Zeidler und Föster in der nächsten Einer-Runde, Klemps Endspurt setzt das Tages-Highlight
Mit Oliver Zeidler ist trotz eingeschränkter WM-Vorbereitung wie immer zu rechnen. Auch von einem Bootsschaden kurz vor dem Rennen ließ sich der Olympiasieger nicht aus der Ruhe bringen und startete als Vorlaufsieger in den Einer-Wettbewerb in Shanghai. „Es war ein guter Start nach über einem Jahr internationaler Rennpause. Ich bin mit dem Resultat und der Zeit sehr zufrieden und freue mich auf das Viertelfinale“, sagte Zeidler. Wie er erreichte Alexandra Föster die nächste Runde. Sie wurde Zweite in ihrem Vorlauf des Wettbewerbs im Frauen-Einer. Der Männer-Vierer ohne haderte nach seinem hauchdünnen Scheitern im Vorlauf mit dem neuen Modus ohne Hoffnungsläufe. Dagegen brachte Marcus Klemp seine gute Zeit ins A-Finale des Männer-Einers PR1.
Bootsschaden bringt Zeidler nicht aus der Ruhe
Von Unsicherheit aufgrund seiner ungewöhnlich kurzen WM-Vorbereitung und eines kleinen Bootsschadens war bei Oliver Zeidler nichts zu spüren. Eine lockere Leiste, die das Stemmbrett im Boot sichert, wurde von Bootsmeister Markus Schmitz kurz vor dem Rennen bemerkt. Die Bootsbauer von Empacher reparierten den Schaden. Der Zwischenfall brachte zwar „etwas mehr Spannung in die Sache“ (Trainer Heino Zeidler), weiter bemerkbar machte er sich aber nicht. Schon bei der ersten Zwischenzeit nach 500 Metern hatte der Olympiasieger und dreifache Weltmeister im vierten von fünf Vorläufen für klare Verhältnisse gesorgt und sich weit vor das restliche Feld gesetzt. Er kontrollierte das Rennen bis zur 1500 Meter-Marke, entschied sich dann aber, Kraft zu sparen, und nahm das Tempo deutlich heraus. Als der Rumäne Mihai Chrinta so nahekam, dass der Tagessieg in Gefahr geriet, zog Zeidler aber lieber noch einmal an und gewann mit 0,39 Sekunden Vorsprung relativ knapp vor dem Olympia-Siebten Chrinta.
Zeidlers Zeit war mit 6:44,91 Sekunden aber nur geringfügig schwächer als die der Mitfavoriten Simon Van Dorp (Niederlande) und Yauheni Zalaty (Unabhängige Neutrale Athleten), die ihre Vorläufe ebenfalls gewannen. Logan Ullrich (Neuseeland), ein weiterer Medaillenkandidat, musste sich mit Platz zwei hinter dem überraschend starken Lokalmatadoren Wei Han begnügen. Einen guten Eindruck hinterließ bei seinem Vorlaufsieg auch der Uruguayer Bruno Cetraro Barriolo.
„Es war ein solider Auftakt“, befand Heino Zeidler. „Wir wollten schnell rausgehen und das Feld von vorne dominieren, das hat sehr gut geklappt. Leider ist der Wind von Rennen zu Rennen etwas mehr eingeschlafen, aber mit dem Ergebnis und der Zeit bin ich sehr zufrieden. Jetzt heißt es gut erholen und am Mittwoch im Viertelfinale wieder neu anfangen. Es kann gern so weiter gehen.“
Alexandra Föster als Zweite sicher im Halbfinale
Alexandra Föster (RC Meschede) hat die erste Aufgabe im Frauen-Einer gut gemeistert. Sie wurde im zweiten Vorlauf in 7:21,83 Minuten Zweite hinter der klar dominierenden Olympia-Dritten Viktoria Senkute (Litauen) und schaffte damit die direkte Qualifikation für die Semifinals am Freitag. Nach 500 Metern noch Dritte, setzte sich Föster danach auf Rang zwei, hatte ihre beiden Konkurrentinnen gut im Blick und alles im Griff. Gut zwei Sekunden hinter der Deutschen wurde Laureen O´Connor (USA) Dritte, auf Rang vier kam Katie Clark (Kanada).
„Wir hatten starke Gegnerinnen, das war uns im Vorfeld klar“, sagte Fösters Trainer Sebastian Kleinsorgen. „Das Ziel war, sicher ins Halbfinale zu kommen. Das hat gut geklappt und wir sind zufrieden. Die Erfahrung, in dieser Hitze ein Rennen zu fahren, ist eine besondere Aufgabe, auf die wir uns gut vorbereitet haben. Alex konnte auch bei diesen Temperaturen ihre Leistung gut abrufen.“ Die nächste Aufgabe sei es nun, das Finale zu erreichen. Mit der Britin Lauren Henry und der Dänin Frieda Nielsen sind wieder Medaillenfavoritinnen in Fösters Semifinale dabei.
Männer-Vierer ohne verpasst Halbfinale
Das war bitter. Der Männer-Vierer ohne Steuermann hat das WM-Halbfinale knapp verpasst. Wolf Niclas Schröder, René Schmela, Max John und Friedrich Amelingmeyer (RU Arkona Berlin, Berliner RC, Olympischer RC Rostock und Osnabrücker RV) kämpften in ihrem Vorlauf bis zum Zielstrich, aber ihre Zeit von 6:04,26 Minuten war letztlich um 1,39 Sekunden zu langsam, um über die Zeitregel den Sprung unter die Top-Zwölf zu schaffen.
Die beiden direkten Qualifikationsplätze für das Semifinale waren im deutschen Rennen unangefochten an Litauen (mit drei Stankunas-Brüdern) und das neue Boot von Olympiasieger USA gegangen, das DRV-Boot wurde Lauf-Dritter. Zum Verhängnis wurde Amelingmeyer und Co. der superschnelle letzte der vier Vorläufe, in dem selbst der Viertplatzierte Ukraine so gut unterwegs war, dass er ihnen den Halbfinalplatz wegschnappte. Als Rang-13. muss der Vierer ohne, wie auch der Zweier ohne, mit dem C-Finale vorliebnehmen, das am Mittwoch ausgefahren wird.
Die Sportler haderten mit dem neuen Modus, der mit dem Wegfall der Hoffnungsläufe keine zweite Chance mehr bietet. „Er liefert spannende Rennen, das haben wir an den ersten beiden Tagen hier gesehen. Aber es ist eine harte Variante, wenn man in einer Outdoorsportart, in der man in jedem Rennen unterschiedliche Bedingungen haben kann, so aussortiert wird. Für die, die knapp scheitern, ist es undankbar“, sagte Wolf Niclas Schröder. „Das war eines unserer besseren Rennen, was aber keineswegs das Ergebnis beschönigt. Aber man fragt sich natürlich: Haben wir uns zu sehr auf die beiden Boote rechts konzentriert? Sind wir in der Mitte und am Ende einen Tick zu unsauber gefahren? Es sind Nuancen. Und jetzt haben wir keine Chance mehr, diese wenn auch kleinen Fehler auszubügeln. Das ist bitter und ein sehr undankbares Ausscheiden“, meinte Max John.
Marcus Klemps Endspurt ins Para-Einer-A-Finale
Besser konnte der WM-Einstand für das deutsche Para-Team nicht laufen. Ein grandioser Endspurt brachte Marcus Klemp (OR Rostock) im PR1-Einer der Männer zum dritten Mal in seiner langen Ruder-Karriere nach 2022 und 2023 ins A-Finale einer Weltmeisterschaft. Als Vierter seines Vorlaufs verdrängte er aufgrund der Zeitregel den Brasilianer Rene Campos Perreira, der im anderen Vorlauf Dritter geworden war. 9:26,70 Minuten standen für Klemp auf der Anzeigetafel, 9:29,21 Minuten für Perreira. Fast hätte der Rostocker mit seinem Turbo-Finish auch noch den verdutzten Franzosen Alexis Sanchez eingeholt, der von seinen zwölf Sekunden Vorsprung nach 1500 Metern noch knapp zwei Sekunden ins Ziel rettete.
„Es war das beste Rennen des Jahres, ich bin ohne Fehler runtergekommen. A-Finale war das Ziel, ich bin überglücklich, dass es geklappt hat. Vielen Dank für die zahlreiche Rennbegleitung – ich habe Euch alle gehört, hammergeil“, sagte Marcus Klemp. „Ich bin stolz auf Marcus, die harte Arbeit hat sich gelohnt“, freute sich sein Trainer Lutz Bühnert. „Ein schöneres Geburtstagsgeschenk hätte ich mir nicht vorstellen können. Aber am Start muss Marcus im A-Finale noch eine Schippe drauflegen. Das werden wir noch ein bisschen trainieren“, meinte Para Bundestrainer Marc Stallberg.
Bis zum A-Finale am Freitag hat Klemp nun Zeit. Druck hat er dort keinen, aber vielleicht kann er ja noch den einen oder anderen ärgern. Die Top-Drei dieser Klasse, Benjamin Pritchard (Großbritannien), Eric Horrie (Australien) und Roman Polyanskyi (Ukraine), werden auf Grund ihres Leistungsvermögens wohl unantastbar sein.
Das bringt der WM-Dienstag
Am dritten Wettkampftag in Shanghai werden nur drei deutsche Boote im Einsatz sein. Der Männer-Doppelvierer wird dabei versuchen, seinen Traum vom A-Finale zu verwirklichen. Für das junge Boot wäre das ein schöner Erfolg. Im zweiten Semifinale (5:20 Uhr deutscher Zeit) fällt Großbritannien, das noch mit zwei Olympia-Teilnehmern von Paris antritt, die Favoritenrolle zu. Vielleicht kommt es um den zweiten direkten Qualifikationsplatz erneut zu einem Zweikampf mit Polen, das vom DRV-Boot im Vorlauf bezwungen worden war. Spanien, China und Tschechien sind die restlichen Gegner.
Der Männer-Zweier ohne hat sich für das C-Finale (5:44 Uhr) einiges vorgenommen. Die Gegner werden Norwegen, Tschechien, Hongkong, Unabhängige Neutrale Athleten und Kasachstan sein.
Im Leichtgewichtsrudern steht für Fabio (Kress (ARC Würzburg) der Vorlauf an. Der Europameister möchte sich für das Halbfinale am Donnerstag qualifizieren. Bekanntester Gegner im dritten Vorlauf (4:41 Uhr) wird Halil Kaan Coroglu (Türkei), der frischgebackene U23-Europameister, sein.
Events
Boote
| Vorlauf 2 | 7:21.83 | 2 . Platz | |
| Halbfinale A/B 1 | 7:38.20 | 3 . Platz | |
| Finale A | 7:26.31 | 5 . Platz |
| Vorlauf 2 | 6:14.13 | 2 . Platz | |
| Finale A | 6:36.00 | 3 . Platz |
| Vorlauf 2 | 6:29.42 | 2 . Platz | |
| Finale A | 6:12.83 | 4 . Platz |
| Vorlauf 4 | 6:44.91 | 1 . Platz | |
| Viertelfinale 4 | 7:13.98 | 1 . Platz | |
| Halbfinale A/B 1 | 6:52.52 | 1 . Platz | |
| Finale A | 6:37.17 | 2 . Platz |
| Vorlauf 3 | 7:05.41 | 2 . Platz | |
| Halbfinale A/B 1 | 7:25.00 | 2 . Platz | |
| Finale A | 7:03.28 | 4 . Platz |
| Vorrennen/Bahnverteilungsrennen | 6:37.75 | 3 . Platz | |
| Finale A | 6:50.24 | 3 . Platz |
| Vorlauf 1 | 6:34.30 | 5 . Platz | |
| Finale C | 6:45.77 | 3 . Platz |
| Vorlauf 3 | 6:05.65 | 3 . Platz | |
| Finale C | 6:08.40 | 3 . Platz |
| Vorlauf 3 | 5:43.71 | 1 . Platz | |
| Halbfinale A/B 2 | 5:44.94 | 3 . Platz | |
| Finale A | 5:57.56 | 5 . Platz |
| Vorlauf 2 | 5:49.18 | 3 . Platz | |
| Finale B | 5:33.18 | 1 . Platz |
| Vorlauf 2 | 5:57.37 | 2 . Platz | |
| Finale A | 5:45.99 | 6 . Platz |
| Vorlauf 2 | 9:26.70 | 4 . Platz | |
| Finale A | 9:28.70 | 6 . Platz |
| Vorlauf 2 | 8:29.13 | 1 . Platz | |
| Finale A | 8:15.58 | 2 . Platz |
| Vorlauf 3 | 7:41.49 | 1 . Platz | |
| Halbfinale A/B 1 | 7:23.10 | 1 . Platz | |
| Finale A | 6:58.64 | 1 . Platz |
| Vorlauf 2 | 7:27.86 | 3 . Platz | |
| Finale A | 7:04.98 | 3 . Platz |