WM-Vorschau, Teil 2: Das sind unsere Boote im Riemen, Mixed und im Leichtgewicht
Mit welchen Voraussetzungen und Chancen gehen die Boote des Deutschen Ruderverbandes bei den Weltmeisterschaften in Amsterdam an den Start? Teil 2 unserer detaillierten WM-Vorschau beschäftigt sich mit den Bereichen Männer Riemen, Frauen Riemen, Mixed-Boote und Leichtgewichtsrudern. Am Sonntagnachmittag werden in Amsterdam die Vorläufe ausgelost, dann steht fest, auf wen die deutschen Boote ab Montag (24. August 2026) treffen. Seitens der befürchteten Probleme mit Unkraut im Wasser gab es nach einem Taucher-Einsatz eine offizielle Entwarnung: Die Regatta-Strecke sei unkrautfrei.
Der Männer-Zweier
23 Boote sind gemeldet, ein großes Feld. Für den jungen deutschen Zweier mit Leonard Brahms und Tobias Strangemann (Berliner RC und RV Dorsten) wird die WM damit zur besonderen Herausforderung – und genau die nehmen die beiden mit großem Enthusiasmus an. Nach ihren ersten gemeinsamen internationalen Rennen bei der EM konnte das von Heiner Schwartz betreute Duo im Training weitere Kilometer sammeln und sich steigern. Viele etablierte Zweier treffen in Amsterdam aufeinander. Brahms und Strangemann wollen sich davon jedoch nicht beeindrucken lassen. Bei der EM erreichten beide das B-Finale und mischten dort als Zweiter vorne mit. Dieses Ergebnis soll nun bestätigt und möglichst verbessert werden.
Der Männer-Vierer
Der Vierer ohne Steuermann reist nach dem Gewinn der EM-Bronzemedaille mit Rückenwind nach Amsterdam. Nachdem zuletzt im Trainingslager in Ratzeburg verletzungsbedingt kurzzeitig Ersatzmann Hanno Brach einspringen musste, geht nun wieder rechtzeitig die bewährte Originalbesetzung aufs Wasser. René Schmela sitzt auf Schlag, dahinter Benedict Eggeling, Mark Hinrichs und Jasper Angl (Berliner RC, RC Favorite Hammonia, Limburger ClfW, RV Münster). „Wir sind wieder vollständig und in einem guten Takt“, berichtet Bundestrainerin Sabine Tschäge. Die Vierer-Crew hat über die Saison hinweg spürbare Fortschritte gemacht, dabei hat sich die Sitzreihenfolge als wichtiger Faktor erwiesen. „Es hat ein bisschen gebraucht, aber wir haben die Richtige gefunden. Das hat sich sehr schnell positiv bemerkbar gemacht“, sagt Tschäge und hebt die Qualitäten des Quartetts hervor: „Das Team ist technisch gut und kämpferisch stark eingestellt. Das sind echte Wettkampftypen.“
In Amsterdam soll die Mannschaft an die Leistung von Varese anknüpfen und sich erneut möglichst weit vorne behaupten. Nun wartet ein noch größeres Feld. Insgesamt 18 Boote kämpfen um den Einzug ins WM-Finale. Der Anspruch bleibt dennoch unverändert: Das A-Finale ist das Ziel, um dort nochmal alles rauszuholen. „Wir wollen uns so teuer wie möglich verkaufen“, so Tschäge.
Der Männer-Achter
Die Konkurrenz in Amsterdam ist groß: 13 Boote gehen an den Start, erstmals seit Langem sind wieder Halbfinals nötig. Da alle drei Rennen an den beiden Schlusstagen angesetzt sind, werden die Achter-Ruderer erst kommenden Mittwoch nach Amsterdam reisen und vorher zu Hause in Dortmund trainieren.
Mit zwei intensiven Einheiten und einer Pause dazwischen bildete der Achter am Donnerstag den WM-Sonntag nach, an dem zwischen Halbfinale und Finale ebenfalls nur wenige Stunden liegen. „Wir machen das, um den Wettkampf von Sonntag zu simulieren. Die zwei Rennen kurz nacheinander sind eine ungewohnte Herausforderung, aber wir nehmen das an“, sagt Bundestrainer Mark Emke.
Über die Saison hat sich der Deutschland-Achter kontinuierlich entwickelt. Vor allem im gemeinsamen Rhythmus und in der Präzision der Ruderschläge sieht Emke deutliche Fortschritte. Einen wichtigen Impuls brachte die Hereinnahme von Frederik Breuer, der direkt die Schlagposition übernahm. „Er macht das wie ein Uhrwerk und die Mannschaft zieht genauso mit“, findet Emke. Auch physisch habe sich das Team über die vergangenen Monate deutlich entwickelt. Gleichzeitig hat der Achter an seiner Fähigkeit gearbeitet, das hohe Tempo auch über die zweite Rennhälfte hochzuhalten. „Wir haben im Training gesehen, was möglich ist. Das ist jetzt unsere Aufgabe, es auch im Wettkampf umzusetzen“, so Emke.
Zuletzt holten Paul Klapperich, Theis Hagemeister, Olaf Roggensack, Mattes Schönherr, Tassilo von Müller, Julius Christ, Sönke Kruse, Frederik Breuer und Steuermann Jonas Wiesen (Bonner RG, Frankfurter RG Germania, RC Tegel, RC Potsdam, RK am Baldeneysee, RTHC Bayer Leverkusen, RV Münster, Bonner RG und RG Treis-Karden) bei der EM in Varese Silber. Auch bei der WM will der Deutschland-Achter wieder um die Medaillen mitkämpfen. „Wir wollen aufs Podium. Je höher, je besser“, sagt Emke. Neben den EM-Gegnern haben auch die Nationen aus Übersee und vor allem Olympiasieger Großbritannien und der Weltmeister aus den Niederlanden größte Ambitionen.
Für Emke ist die Weltmeisterschaft auch eine Rückkehr in die Heimat: Der Niederländer kennt die Strecke in Amsterdam bestens und wird auf viele Bekannte treffen.
Der Frauen-Zweier
Die WM ist erst die dritte gemeinsame Regatta für Luise Bachmann und Tabea Schendekehl (RV Ingelheim und RC Hansa Dortmund). Für das neue Boot, das die beiden physisch stärksten Riemerinnen zusammenführte, ist der Weg ins A-Finale vielleicht schwierig, aber auch machbar. Bundestrainer Alexander Schmidt hat beim Mindestziel schon die Olympia-Qualifikation im kommenden Jahr im Auge, wo das Boot unter die ersten Elf müsste, um direkt in Los Angeles dabei zu sein. Sechste beim Weltcup III, Vierte bei der Europameisterschaft – das waren die bisherigen Saisonplatzierungen für Bachmann und Schendekehl, die in Paris Olympia-Bronze mit dem Doppelvierer geholt hatte. 20 Boote sind gemeldet. Regina Salmons und Mia Levy (USA) haben zwei der drei Weltcups in diesem Jahr gewonnen, Rumänien tritt mit Paris-Gold- und Silber-Gewinnerin Simona Radis am Schlag an.
Der Frauen-Vierer
Silber bei der Europameisterschaft hinter Großbritannien war ein blendender Start für das erst nach der Luzern-Regatta gebildete Boot mit Hannah Reif, Paula Hartmann, Annabelle Bachmann und Pia Greiten (Frankfurter RG Germania, Mainzer RV, RV Ingelheim und Osnabrücker RV). Das darf aber nicht zu Euphorie verleiten, was die Aussichten für die WM angeht. Die Konkurrenz wird stark sein. Bei der finalen Vorbereitung zeigten sich Ermüdungserscheinungen. „Da müssen wir gerade etwas aufpassen“, sagt Bundestrainer Alexander Schmidt. Der Einzug ins A-Finale wäre bereits ein großer Erfolg für die neue Mannschaft, Rang sieben wäre die Messlatte für die Olympia-Quali nächstes Jahr. Pia Greiten, die nach erfolgreichen Skull-Jahren nun auf Riemen gewechselt ist, kann am Schlag ihre Erfahrung ausspielen. Rumänien, die Niederlande und Neuseeland bilden den Favoritenkreis im 13-Boote-Feld.
Der Frauen-Achter
Eine schwierige Saison hat bisher der Achter hinter sich und das ist auch im WM-Vorfeld so geblieben. Zwei Sportlerinnen fielen in der finalen Vorbereitung verletzt bzw. erkrankt aus, mittlerweile sieht es aber nach Entwarnung aus. Normalerweise sitzen im Großboot fünf Doppelstarterinnen aus Zweier und Vierer. Die geplante Besetzung bilden Nora Peuser, Paula Hartmann, Olivia Clotten, Antonia Galland, Pia Greiten, Annabelle Bachmann, Luise Bachmann, am Schlag Tabea Schendekehl und Steuermann Florian Koch (RU Arkona Berlin, Mainzer RV, Neusser RV, RC am Baldeneysee, Osnabrücker RV, RV Ingelheim, RV Ingelheim, RC Hansa Dortmund, Donau RC Ingolstadt). Neu unter den Ersatzruderinnen ist Julia Irmler (RC Witten), die nach der U23-WM mit Bronze im Achter berufen wurde.
Zehn Boote umfasst das WM-Feld, mit Vorläufen am Samstag und Finals am Sonntag ist das Programm hart. Um ins A-Finale zu kommen, müsste der Achter wahrscheinlich an seine derzeitige Grenze gehen. Fünfter und Sechster war er bei den Weltcups, bei der EM dann Vierter. Rumänien, Großbritannien und die USA sind die Favoriten.
Der Mixed-Doppelzweier
Zum zweiten Mal sind zwei Mixed-Wettbewerbe Teil eines WM-Programms. Vom Internationalen Olympischen Komitee wurden sie aber nicht ins Programm von Los Angeles 2028 aufgenommen. Dennoch ist die Beteiligung in Amsterdam groß. 18 Mixed-Doppelzweier treten am vorletzten und am letzten WM-Tag an. Juliane Faralisch und Arno Gaus (Frankfurter RG Germania und Bonner RG) bilden wie schon bei der EM die deutsche Besetzung, wo sie sich mit der Silber-Medaille gleich sehr gut eingeführt hatten. Das prominenteste Paar stellen die Gastgeber mit Roos de Jong und Simon van Dorp.
Der Mixed-Achter
Überschaubarer ist das Feld der Großboote. Nur sechs Nationen haben gemeldet, es wird also nur ein Rennen um die Medaillen geben – das letzte der WM am Sonntagnachmittag. Neben Deutschland sind Titelverteidiger Rumänien, die Niederlande, die USA, die Schweiz und Frankreich am Start. Das DRV-Boot gewann bei der EM Silber hinter Rumänien und hatte sichtlich Spaß an dem Wettkampf. Gemeldet sind erneut Sarah Wibberenz, Lisa Gutfleisch, Hannah Reif, Frauke Hundeling, Benedict Eggeling, Tobias Strangemann, Leonard Brahms, René Schmela und Steuermann Till Martini (RC Havel Brandenburg, Heidelberger RK, Frankfurter RG Germania, Deutscher RC, RC Favorite Hammonia, RV Dorsten, Berliner RC, Berliner RC und Olympischer RC Rostock). Die Besetzung kann sich auf Grund aktueller Anforderungen aber noch ändern.
Der Leichtgewichts-Einer der Männer
Die beiden Einer haben sich auch nach der Europameisterschaft dezentral vorbereitet. „Fabio Kress hatte schon zur EM ordentliche Grundgeschwindigkeit und gutes Sprintvermögen. Er konnte dies auch in seinen Läufen zeigen. In den Wochen vor der WM wurden nur noch mehr oder weniger Details geändert“, sagt Trainer Andreas Holz, der Kress betreuen wird. Ziel ist nach Platz vier im letzten Jahr in Shanghai nun, in die Medaillenränge zu rudern. Bei der EM war Kress (Akademischer RC Würzburg) das mit Silber bereits gelungen. 18 Leichtgewichts-Einer sind am Start, darunter auch der letztjährige Weltmeister Felipe Kluver Ferreira (Uruguay).
Der Leichtgewichts-Einer der Frauen
Das A-Finale zu erreichen, ist das Ziel von Johanna Reichardt (Akademischer RC Würzburg). Bei der EM hatte sie Rang fünf belegt. „Johanna hatte sehr wenige Rennen auf hohem Niveau, musste sich erstmal wieder herantasten. Mit sehr guten Ausdauerwerten war jetzt der Plan, den Start zu verbessern sowie die Spritzigkeit und Sprintfähigkeit zu erhöhen“, sagt Trainer Andreas Holz. 13 Boote nehmen die Herausforderung an.
Der Leichtgewichts-Doppelzweier der Männer
Wenige Wochen nach ihrem Titelgewinn bei der U23-Weltmeisterschaft in Duisburg starten Naveen Shah und Maximilian Rühling (RV Kurhessen-Cassel/Mainzer RV) zum ersten Mal bei einer A-Weltmeisterschaft und sind die jüngste Mannschaft im Elf-Boote-Feld. „Wir sind auf die Setzung gespannt und werden alles geben, um uns fürs Finale zu qualifizieren. Wenn die Jungs dort ein ähnliches Rennen wie in Duisburg fahren, würde ich ihnen zutrauen, Platz vier oder besser zu erreichen“, sagt Bernhard Rühling, der zusammen mit Julian Weber die Beiden trainiert. Naveen und Maximilian rudern mit einer Saison Unterbrechung seit 2023 zusammen, immer mit einem gemeinsamen Bild der zu erreichenden Rudertechnik vor Augen. Die Saisonvorbereitung erfolgt getrennt. Aufgrund des Niedrigwassers im Rhein sind beide für die Wassereinheiten der finalen WM-Vorbereitung auf den Nahestausee in Niederhausen ausgewichen. Hinsichtlich des Trainingsplans gab es Unterstützung durch den neuen Bundestrainer Tiago Loureiro am Stützpunkt in Mainz.
Den ersten Teil der WM-Vorschau mit den Bereichen Skull und Para finden Sie hier.