08. Nov. 2014 | Panorama | von Alexander Schock

Bamberger Rudergesellschaft feiert 100 Jahre Bootshaus im Hain

100 Jahre Bootshaus im Hain – ein Anlass, den die Bamberger Rudergesellschaft von 1884 e.V. mit einem Festwochenende gebührend feierte. Dass der Bamberger Traditionsverein nun schon seit 130 Jahren besteht, rückte dabei in den Hintergrund.

Bereits am Freitag begrüßte die Vorsitzende der Bamberger RG Brita Wagner fast 40 Ruderfreunde aus den Partnerstädten Bedford / England und Villach / Österreich. Privat bei Mitgliedern untergebracht, erkundigten die Gäste am Samstag zunächst die Altstadt Bambergs, die zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Nicht weniger interessant war für die Gäste die Brauereidichte, ein Besuch des "Schlenkerla" war obligatorisch.
Abends war dann der Saal im Bootshaus komplett gefüllt. Über 150 Gäste lauschten interessiert einem Vortrag über die 100-jährige Geschichte dieses Hauses. Unter den Gästen Freunde vom Bamberger Faltbootclub, aus den benachbarten Rudervereinen Erlangen und Nürnberg, der Ehrenvorsitzende der Bamberger RG und Vizepräsident des Bayerischen Ruderverbandes Bereich Finanzen Peter Scholler, die Vizepräsidentin des Bayerischen Ruderverbandes Bereich Verwaltung Sieglinde Marchner und vom benachbarte Schweinfurter Ruderclub der Präsident des Deutschen Ruderverbandes Siegfried Kaidel.
Zur Geschichte des Bootshauses: von der Gründung des Bamberger Ruderclubs 1884 vergingen 30 Jahre bis zum eigenen Bootshaus. In der Anfangszeit konnte man die Boote im Keller des 1720 erbauten Wasserschlosses Concordia unterbringen. Das eigentliche Clublokal wechselte bis 1914 mehrmals, ab 1909 hatte man ein Zimmer in der Gaststätte "Prinz Karl", wo man in einem Schrank die 20 Regattapreise aufbewahrte. Mit den Jahren und zunehmenden Bootspark wurde der Keller in der Concordia eng und man mietete zusätzlich Räume an. Mehrere Anträge an die Stadt, ein eigenes Bootshaus zu errichten, verliefen immer wieder im Sand.
Das änderte sich mit der Gründung des Regatta-Regnitz-Vereins 1909 in Frankfurt. Dessen Ziel war es, Deutsche Rudermeisterschaften in Bamberg auszutragen. Für die Durchführung und die Unterbringung der Ruderer wäre ein Bootshaus notwendig gewesen. Von da an zogen der Bamberger Ruderclub und der Regatta-Verein-Regnitz an einem Strang. Der entscheidende Augenblick zum Bau des Bootshauses war dann eine Wasserfahrt des Prinzregenten Luitpolds anlässlich der Einweihung des Bamberger Hafens. Er sicherte die Stiftung eines Preisgeldes bei einer überregional interessanten Regatta zu. In Bamberg sollte ein deutsches Henley entstehen. Und dann ging alles ganz schnell: Eingabe des Bauprojektes am 25.04.1912, Baubeginn am 24.03.1914. Zum Bau des Bootshauses musste noch das Badehaus "Salubitrati" versetzt werden. Und trotzdem konnte bereits im Juli das Boothaus in Anwesenheit König Ludwigs III eingeweiht werden.
Im Mai 1945 wurde das Haus von den Amerikanern beschlagnahmt und zu einem Tanzhaus umfunktioniert. Die Rudergesellschaft wich bis zur Rückgabe 1952 auf das ehemalige Bootshaus des Bamberger Rudervereins in der Wolfsschlucht aus.
Seitdem wurde das Haus mehrmals erweitert und immer wieder den Bedürfnissen angepasst. Heute lagern über 70 Boote in den 4 Hallen. Dazu gibt es für die fast 600 Mitglieder und die angeschlossene Ruderriege des Kaiser-Heinrich-Gymnasiums einen Gymnastikraum, eine Sauna und eine Handelkammer. Die verpachtete Gaststätte ist im Sommer wie Winter ein beliebter Anlaufpunkt. Nur wenige Biergärten können einen solchen Ausblick präsentieren wie der Biergarten im Bamberger Bootshaus. Mit Sicherheit ein Grund, wieso Wanderruderer gerne in Bamberg Halt machen.
Im Anschluss an den Vortrag bedankten sich der Präsident des Bedford Star Club, Simon Clark, und der Obmann des Villacher Ruderclubs, Manfred Wagner, für die Gastfreundschaft und betonten nochmals, wie gerne sie immer wieder nach Bamberg kommen. Und DRV-Präsident Siegfried Kaidel lobte die Entwicklung des Vereins in den letzten Jahren: die Bamberger RG zählt inzwischen zu den mitgliederstärksten Rudervereinen - nicht nur in Bayern sondern deutschlandweit. Die angebotenen Ruderkurse mit jährlich fast 100 Teilnehmern sprechen für das außerordentliche, ehrenamtliche Engagement. Und auch bei der Nachwuchsarbeit tut sich bei der Bamberger RG wieder etwas.
Der Sonntag des Festwochenendes startete mit der Taufe zweier Renn-Vierer. Zu diesem besonderen Anlass richtetet Bambergs Oberbürgermeister Andreas Starke und der Präsident des Bayerischen Ruderverbandes Thomas Stamm einige Worte an die anwesenden Gäste. Die Taufe des ersten Vierers wurde in perfektem Deutsch von Simon Clark vorgenommen: "ich taufe dich auf den Namen Heiner Kaufmann und wünsche dir allzeit gute Fahrt und eine Handbreit Wasser unter dem Kiel". Heiner Kaufmann, Europameister 1937 und Bronzemedaillengewinner bei den Olympischen Spielen 1936 im Achter, war Anfang der 50-er Jahre als Trainer von Wiking Berlin nach Bamberg gekommen. Unter seiner Leitung gewannen die Bamberger Waldemar Beck und "Maggi" Füssmann die Deutsche Meisterschaft im Doppelzweier und qualifizierten sich für die Olympischen Spiele 1952 in Helsinki.
Der zweite Vierer wurde vom Obmann des Villacher Ruderclubs, Manfred Wagner, auf den Namen "Richard Lips" getauft. Richard Lips war begeisterter Ruderer, Unterstützer und Ehrenmitglied der Bamberger RG. Er legte den Grundstein für die Städtepartnerschaft Bamberg - Villach und war sein Leben lang Triebfeder für die Freundschaft zwischen den Rudervereinen.
Im Anschluss an die Bootstaufe gingen insgesamt 24 Boote, darunter 11 Vierer und zwei Achter aufs Wasser. Der linke Regnitzarm war auf Höhe des Bootshauses mit Booten überfüllt und erinnerte so an die erste Bootsauffahrt im Jahre 1914 unter König Ludwig III. Während der Bootsauffahrt wurde von den Mitgliedern in der Sporthalle ein üppiges Buffet präsentiert. Dass das Wetter sich von der besten Seite zeigte, setzte diesem gelungenen Festwochenende die Krone auf.