagfrau Pia Greiten, die dem Boot mit ihrer großen Erfahrung viel Stabilität verleiht. 

Frauen-Doppelvierer

Die dritte deutsche EM-Medaille im olympischen Bereich holt mit Silber der Frauen-Doppelvierer. Maren Völz, Juliane Faralisch, Johanna Debus und Frauke Hundeling freuten sich über ihre gute Leistung. Sie mussten sich in einem spannenden A-Finale nur knapp mit Luftkastenlänge wie schon im Vorlauf der starken Schweiz beugen. Großbritannien spielte überraschend nur eine Nebenrolle und wurde Vierter. Um die Verteilung lieferten sich Schweiz, Deutschland und Rumänien einen packenden Kampf mit häufigen Führungswechseln.

„Ich bin sehr zufrieden mit diesem Ergebnis. Es war ein hart umkämpftes Rennen. Angesichts der laufenden WM-Vorbereitungen und der Teilnahme an den Finals letzte Woche hat sich die Mannschaft sehr gut geschlagen“, sagte Bundestrainer Marcin Witkowski. 

„Zuerst war wichtig, dass wir konstant über die ganze Distanz so konstant gefahren sind. Umso besser, dass es dann Silber geworden ist. Es ist ein gutes Ergebnis. Gleichzeitig sind wir eine Gruppe, die immer etwas verbessern will. Wir nehmen viel mit, freuen uns aber auch darauf, jetzt noch mal hart zu arbeiten, damit wir die WM genauso genießen können“, sagte Juliane Faralisch. 

Männer-Vierer

Auf eine Medaille hat auch ein deutscher Männer-Vierer lange gewartet. Das letzte Edelmetall in dieser Bootsklasse gab es 2019, EM-Bronze in Luzern. Jasper Angel, Mark Hinrichs, Benedikt Eggeling und Rene Schmela (RV Münster, RC Favorite Hammonia, Limburger ClfW, Berliner RC) holten im EM-Finale nun ebenfalls Bronze. Hinter Großbritannien und Rumänien behauptete das DRV-Boot stabil über das gesamte Rennen Rang drei und machte seinen Traum wahr.

„Ein traumhaftes Jahr. Nach der Geburt meiner Tochter jetzt die Medaille – Wahnsinn. Es tut gut zu spüren, dass ich noch verstehe, wie das Rudern funktioniert“, sagte Schlagmann René Schmela. „Das Vierer-Feld ist so eng. In Luzern waren wir mit Platz elf gefühlt schon nah dran. Im Trainingslager haben wir dann einen Riesenschritt gemacht. Mit der Konstanz von zwei guten Rennen freuen wir uns jetzt auf die WM in Amsterdam“, sagte Mark Hinrichs.

Frauen-Zweier

Luise Bachmann und Tabea Schendekehl belegen im A-Finale den vierten Platz hinter Rumänien, Tschechien und Italien. Die Medaillenränge kamen für das deutsche Boot in diesem Rennen nicht in Reichweite. Tschechien hatten beide im Vorlauf noch hinter sich gelassen. Sie waren zu langsam losgefahren, das war bei schnellen Bedingungen nicht wettzumachen. Rumänien holte souverän EM-Gold vor Tschechien und Gastgeber Italien.

„Grundsätzlich bin ich nicht unzufrieden, aber wir hatten natürlich schon Richtung Medaille geschielt“, sagte Bundestrainer Alexander Schmidt. „Wir verlieren am Start immer noch zu viel Zeit, dadurch kommt Stress auf und die Schlagstruktur leidet oft darunter. Wir müssen da noch cooler, präziser und beweglicher werden, dann kann man in diesem breit gefächertem Feld nach vorn kommen.“

Frauen-Doppelzweier

Lisa Gutfleisch und Sarah Wibberenz (Heidelberger RK und RC Havel Brandenburg) gingen ihr A-Finale mutig an und legten den drittbesten Start hin. Danach wurden sie bei schnellen Bedingungen aber nach hinten durchgereicht und EM-Sechste.

„Die Beiden sind ein wenig ratlos, was passiert ist. Eindeutig fehlte es an Frische in dieser Phase der WM-Vorbereitung“, sagte Bundestrainer Marcin Witkowski in einer ersten Reaktion. 

Frauen-Einer

Der mächtige Endspurt von Alexandra Föster (RC Meschede) kam zu spät. Um eine Zehntelsekunde verpasste sie die Teilnahme am A-Finale, eine Enttäuschung. Sie belegte den vierten Platz im Halbfinale hinter Jovana Arsic (Serbien), Aurelia-Maxima Janzen (Schweiz) und Kataryna Dudchenko (Ukraine). Fösters Einer war letztes Wochenende bei den Finals in Hannover nach den Rennen zu Bruch gegangen, sie war im Ersatzboot unterwegs. „Ich hatte eigentlich das Gefühl, ein gutes Rennen gefahren zu haben. Es war sehr schnell und wenn man die Zeiten im anderen Halbfinale ansieht, ist das knappe Ausscheiden doppelt bitter“, sagte Alex Föster.

Männer-Einer

Oliver Zeidler (Frankfurter RG Germania) gelang im Viertelfinale des Männer-Einers die Rekordjagd, die sich schon im Vorlauf am Freitag angedeutet hatte. Er siegt im Halbfinale unangefochten mit neuer EM-Bestzeit von 6:37,86 Minuten. Damit verbesserte er die Bestmarke von Yauheny Zalaty (AIN), die dieser im Vorjahr aufgestellt hatte. Einmal mehr blieb Zalaty der zweite Platz hinter Zeidler, dieses Mal mit über fünf Sekunden Rückstand. „Der Plan fürs Halbfinale war, schnell rauszugehen, die ersten 1000 Meter volldurchzuziehen und dann das Rennen zu kontrollieren. Dass dabei ein Championship-Rekord heraussprang, ist ein schönes Nebenprodukt, das wir gerne mitgenommen haben. Fürs A-Finale morgen ist Olli jetzt klarer Favorit“, sagte Heino Zeidler, Vater und Trainer. 

Männer-Zweier

Leonard Brahms und Tobias Strangemann (Berliner RC und RV Dorsten) verabschiedeten sich mit dem zweiten Platz im B-Finale 1:32 Sekunden hinter Slowenien gut von der EM und wurden Gesamt-Achte. Auf den letzten Metern wehrten sie den Angriff von Norwegen entschlossen ab. „Wir sind sehr zufrieden. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, auf Sieg zu fahren. Das hat am Ende nicht ganz gereicht. Aber es ist gut zu wissen, dass wir uns zum Ende noch mal ordentlich steigern konnten“, sagte Brahms.

Männer-Doppelzweier

Für Oliver Holtz und Arno Gaus (Rostocker RC und Bonner RG) endete die EM mit dem vierten Platz im B-Finale hinter Belgien, den Individuellen Neutralen Athleten und Moldawien. Das bedeutete Rang zehn in der Gesamtwertung. Der Endspurt des deutschen Doppelzweiers war entschlossen, aber die Rückstände waren schon zu groß.

„Das Rennen war für uns schon in Ordnung, es war auch sehr schnell, und die Anforderungen in dieser Bootsklasse, die für viele Nationen die erste Priorität ist, sind nun mal hoch. In der Mitte verlieren wir noch zu viel. Unser Blick geht jetzt Richtung Amsterdam, darauf werden wir uns gut vorbereiten und nach den Umfängen nun in die Rennspezifik gehen“, sagte Bundestrainer Eric Johannesen. 

PR2 Mixed-Doppelzweier

Das erste EM-Gold des Samstags für Deutschland holten Jasmina Bier und Paul Umbach (RG Hansa Hamburg und RC Nürtingen). Sie verteidigten ihren EM-Titel nach einem packenden Rennen erfolgreich. Um 0,40 Sekunden gaben sie der Ukraine, die sich wie vor einem Jahr mit dem zweiten Platz begnügen musste, im Endspurt das Nachsehen. Der lange Zweikampf Bordwand an Bordwand war eine Werbung für das Para-Rudern.

„Wir freuen uns über die gute Leistung, aber wir sind auf der Durchreise Richtung LA 2028. Deshalb bewerten wir das Rennen auch nüchtern und es geht mit der Trainingsarbeit weiter“, sagte Bundestrainer Marc Stallberg.

PR3 Mixed-Vierer mit Steuermann

Der neu zusammengestellte Mixed-Vierer belegte nach dem Bahnverteilungsrennen auch im Finale den vierten und letzten Platz. Nach dem Start fielen Hermine Krumbein, Jan Helmich, Daniel Müller-Groß, Susanne Lackner und Till Martini (RK Normannia Braunschweig, RC Hansa Dortmund, RTHC Bayer Leverkusen, Mannheimer RV Amicitia und Olympischer RC Rostock) immer weiter zurück und müssen bis zur WM im Training einfach noch an sich arbeiten.

Leichtgewichts-Männer Zweier

Das dritte deutsche Gold des EM-Samstags holten Patrick Erdmann und Johannes Ursprung (beide ARC Würzburg) im mit drei Booten besetzten Finale des Leichtgewichts-Männer-Zweiers. Sie fuhren trotz für sie schwieriger Bedingungen gegen Georgien und Moldau einen sicheren Sieg heraus und feierten den größten Erfolg ihrer Ruder-Laufbahn. „Im deutschen Trikot eine Goldmedaille zu holen, für mich geht damit ein Lebenstraum in Erfüllung“, sagte Erdmann überglücklich.

Das Programm am Sonntag

Am Schlusstag der EM stehen noch mindestens sieben Entscheidungen mit deutschen Booten an. Der Mixed-Zweier mit Arno Gaus und Juliana Faralisch muss sich im Vorlauf (8.35 Uhr) erst für das A-Finale qualifizieren.

Bei den Finals im Männer-Einer mit Oliver Zeidler (12:52 Uhr) und der Männer-Achter (12:07 Uhr) sollte das deutsche Medaillenkonto weiteren Zuwachs bekommen. Vielleicht überrascht dahingehend auch der Frauen-Achter (13:10 Uhr). Im Finale des PR3-Mixed-Zweiers sind Valentin Luz und Kathrin Marchand klar favorisiert (13:10 Uhr). Marcus Klemp bestreitet das Finale im PR1-Männer-Einer (11:05 Uhr). Im Leichtgewichtsbereich stehen für Johanna Reichardt (11:37 Uhr) und Fabio Kress (11:52 Uhr) in den Einern die Medaillen-Entscheidungen an. Mixed-Doppelzweier und Mixed-Achter (13:40 Uhr) beschließen die EM.

ARD berichtet ab 15:10 Uhr von der EM

World Rowing streamt die A-Finals auf seiner Webseite. Die ARD-Sportschau beschäftigt sich im ersten Programm zwischen 15:10 und 15:50 Uhr mit der deutschen Nationalmannschaft bei der EM. Reporter vor Ort ist Jonas Schützeberg.

Events

Boote

Vorlauf 2 6:46.45 1 . Platz
Halbfinale A/B 1 6:37.86 1 . Platz

Vorlauf 3 7:37.40 3 . Platz
Halbfinale A/B 2 7:22.58 4 . Platz
Finale B

Vorlauf 2 9:14.38 3 . Platz
Finale A

Vorlauf 1 6:55.94 2 . Platz
Finale A

Vorrennen/Bahnverteilungsrennen 7:54.45 5 . Platz
Finale A

Vorlauf 1 6:33.16 5 . Platz
Finale B 6:31.69 2 . Platz

Vorlauf 2 7:02.63 1 . Platz
Finale A 7:01.52 4 . Platz

Vorrennen/Bahnverteilungsrennen 6:54.96 1 . Platz
Finale A 6:49.72 1 . Platz

Vorlauf 2 6:16.94 5 . Platz
Halbfinale A/B 2 6:24.84 5 . Platz
Finale B 6:17.62 4 . Platz

Vorlauf 2 6:54.08 2 . Platz
Finale A 6:53.62 6 . Platz

Vorlauf 2

Vorrennen/Bahnverteilungsrennen 8:14.44 1 . Platz
Finale A 8:03.84 1 . Platz

Vorrennen/Bahnverteilungsrennen 6:57.52 1 . Platz
Finale A

Vorlauf 1 5:52.09 2 . Platz
Finale A 5:46.22 3 . Platz

Vorlauf 2 6:29.77 2 . Platz
Finale A 6:24.65 2 . Platz

Vorlauf 2 5:43.57 2 . Platz
Finale A 5:37.21 1 . Platz

Vorlauf 1 6:17.59 2 . Platz
Finale A 6:12.85 2 . Platz

Vorrennen/Bahnverteilungsrennen 5:26.34 2 . Platz
Finale A